Der Dow-Jones-Index der Standardwerte brach im Handelsverlauf in New York um bis zu drei Prozent ein. Die Lehman-Aktie stürzte um mehr als 90 Prozent an. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin blockierte derweil die Geschäfte der Tochter Lehman Brothers Bankhaus AG, um einen weiteren Abfluss von Vermögen zu verhindern. Hierzulande existieren Verbindlichkeiten von rund 14,3 Milliarden Dollar.
AIG-Papiere brechen ein
Im Lehman-Sog verzeichneten auch andere Finanztitel an der Wall Street herbe Verluste. Als Wackelkandidat gilt auch die größte US-Sparkasse Washington Mutual. Beim Versicherer AIG kursieren Gerüchte, er müsse sich von Konzernteilen trennen, um zu überleben AIG-Aktien büßten rund 50 Prozent ein. Zu den größten Gewinnern gehörten dagegen die Titel von Merrill Lynch. Der Notverkauf an die Bank of America bescherte der Aktie einen Freudensprung von rund 30 Prozent. Die Anleger der Bank of America waren weniger glücklich über den Deal, die Aktien gab zwölf Prozent ab.
Bereits zuvor hatten die Börsen rund um den Globus teils kräftige Verluste hinnehmen müssen. So rutschte der deutsche Leitindex Dax zeitweise bis zu 4,7 Prozent auf 5.942 Zähler ab und unterschritt damit auch das bisherige Jahres-Verlaufstief von 5.999 Punkten - ein charttechnisch äußerst bedenkliches Signal. Vor allem Finanztitel gerieten unter die Räder. Am größten fielen die Abschläge bei der Deutschen Bank, Commerzbank und Allianz aus.
US-Regierung verweigert Hilfe
Die US-Investmentbank Lehman Brothers hatte am Montagmorgen Gläubigerschutz beantragt. Zuvor hatten unter anderem die Bank of America und die Barclays Bank einen Kauf des Instituts ausgeschlossen. Die Banken waren nicht bereits gewesen, die milliardenschweren Risiken zu übernehmen und auch die US-Regierung schloss Staatshilfen aus.
US-Finanzminister Henry Paulson hatte am Wochenende klar signalisiert, dass die Bush-Regierung nicht jede Bank retten könne, und damit eine strategische Kehrtwende vollzogen. Erst eine Woche zuvor hatte die US-Regierung die beiden maroden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac mit einer 200 Milliarden Dollar teuren Verstaatlichung vor dem Aus gerettet.
Dramatische Kettenreaktion?
Die Tatsache, dass keine US-Bank Lehman zum "Schnäppchenpreis" von zuletzt 2,53 Milliarden Dollar erwerben wollte, dürfte ein Hinweis sein, wie schlecht es tatsächlich um Lehman bestellt war. Bereits zum Stand 31. Mai betrug die Gesamtverschuldung von Lehman 613 Milliarden US-Dollar, wie das Insolvenzgericht bestätigte. Zu diesem Zeitpunkt betrug das Gesamtvermögen von Lehman noch 639 Milliarden Dollar.
Dabei könnte mit der Lehman-Pleite eine Kettenreaktion in Gang gesetzt werden. Denn zu den größten Gläubigern der US-Bank gehörte die Citigroup mit rund 138 Milliarden Dollar.
Nur noch zwei statt fünf Investmentbanken
Auch die US-Investmentbank Merrill Lynch war von einem drastischen Kurseinbruch nicht verschont geblieben. Daher und wegen angehäufter Milliardenverlusten war sie zuletzt immer stärker unter Druck geraten. Für rund 50 Milliarden Dollar wurde sie an die Bank of America verkauft.
In den vergangenen Monaten hat sich somit das US-Bankensystem dramatisch verändert. Zurzeit gibt es nur noch zwei unabhängige Investmentbanken an der Wall Street statt fünf vor einem halben Jahr. Erst vor sechs Monaten hatte die Investmentbank Bear Stearns wegen der Kreditkrise ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen.
Damals war die US-Notenbank Federal Reserve mit Milliarden-Garantien in die Bresche gesprungen. Sowohl die Fed als auch die Banken arbeiten derweil an Notfallprogrammen, um die Krise an den Finanzmärkten zu entschärfen. Doch Experten wie Fairesearch-Chefvolkswirt Eberhardt Unger warnen Anleger vor zu hohen Erwartungen (lesen Sie dazu unseren Beitrag "Die Fed ist völlig hilflos").
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