Metro-Papiere stiegen in der Spitze um bis zu 4,4 Prozent auf 45,73 Euro. Das Düsseldorfer Unternehmen übernimmt die 85 deutschen SB-Warenhäuser vom weltweit größten Einzelhandelskonzerns Wal-Mart. Bei 19 Standorte erwirbt Metro sogar die dazu gehörigen Immobilien, bei dem Rest bestehen Mietverhältnisse.
Die gekauften Märkte hätten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund zwei Milliarden Euro erzielt, teilte Metro mit. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr setzte der Metro-Konzern inklusive des Auslandsgeschäftes mehr als 55 Milliarden Euro um.
Metro übernehme die Warenhäuser schuldenfrei, hieß es zudem. Insgesamt würden die erworbenen Vermögenswerte den Kaufpreis sowie die Integrationskosten übersteigen. Der Konzern kann durch die Übernahme sogar noch einen Sonderertrag verbuchen, der in diesem Jahr anfällt und die Umsatz- und Ergebnisprognose ansonsten nicht beeinflusst. Nach Abzug der Kosten für die Restrukturierung und Integration dürfte sich der Sondererlös am Ende auf einen zweistelligen Millionen-Betrag belaufen, sagte Vorstandschef Hans-Joachim Körber in einer Telefonkonferenz. Es sei jedoch noch zu früh, um eine genaue Aussage zu treffen.
Metro sieht Impuls für Real-Sanierung
Der weltgrößte Einzelhändler hatte seit acht Jahren vergeblich versucht, in Deutschland auf einen grünen Zweig zu kommen. Das Abenteuer begann 1998 mit dem Erwerb der Wertkauf-Märkte, ein Jahr darauf folgte Interspar. Die 85 Märkte überzeugten Tester regelmäßig mit günstigen Preisen, blieben aber mit ihren Ergebnissen weit hinter den Erwartungen der Konzernführung in Arkansas zurück. In dem sehr wettbewerbsintensiven deutschen Markt hatte Wal-Mart gleich mit mehreren Schwierigkeiten zu kämpfen: Sortimentsgestaltung, Preisfindung und das schwache Konsumklima machte dem Konzern zu schaffen. Gleichzeitig musste Wal-Mart Millionen in Umbauten, Distributionszentren und Mitarbeiterschulungen investieren.
"Es wurde zunehmend klarer, dass wir in dem deutschen Handelsumfeld nicht die Ziele erreichen können, die wir uns gesetzt haben", sagte Wal-Mart-Deutschland-Chef Michael Duke in einer Mitteilung. Anders als im Heimarktmarkt USA setzte Wal-Mart in Deutschland weniger auf die klassische Discount-Strategie als auf das SB-Warenhauskonzept.
Wal-Mart betreibt 2.700 Märkte in 14 Ländern außerhalb der Vereinigten Staaten. Für den Rückzug aus Deutschland wird der Konzern im zweiten Geschäftsquartal 2007 einen Vorsteuerverlust in Höhe von einer Milliarde Dollar verbuchen müssen.
Metro sieht Impuls für Real-Sanierung
Die Übernahme, der noch die Kartellbehörden zustimmen müssen, sei eine ideale Ergänzung des bestehenden Standortnetzes der Tochter Real, teilte Metro mit. "Wir erhöhen damit unsere Schlagkraft am Markt. Unser Umsatz- und Ertragspotenzial wird sich weiter erhöhen", sagte Körber. Die neuen Märkte sollten möglichst erhalten werden. Es aber nicht ausgeschlossen, dass einzelne Standorte aufgegeben würden. Im wesentlichen solle in den Standorten das Real-Konzept 1:1 umgesetzt werden. Bei großen Objekten könne man aber auch Konzerntöchter wie Media Markt oder Saturn ansiedeln, so Körber.
Bislang betreibt Real 550 SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte, die Metro im ersten Quartal allerdings einen Verlust von 40 Millionen Euro bescherten. "Die Übernahme kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Repositionierung von Real voll im Gange ist", sagte Körber. 2009 solle die Ebit-Marge bei drei Prozent liegen.
Wal-Mart fand keine Rezepte
Der weltgrößte Einzelhändler hatte seit acht Jahren vergeblich versucht, in Deutschland auf einen grünen Zweig zu kommen. Das Abenteuer begann 1998 mit dem Erwerb der Wertkauf-Märkte, ein Jahr darauf folgte Interspar. Die 85 Märkte überzeugten Tester regelmäßig mit günstigen Preisen, blieben aber mit ihren Ergebnissen weit hinter den Erwartungen der Konzernführung in Arkansas zurück (siehe dazu auch den Link "Wal-Mart gibt in Deutschland auf").
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