Josef Ackermann hat sie Anfang 2005 ins Bewusstsein der Anleger gerückt: die Eigenkapitalrendite auch Return on Equity bzw. ROE genannt. Errechnet wird sie als Verhältnis von Jahresgewinn zum Eigenkapital. Sie zeigt also an, wie viel Gewinn je eingesetztem Euro Eigenkapital hängen bleibt.
Aktionäre können daran ablesen, wie sich ihr investiertes Kapital verzinst. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je höher die Eigenkapitalrendite, desto positiver die Beurteilung. Vor allem an den Kapitalmärkten wird die Kennziffer von Investoren und Analysten benutzt, um Unternehmen auch international zu vergleichen.
Nicht verwechselt werden darf sie etwa mit der Umsatzrendite, die angibt, wie viel Gewinn je umgesetztem Euro erzielt wird. Sie sagt auch nichts darüber aus, wie rentabel das Investment für den Aktionär ist - das könnte er etwa an der Dividendenrendite ablesen.
Rendite auf dem Rücken der Arbeitnehmer
Ackermann hatte damals die 25 ins Leben gerufen: 25 Prozent Rendite vor Steuern. Das war die Zielmarke, um in der globalen "Peer Group", also der Gruppe der Wettbewerber, vorn mitmischen zu können. Um konkurrenzfähig zu bleiben. Um nicht von anderen Banken gefressen zu werden.
Mit einem rigiden Sparkurs und umfangreichen Stellenstreichungen trimmte Ackermann sein Bankhaus auf Rendite. Und löste mit diesem Gebaren einen Sturm der Entrüstung aus. Politiker sprachen von einer "Schweinerei" oder zumindest einem "moralisch wie volkswirtschaftlich fragwürdigen Kurs". Denn schlecht ging es der Bank damals nicht, regelmäßig wurden deutliche Gewinnsteigerungen gemeldet.
Doch bei aller Kritik gab es auch beipflichtende Worte. So verteidigte der frühere Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, das Vorgehen der Deutschen Bank. Ackermann versuche, dafür zu sorgen, dass der Finanzkonzern in Deutschland erhalten bleibe.
Von 4 auf 31
Als Grund für die Übernahmegefahr wurde immer wieder der geringe Börsenwert der Deutschen Bank genannt. Gerade angesichts des immer stärker werdenden Konsolidierungsprozesses in der Finanzbranche war die Angst, von einem der großen Wettbewerber geschluckt zu werden, durchaus berechtigt. Das bestätigten auch viele Analysten.
Insofern wurde Ackermanns Renditeziel als überlebenswichtig bezeichnet. Denn der Marktwert hängt direkt mit der Eigenkapitalrendite zusammen. Pauschal lässt sich sagen: Je höher die Eigenkapitalrendite, desto höher der Börsenwert.
Bei der Rendite hat Ackermann einen beeindruckenden Aufstieg gezeigt. Bei seinem Start als Vorstandssprecher lag die Eigenkapitalrendite gerade einmal bei vier Prozent.
"Nicht noch maßloser"
Doch trotz der jetzt erreichten 31 Prozent bleibt der Konzernchef bei der diesjährigen Bilanzvorlage bescheiden: Er wolle auch in den nächsten Jahren eine bereinigte Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern erreichen. "Ich will nicht als noch maßloser gelten", begründete Ackermann das Festhalten an der alten Zielmarke.
Aufschließen zur Konkurrenz konnte die Deutsche Bank noch nicht wirklich. Im europäischen Vergleich hinken die deutschen Kreditinstitute immer noch hinterher. (vgl. Grafik: Sie zeigt die Rendite nach Steuern, die von den meisten Banken angegeben wird).
Nicht mehr übernahmegefährdet
Immerhin konnten die Deutsch-Banker mit ihrem Renditekurs die Marktkapitalisierung kräftig steigern. Mittlerweile bringt die Deutsche Bank 58 Milliarden Euro auf die Börsenwaage. Damit gehört das Institut nun nicht mehr zu den Übernahmekandidaten.
Aber die Top-Liga kommt noch auf ganz andere Werte. Auf Platz eins ist die Citigroup mit umgerechnet rund 207 Milliarden Euro Marktwert. Ihr folgen die Bank of America, HSBC, JP Morgan Chase. Auf Rang sechs kommt schon die schweizerische UBS mit umgerechnet 102 Milliarden Euro. Die Deutsche Bank dürfte noch nicht unter den größten 20 Banken angelangt sein.
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