Gesundheitspolitiker warnen schon seit langem vor einer zunehmenden "Verfettung" unserer Gesellschaft. Nun haben auch die Banken das Thema entdeckt. Die Analysten der Credit Suisse haben einen Report unter dem Titel "Fettleibigkeit- und ihre Bedeutung für die Geldanlage" veröffentlicht und heben die lukrativen Gewinnchancen hervor, die die Jagd auf die Fettsucht verspricht.
Über eine Milliarde Menschen zu dick
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sind mehr als eine Milliarde Menschen weltweit fettleibig (d.h. haben einen Body-Mass-Index von über 30). Die Credit Suisse spricht gar von 1,8 Milliarden Menschen, die zu viel Kilos auf die Waage bringen. In den USA ist bereits jedes dritte Kind zu dick. In den nächsten Jahren dürften es noch mehr werden. Allein in China soll sich die Zahl der Übergewichtigen bis 2015 mehr als verdreifachen, prophezeien die Credit-Suisse-Experten.
Ursache der zunehmenden Fettsucht ist der steigende Wohlstand in vielen Ländern. In China und auch anderen asiatischen Ländern stehen statt Reis und Chinakohl zunehmend Fleischgerichte auf dem Speiseplan. Ein weiterer Grund für die Verfettung der Weltbevölkerung ist der Mangel an Bewegung. Immer mehr Großstädter nutzen Autos und öffentliche Verkehrsmittel statt zu Fuß zu gehen.
Die Fettsucht birgt hohe Gesundheitsrisiken und belastet die Krankenkassen. "In der westlichen Welt entfallen bis zu acht Prozent der gesamten Gesundheitskosten auf Krankheiten, die mit Übergewicht zusammenhängen", schätzt Andrew Fellow von er Schweizer Bank Pictet. Um diese Kosten zu dämpfen, dürfte der Kampf gegen Fettleibigkeit in Zukunft weiter forciert werden.
Pharma-, Konsumgüter- und Sportartikel-Branche profitieren
Bestimmte Branchen und Unternehmen dürften nach Ansicht der Credit Suisse vom Kampf gegen die Fettleibigkeit überdurchschnittlich stark profitieren. Die Analysten der Bank sehen vor allem die Pharma- und Nahrungsmittel-Konzerne, die Medizintechnikhersteller und die Sportartikler als Gewinner der Anti-Fettsucht-Welle. Denn mit Bewegung und richtiger Ernährung lassen sich am ehesten die überschüssigen Pfunde abbauen.
Von Allergan bis Nike
Konkret werden Aktien von 15 Firmen zum Übergewichten empfohlen, denen besonders zugetraut wird, am Kampf gegen das Übergewicht fett mitzuverdienen. Zu den Favoriten der Schweizer Bank zählen Pharma-Größen wie Merck, Novo Nordisk und Allergan, die mit Medikamenten oder Behandlungen der Fettsucht zu Leibe rücken. Auf der Empfehlungsliste ganz oben stehen auch die Papiere der Sportartikelbranche wie Nike und Under Armour. Hinzu kommen Aktien von Fitness-Center-Betreibern wie Life Time Fitness.
Als weitere Fettsucht-Gewinner sehen die Credit-Suisse-Analysten die Aktien der Nahrungsmittelkonzerne Danone, General Mills und Kellog. Last but not least wird die malaysische Palmölhersteller Kuala Lumpur Kepong als Top-Pick ausgewiesen, da er vom drohenden Verbot der künstlich gehärteten Fettsäuren (Transfette) profitiere.
Bescheidene Performance 2008
Nach kräftigen Kursgewinnen in den letzten Jahren fiel allerdings in diesem Jahr bisher die Perfomance bescheiden aus. Nur zwei Aktien notieren über dem Niveau des Jahresbeginns. Dies sind der Müslihersteller Kellog und Konkurrent General Mills.
Und: Nicht alles, was die Anti-Fettsucht-Konzerne anbieten, ist gesund. So macht Kellog immer noch einen Großteil seiner Umsätze mit den kohlehydratreichen Cornflakes.
Laufen Fettleibigkeits-Aktien besser?
Wer stattdessen auf Fast-Food-Ketten wie McDonald's setzte, konnte mindestens genau so fette Gewinne einfahren. Der Kurs von McDonald's hat sich in den letzten drei Jahren nahezu verdoppelt. Zwar bietet McDonald's inzwischen auch knackige Salate und Milchprodukte an, Kerngeschäft bleiben aber weiterhin die Burger. Doch die Fettleibigen könnten McDonald's noch zum Verhängnis werden: Sie versuchen seit langem, Fastfood-Ketten wie Mc Donald's für ihr Übergewicht verantwortlich zu machen. Im schlimmsten Fall droht McDonald's ein ähnliches Schicksal wie den großen US-Tabakkonzernen, die mehrstellige Milliarden-Zahlungen als Schadenersatz zusagen mussten.
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