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20.08.2008 15:35
Medisana doch nicht der Liebling der Älteren?
von Angela Göpfert
Blutdruckmessgeräte, Heizkissen und Körperfettwaagen: Eigentlich hat die Medisana AG Produkte, die genau auf die alternde Bevölkerung zugeschnitten sind. Doch anstatt vom demographischen Wandel zu profitieren, befindet sich die Aktie seltsamerweise seit Jahren im Rückwärtsgang.
Bild zum Artikel Kuschelheizdecke von Medisana 

Eines ist sicher: Langweilig wurde es den Aktionären der Medisana AG aus dem nordrhein-westfälischen Hilden bestimmt nie. Im Sommer 2000, mitten in der Neuen-Markt-Euphorie, fand die Erstnotiz zum stolzen Ausgabepreis von 15,50 Euro statt. Doch diese Höhen sollte die mittlerweile im General Standard notierte Medisana-Aktie anschließend nie wieder erklimmen: Sie stürzte bis auf 0,53 Euro ab, legte anschließend einen Zwischenspurt bis auf 7,30 Euro im Jahr 2005 hin, nur um anschließend in einen stabilen Abwärtstrendkanal überzugleiten.

Auch am Mittwoch notiert die Aktie mit rund drei Euro nicht allzu weit von ihrem Jahrestiefstand von 2,75 Euro entfernt. Seit Jahresbeginn verbuchte sie ein Minus von über 30 Prozent und lieferte damit eine deutlich schlechtere Performance ab als der Gesamtmarkt. Der Branchenindex Pharma & Healthcare sank nur um fünf Prozent (siehe auch unsere Grafik).

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Profitieren von der Überalterung der Gesellschaft
Doch warum kommt die Aktie nicht aus dem Quark? Die Suche nach einer Antwort gestaltet sich schwierig. Denn eigentlich klingt die Geschäftsidee durchaus plausibel. Die Medisana AG will "überdurchschnittlich am Megatrend Gesundheitsmarkt partizipieren". Tatsächlich müsste dem Unternehmen mit seinen Produkten aus dem Bereich Medizin und Home Health Care die demographische Entwicklung eigentlich zupass kommen.

Hauptzielgruppe für den Absatz von Blutdruckcomputern, Personenwaagen, elektronische Schmerzpflaster, Hand- und Fußpflegegeräte, Komfort-Heizkissen und Kuschel-Heizdecken ist nämlich die Gruppe "der über 50-Jährigen, die 75 Prozent der Gesundheitsausgaben bestreiten". Eine Gruppe, die angesichts der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft immer größer wird.

Konkurrenz durch Billig-Produkte?
Auch die Konzernkennzahlen lesen sich auf den ersten Blick gut: So wurde von 2005 bis 2007 der Umsatz nahezu verdoppelt auf 30 Millionen Euro, und sowohl das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) als auch das Jahresergebnis schafften den Sprung von der Verlust- in die Gewinnzone. Auch der operative Cashflow wurde nachhaltig verbessert, und mit einer Eigenkapitalquote von über 50 Prozent erweckt des Unternehmen einen finanziell stabilen und unabhängigen Eindruck.

Allerdings blieb 2007 unterm Strich mit 755.000 Euro nicht allzu viel hängen. Auch die Ebit-Marge – ein Zeichen für die Profitabilität eines Unternehmens – war mit 3,5 Prozent noch recht mager, was ein Grund für die anhaltenden Kursverluste sein könnte. Schließlich befindet sich Medisana mit seinen Produkten auf einem hart umkämpften Markt. In Zeiten, in denen Discounter und Kaffeeröstereien nahezu wöchentlich Körperfettwagen, Heizkissen und gar Blutdruckmessgeräte im Angebot haben, scheint es schwer, hoch profitabel zu wirtschaften.

Medisana selbst weist diese Kritik jedoch weit von sich: Schließlich verfüge man selbst über eine "Low-Cost"-Marke im Portfolio. Zudem sei man vor allem als Premiummarke etabliert, sodass man vom Preisdruck wenig tangiert werde, betont Finanzvorstand Marco Getz im Gespräch mit boerse.ARD.de (siehe auch das Interview "Medisana hat Riesenpotenzial").

Medisana sieht sich im Premiumsegment
Mit der Fokussierung auf das Premiumsegment will Medisana künftig operativ mehr verdienen. Und tatsächlich scheint das dem Unternehmen zunehmend zu gelingen: Die Entwicklung im ersten Halbjahr 2008 lässt jedenfalls hoffen. So legte der Umsatz um 17,5 Prozent auf 14,8 Millionen Euro zu, das Ebit konnte auf 1,2 Millionen Euro gar verdoppelt werden. Die Ebit-Marge stieg von 4,8 auf 8,1 Prozent. Medisana selbst hält sich damit für "gesund wie nie". Nur der kränkelnde Aktienkurs spricht noch eine andere Sprache.

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