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23.01.2008 21:04
Zittern und Bangen
Zur Wochenmitte gerieten die Börsenkurse erneut ins Rutschen. Der Dax rauschte um bis zu 5,7 Prozent in die Tiefe. An der Wall Street gab es am Abend zumindest Erholungsansätze.
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Im Verlauf des New Yorker Handels holte der Dow-Jones-Index einen Großteil seines Tagesverlusts wieder auf und notierte eine Stunde vor Handelsende sogar im Plus. Viel mehr als eine technische Reaktion nach den Verlusten der vorangegangenen fünf Handelstage zeichnete sich allerdings nicht ab.

An den europäischen Börsen war es nach einem freundlichen Start wieder zu heftigen Kursverlusten gekommen, was nicht zuletzt auf die Haltung der Europäischen Zentralbank zurückzuführen war. Die EZB bekräftigte nämlich, dass sie den Leitzins in der Eurozone vorerst nicht senken will. Darauf hatten die Finanzmärkte aber gehofft, nachdem die Währungshüter in den USA ihren Leitzins so dramatisch gesenkt hatten. Sie setzten den Zinssatz um 0,75 Prozentpunkte herab auf 3,75 Prozent - damit liegt der US-Leitzins jetzt erstmals seit langem unter dem EU-Niveau von 4,0 Prozent.

Anleger zeigten ihre enttäuschten Hoffnungen deutlich: Der Dax, der am Morgen noch mit einem Plus von 1,7 Prozent gestartet war, sackte zeitweise bis auf 6.384 Punkte ab, was einem Verlust von 5,7 Prozent entspricht. Der Index durchbrach sogar den Tiefststand, den er im März vergangenen Jahres erreicht hatte, nach unten. Zum Schluss des Xetra-Handels notierte das Börsenbarometer 4,9 Prozent tiefer bei 6.439 Punkten. Damit ist mehr als der gesamte Gewinn des vergangenen Jahres wieder verloren. Ende 2006 hatte der Dax bei 6.597 Punkten notiert.

Bild zum Artikel vergrößernLeitzinsen in den USA und Europa 

Dieser herbe Kurseinbruch geht nicht allein auf das Konto der EZB. Der Markt habe "davor Angst, dass sich in den USA eine negative Bewertung der Zinssenkung durchsetzt, und damit eine neue Verkaufswelle droht", sagte ein Händler. Die Kommentare zur Senkung durch die US-Notenbank seien weltweit sehr zwiespältig ausgefallen, hieß es weiter. Sie würden nun überwiegend als "Panikreaktion" der Notenbank interpretiert. Dies unterstelle, dass die die Wirtschaftslage noch schlechter als bisher bekannt sei. Unternehmensnachrichten spielten wie bereits in den vergangenen Tagen nur eine untergeordnete Rolle.

Schwacher Start an der Wall Street
Auch die US-Börsen verloren einen Tag nach der deutlichen Zinssenkung wieder an Boden. An der Wall Street kursierte am Mittwoch weiter das Schreckgespenst einer drohenden Rezession und die Furcht vor neuen Milliardenabschreibungen bei Banken. Zudem erschreckten Apple und Motorola die Börsianer mit unerwartet schwachen Geschäftsprognosen. Die Erleichterung über die kräftige Zinssenkung der US-Notenbank Fed am Dienstag war damit zunächst nur von kurzer Dauer.

Asiatische Börsen erholt
Gestern hatten Anleger den Zinsschritte der Fed noch positiv beurteilt. Die Wall Street hatte sich daher den dramatischen Kursverlusten in Europa weitgehend entziehen können. So viel Zuversicht beruhigte in der Folge auch die Anleger in Asien. In Tokio schloss der Nikkei-Index daher mit einem Zugewinn von zwei Prozent, im Handelsverlauf legte er sogar bis zu vier Prozent zu. Auch die anderen asiatischen Börsen erholten sich wieder etwas.

Es gab auch Gewinnmöglichkeiten...
Der legendäre Investor Warren Buffett nutzte die Börsenschwäche ebenfalls zum Zukaufen: Der US-Multimilliardär stieg bei rekordverdächtig niedrigen Kurse beim weltgrößten Rückversicherer Swiss Re ein.

bs/la
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