Überraschend wurde am Nachmittag bekannt, dass die EZB zusätzliche 94,8 Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,0 Prozent den Banken zur Verfügung gestellt habe. Dies erfolgte in Form eines Schnelltenders.
Banken wappnen sich gegen Ausweitung der Krise
Mit der Maßnahme reagierten die europäischen Währungshüter auf die zunehmende Nervosität am Geldmarkt. Angesichts des ungewissen Ausmaßes der US-Immobilienkrise deckten sich offenbar viele Geldhäuser mit Geld ein, um über genügend flüssige Mittel für schlechtere Zeiten zu verfügen. Der Zinssatz für Tagesgeld sprang kurzzeitig auf bis 4,70 Prozent.
Gerüchte über Liquiditätsprobleme
Um Störungen zu vermeiden, griffen die europäischen Währungshüter den Banken unter die Arme. "Die EZB stellt fest, dass es Spannungen im Euro-Geldmarkt gibt", teilte die Notenbank am Nachmittag mit. Von Liquiditätsproblemen könne aber keine Rede sein. "Die Versorgung mit Liquidität ist normal", hieß es. Zuvor hatte allerdings die Investmentbank Goldman Sachs von "Gerüchten über Liquiditätsprobleme mehrerer europäischer Banken" berichtet.
Volkswirte begrüßten den Schritt. "Die EZB hat ein Signal an die Märkte gesendet und versucht, die Marktteilnehmer zu beruhigen", meinte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank. Allerdings könne auch die EZB die grundsätzliche Problematik der US-Hypothekenkrise nicht abfedern.
Kehrtwende von Trichet
Die Intervention der EZB kam freilich recht unerwartet. Denn noch vor kurzem hatte sich EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gelassen über die US-Hypothekenkrise geäußert.
Erinnerungen an den 11. September 2001
Zuletzt hatte die EZB nach den Terroranschlägen in den USA am Geldmarkt eingegriffen. Am 12. und 13. September 2001 hatte die Notenbank mit "Schnelltender" frisches Geld in die Märkte gepumpt und die Panikreaktionen am Geldmarkt gestoppt.
Für Unruhe hatte am Donnerstagmorgen Nachrichten aus Frankreich gesorgt. Die Großbank BNP Paribas hatte wegen der Krise an den US-Hypothekenmärkten drei Fonds geschlossen.
Euro fällt unter 1,37 Dollar
Der Euro geriet stark unter Druck. Nachdem am Morgen die Gemeinschaftswährung noch knapp über 1,38 Dollar gekostet hatte, rutschte sie im Laufe des Tages auf unter 1,37 Dollar. Am Abend notierte der Euro bei 1,3692 Dollar.
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