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Performance & Rendite: Steuern


28.01.2008 15:02
Umschichten vor der Abgeltungssteuer
Noch knapp ein Jahr bis zum Stapellauf der Abgeltungssteuer. Fondsanleger bewegen sich Anfang 2008 vielfach zwischen Verwirrung und Torschlusspanik. Kaufentscheidungen vor, aber auch nach Einführung der neuen Steuer sollten wohl überlegt sein.
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Viele Anleger in Investmentfonds haben rund ein Jahr vor dem Tag X noch keine Strategie für den Umgang mit der neuen Steuer parat. Die Abgeltungssteuer auf Wertpapiererträge in Höhe von 25 Prozent ab 2009 wird vielfach noch nicht recht wahrgenommen. Investoren fühlen sich überwiegend schlecht informiert, vor allem aber nicht wirklich im Stande die angemessene Entscheidung für ihre Anlagen bis zum Jahresende 2008 und darüber hinaus zu treffen.

Anlegermilliarden auf Wanderschaft
Dabei ist der von den Fondsanbietern selbst ermittelte Umschichtungsbedarf im Vorfeld der neuen Steuer offenbar gewaltig. Union Investment, die drittgrößte Fondsgesellschaft hier zu Lande, geht von Umschichtungen in der Größenordnung von 10 bis 20 Milliarden Euro allein für ihre eigenen Bestände vor Ende 2008 aus. Das entspricht rund einem Fünftel der gesamten Anlagebeträge der Gesellschaft.

Die Fondsanbieter selbst hatten sich in den vergangenen Monaten mit einer Vertriebsoffensive merklich zurück gehalten. Zu groß war die Befürchtung, dass die Einführung der Pauschalsteuer noch vorgezogen werden könnte. Auch im Januar 2008 geizen DWS, Allianz Global Investors oder Deka mit direkten Hinweisen zum Umgang mit der Abgeltungssteuer.

Produkt-Schmieden auf Hochtouren
Dafür werden Produkte wie Dachfonds oder Zertifikatefonds, die vor allem mit Blick auf die Veränderungen der Steuerlandschaft aufgelegt wurden, merklich stärker in den Vordergrund gestellt. Besonders Dachfonds dürfte eine Blütezeit vor Ende 2008 bevor stehen. Mehrere Hundert von ihnen dürften nach Expertenschätzungen in den kommenden Monaten das Licht der Welt erblicken und in den Publikumsvertrieb kommen.

Nicht Hals über Kopf in den Aktienmarkt
Auf der Suche nach der richtigen Anlage sollte der Privatinvestor allerdings nicht zuerst auf das Produktangebot der Fondsgesellschaften als auch seine eigene Befindlichkeit blicken. Nur weil für Aktien und Aktienfonds bis Ende 2008 letztmalig die Möglichkeit besteht, steuerfreie Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer realisieren zu können, sollte ein Rentner nicht große Teile seiner flüssigen Mittel in den Aktienmarkt pumpen. Und nicht weil Dach- und Lebenszeitfonds "den Fonds fürs Leben" bewerben, sollte man nach 2008 krampfhaft daran festhalten, nur um Steuern zu sparen.

Wer seine persönliche "Asset Allocation" für die kommenden Jahre skizziert hat, kann allerdings zur Tag schreiten. Ob die derzeitigen Kurseinbrüche an den Aktienmärkten bereits Einstiegschancen für den Anleger in Aktienfonds darstellen, ist allerdings schon wieder Ermessenssache. Auf Sicht von fünf oder zehn Jahren könnten Mutige hier bereits erste Positionen aufbauen.

Globale Aktienfonds vs. Dachfonds
Weltweit investierende Aktienfonds gelten dabei als erste Wahl für viele Anlageexperten. Sie streuen das Risiko des Aktienmarktes durch ihr Investment in verschiedene Regionen, aber auch Branchen. Favorisiert werden oft zudem Fonds, die vorwiegend in "Blue Chips" investieren, also Unternehmen mit hoher Marktkapitalisierung. Deren Aktien weisen in der Regel weniger große Schwankungen auf, als mittlere oder kleinere Titel.

Ob Dachfonds-Konstruktionen oder auch die stark propagierten "Ziel"- oder "Lebenszeitfonds" eine gute Alternative zum global investierenden Aktienfonds sind, wird sich wohl erst in den kommenden Jahren zeigen. Viele Experten wie Arnd Brüggenwirth von der Landesbank Berlin International weisen auf die hohen Gebühren bei Dachfonds hin, die die Rendite gegenüber Einzelfonds schmälern können. Verfechter der Dachfonds weisen wiederum darauf hin, dass deren Performance in den vergangenen Jahren mit denen der Einzel-Aktienfonds durchaus mithalten konnte.

"First-in-first-out"
Fondssparern hat der Gesetzgeber noch einen zusätzlichen Ballast mit auf den Sparweg gegeben. Denn Anteile, die nach dem 1.1.2009 ins Spardepot wandern, werden natürlich steuerlich anders behandelt als die "Altfälle". Nach der "First-in-First-out"-Devise gelten aber die zuerst gekauften Papiere als zuerst verkauft, wenn Anleger sich von Anteilen trennen. Viele Steuerexperten raten deshalb dazu, nach 2009 erworbene Anteile auf einem gesonderten Depot zu sammeln, um Steuerwirrwarr zu vermeiden und die Steuerfreiheit der "alten" Fondsstücke erhalten zu können.

Rettung für Zertifikate-Strategien
Neben Dach-Aktienfonds erwarten auch Zertifikate in einem Fondsmantel vor Ablauf des Jahres 2008 eine Sonderkonjunktur. Denn für Zertifikateanleger bieten sie die Möglichkeit, die Steuerfreiheit der Kursgewinne aus den Produkten über viele Jahre zu konservieren. Eine Strategie mit Discount- oder Bonuszertifikaten kann dadurch weiter verfolgt werden.

Immobilien- und Rentenfonds als relative Gewinner
Immobilien- und Rentenfonds dürften dann mit Beginn des neuen Steuerzeitalters in der Gunst der Anleger deutlich steigen. Bei offenen Immobilienfonds bleiben die erzielten Auslandserträge in Deutschland weiterhin steuerfrei. Fonds mit einem hohen Anteil von Objekten im Ausland dürften damit stark gefragt sein.

Bei Rentenfonds schließlich sinkt mit der Abgeltungssteuer für viele Anleger die Steuerlast gegenüber dem Status quo. Müssen Zinserträge aus ihnen bislang noch mit dem persönlichen Steuersatz versteuert werden, greift hier ab 2009 die Abgeltungssteuer. Deren einheitlicher Steuersatz von 25 Prozent liegt aber unter dem der meisten Anleger. Mit der Steuerfreiheit von Kursgewinnen ist es aber ab 2009 auch bei Rentenfonds vorbei.

AB
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