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30.09.2008 19:25
Wenig Hoffnung für Hypo Real Estate
Die Ausfallbürgschaft des Bundes lässt den Immobilienfinanzierer vorerst überleben. Experten zweifeln aber an der Zukunftsfähigkeit der HRE. Die Äußerungen aus Finanzministerium, Bundesbank und BaFin widersprechen sich in dieser Frage.
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Die Aussagen von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hatten die Experten am Montagabend bereits hellhörig werden lassen. Nachdem die Hypo Real Estate durch die Garantien von Bund und Banken kurzfristig am Leben erhalten werden soll, könne sie anschließend "geordnet abgewickelt" werden, so Steinbrück.

Am Dienstagnachmittag wurde bekannt, dass das Institut wohl durch den Verkauf von Tochtergesellschaften neu strukturiert werden soll. Der Nachrichtenagentur dpa lag nach eigenen Angaben ein entsprechendes Schreiben von Bundesbank und der Aufsichtsbehörde BaFin vor.

Schrumpfkur oder Übernahme
Bei Experten herrscht derweil weiterhin Misstrauen über die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens vor: "Wenn es wirklich zu einer Abwicklung käme, wird das Geschäft der Hypo Real Estate untergehen", sagt dazu Bankenanalyst Sebastian Reuter von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Ohnehin gebe es derzeit wenig Hoffnung dafür, dass die HRE noch eine große Zukunft habe. Das bisherige Kerngeschäft der gewerblichen Immobilienfinanzierung liege komplett danieder. Gesundschrumpfen sei der einzig gangbare Weg für den Konzern. Einzig die Rettung unter das Dach eines größeren Partners verspreche noch eine gewisse Belebung für den gebeutelten Aktienkurs. Doch ein solcher Partner sei nicht in Sicht.

Aus Sicht seines Kollegen Martin Peter von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steht eine Abwicklung im Sinne einer Unternehmensauflösung dagegen nicht an. Die Rettungs-Konstruktion, bei der der Bund und ein Bankenkonsortium der HRE unter die Arme greife, sei nur für ein kurzfristiges Liquiditätsproblem gedacht. Immerhin bringe das Unternehmen zur "Gegensicherung" ein Portfolio mit Staatsanleihen im Nominalwert von 42 Milliarden Euro ein.

Sorgen um die Aktionäre
Aus seiner Sicht kann die Rettungsaktion letztlich auch ohne Verluste bei den beteiligten Akteuren, bzw. im Staatshaushalt vonstatten gehen. "Mehr Sorgen mache ich mir um die Aktionäre", so Peter gegenüber boerse.ARD.de. Das Geschäft des Immobilienfinanzierers ist seiner Ansicht nach von den schwierigen Refinanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt weiterhin belastet. "Die Hypo Real Estate hat jetzt natürlich ein großes Imageproblem gegenüber Kreditgebern. Die braucht dringend wieder ein besseres Rating, aber das dürfte schwierig werden." Analyst Peter hat die Aktie am Montag umgestuft: auf Verkaufen.

Verwirrung um angebliche "Abwicklung"
Die Schieflage des Dax-Unternehmens war am Dienstag Thema einer Reihe von Sondersitzungen der Bundestagsfraktionen. Darin wiederholte Finanzminister Peer Steinbrück nach Angaben von Teilnehmern, mit dem Paket gehe es um eine "geordnete Abwicklung" der HRE. Am Ende des Prozesses stehe das Aus des Unternehmens in der heutigen Form. Er sei erstaunt, dass die Bank es so darstelle, als könne es bei ihr so weitergehen wie zuvor. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn erklärte, Steinbrück habe klar gemacht, dass das Ziel die HRE-Abwicklung sei. Das Unternehmen sehe das offenbar anders.

Offenbar auch Bundesbank-Präsident Axel Weber, der erklärte: "Die Hypo Real Estate ist in eine zukunftsfähige Situation geführt worden." Am Abend betonte auch BaFin-Chef Jochen Sanio, das Rettungspaket diene nicht der Liquidierung der Bank. Erst wenn die HRE den Kredit bei Fälligkeit nicht zurückzahle, könne es zur Verwertung der Aktien der Banktöchter kommen.

Aktie erholt
Die Aktie von Hypo Real Estate vollführte am Dienstag einen Sprung um rund 17,9 Prozent auf 4,15 Euro. Nach dem desaströsen Kurseinbruch vom Montag mit rund 75 Prozent Kursverlust wird dies am Markt aber überwiegend als "technische Reaktion" gewertet (s. auch unseren Hintergrund: "Wie das HRE-Rettungspaket aussieht").

AB/la
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