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09.08.2007 10:38
Wen trifft die Immobilienkrise als nächstes?
von Notker Blechner
Von Entwarnung keine Spur. Nach der Beinahe-Pleite der IKB befürchten Anleger, dass weitere Banken in den Sog der amerikanischen Immobilien-Krise geraten. Als nächste Opfer werden heute die WestLB und BNP Paribas gehandelt. Die Krise könnte auch Privatanleger treffen. Schon müssen Besitzer von Fonds um ihr Erspartes bangen.
Abrutschendes Haus (Quelle: Photos.com | Montage: boerse.ARD.de)

Trotz der gestrigen Erholung an den Aktienmärkten sind die Anleger weiterhin verunsichert. Eilig dementiert die WestLB Spekulationen, ihre US-Tochter Brightwater hätte sich am amerikanischen Immobilienmarkt verspekuliert. Die französische Großbank PNB Paribas hingegen räumt Belastungen ein. Wegen Liquiditätsproblemen sei die Berechnung des Werts von drei Fonds ausgesetzt worden.

Auch das Auf und Ab beim Immobilienfinanzierer Aareal Bank am Mittwoch stand im Zusammenhang mit der Krise. Als das Geldinstitut am Nachmittag den Rücktritt des Finanzvorstands Christof Schörnig bekannt gab, sackte die Aktie zeitweise um neun Prozent ab. Händler vermuteten einen Zusammenhang mit der Subprime-Krise. Erst als Aareal beteuerte, dass Schörnigs Abgang nichts mit Problemen am US-Hypothekenmarkt zu tun habe, erholte sich die Aktie wieder.

Das IKB-Trauma
Die Angst vor einer Ausweitung der US-Immobilienkrise sitzt tief. Fast täglich müssen Geldinstitute dementieren, dass sie in das Hypothekendesaster verwickelt sind. Seit dem Beinahe-Kollaps der bislang unbescholtenen Mittelstandsbank IKB ist klar, dass auch Deutschland vor der amerikanischen Immobilienkrise nicht sicher ist. Nur dank Milliardenkrediten der KfW und Privatbanken konnte eine Pleite der Bank und damit die "schlimmste Finanzkrise seit 1931" (Bafin-Chef Jochen Sanio) verhindert werden.

Pleitewelle bei US-Hypothekenfinanzierern
Anleger befürchten, dass IKB kein Einzelfall bleibt. Denn die Hiobsbotschaften aus den USA reißen nicht ab. Die Liste der Pleite-Kandidaten wird immer länger. Zu Wochenbeginn meldete der zehntgrößte US-Hypothekenfinanzierer American Home Konkurs. Es ist der zweitgrößte Pleitefall seit dem Aus von New Century Financial im Frühjahr.

Die Krise erfasste auch einzelne Hedge-Fonds. So mussten in den vergangenen Wochen zwei Hedge-Fonds der angesehenen US-Investmentbank Bear Stearns Konkurs anmelden. Daraufhin reduzierte das Geldinstitut die Kreditlinien und entließ Präsident Warren Spector. Inzwischen wird vereinzelt Bear Stearns gar schon als Übernahmeobjekt gehandelt, einen Verkauf halten Beobachter aber doch für relativ unwahrscheinlich.

Marginale Belastungen bisher für deutsche Großbanken
Mehrere deutsche Finanzinstitute haben inzwischen eingeräumt, dass die Immobilien-Krise kleine Kratzer in ihrer Spur hinterlässt. Von dramatischen negativen Auswirkungen könne jedoch außer bei der IKB keine Rede sein. So beziffert die Commerzbank die negativen Belastungen aus dem Subprime-Engagement auf rund 80 Millionen Euro, die Allianz hat Rückstellungen von 70 Millionen Euro für Subprime-Risiken gebildet.

Einige schweigen noch
Glaubt man den bisher vorgelegten Zahlen, "ist keine Bank akut existenzgefährdend", meint ein Banken-Analyst. Allerdings hätten einige Geldinstitute noch gar nichts zu möglichen Risiken gesagt, fügt er einschränkend hinzu. So haben sich die Landesbanken mit klaren Äußerungen bisher zurückgehalten. Auch die Deutsche Bank hält sich mit konkreten Zahlen zurück.

Fünf ABS-Fonds geschlossen
Die Krise hat inzwischen bereits deutsche Privatanleger erreicht. Die BHF-Tochter Frankfurt Trust hat ihren Fonds FT ABS Plus geschlossen. Betroffen sind "einige tausend deutsche Privatanleger". Weitere ABS-Fonds von Union Investment, WestLB Mellon, HSBC, Axa und Sal. Oppenheim wurden ebenfalls eingestellt. In diesen sind allerdings vornehmlich institutionelle Anleger investiert.

Droht nun ein Überschwappen auf Geldmarktfonds?
Aktionärsschützer fürchten eine Ausweitung der Fondsschließungen und ein Überschwappen auf Geldmarktfonds. Denn in einigen der in Deutschland sehr beliebten Geldmarktfonds sind ABS-Papiere beigemischt, um die Rendite aufzubessern. Wenn erste Geldmarktfonds Probleme bekämen, könnte es zu panikartigen Reaktionen der Privatanleger wie vor eineinhalb Jahren bei offenen Immobilienfonds kommen, warnt Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz (DSW).

BVI sieht keine Gefahr
Das sieht man beim Verband der Fondsbranche, dem BVI, naturgemäß nicht so. Die reinen Geldmartktfonds seien sehr liquide, teilte am Donnerstagnachjmittag ein BVI-Sprecher mit. Die Beimischungen erfolgten im AAA- oder AA-Bereich. Reine Geldmarktfonds seien daher vom Risiko- und Liquiditätsprpofil klar von ABS-Produkten abzugrenzen, betonte der BVI-Sprecher. Die vorübergehende Aussetzung von Kauf- und Verkauf bei einigen ABS-Fonds sieht man beim BVI gelassen. Es handle sich um Maßnahmen zum Schutz der Anleger.

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