1. Was sind Dachfonds?
"Normale" Investmentfonds sammeln das Geld der Anleger und investieren es in Wertpapiere wie Aktien oder Festverzinsliche. Vorteil: Das Risiko wird gestreut, und der Anleger kann die Auswahl der "richtigen" Papiere einem Fachmann überlassen. Dachfonds sind Investmentfonds, die das Geld der Anleger wiederum in verschiedene Investmentfonds investieren.
2. Ist das nicht doppelt gemoppelt?
Die Antwort heißt "Ja, aber". Für viele Investitionszwecke ist der direkte Kauf eines "normalen" Fonds oder gar eines einfachen Bundeswertpapiers ausreichend. Allerdings laufen gerade unerfahrene Anleger Gefahr, dabei einen unterdurchschnittlich guten Fonds zu erwischen. Weil Dachfonds das Geld auf mehrere Fonds verteilen, können sie die eine oder anderen Enttäuschung ausgleichen. Noch ein Vorteil für den Anleger: Er kommt dank Dachfonds mit weniger Positionen im Depot aus. Das Dachfonds-Depot selbst nachzubilden, würde enorme Zeit- und Kostenaufwände bedeuten.
3. Und die Kosten des Dachfonds?
Gute Frage. Natürlich lässt sich der Dachfondsmanager seine Dienste bezahlen, diese Kosten trägt der Anleger zusätzlich zu den ohnehin anfallenden Verwaltungskosten für die Einzelfonds. Unterm Strich können da schon einige Prozent pro Jahr zusammenkommen die sich aber im besten Fall durch das geringere Risiko und gutes "Fonds-Picking" rechtfertigen lassen. Wer in Dachfonds investieren will, sollte die Kostenstruktur auf jeden Fall beim Anbieter erfragen und selbst entscheiden, wie viel ihm dessen Dienste wert sind.
4. Gibt es noch andere Nachteile?
Ein oft genanntes Problem ist das so genannte Klumpenrisiko. Gemeint ist damit, dass die theoretisch mögliche Risikostreuung durch die Aufteilung auf verschiedene Einzelfonds ins Leere läuft, wenn diese Einzelfonds ihrerseits beispielsweise alle in dieselben Aktien investieren. Gute Dachfonds-Manager minimieren solche Klumpenrisiken, indem sie aktiv verschiedenartige Zielfonds aussuchen.
5. Dachfonds... gab's da nicht mal einen Skandal?
In den Siebzigerjahren machte die US-Firma IOS unter ihrem schillernden Chef Bernard Cornfeld Schlagzeilen, die über Jahre sehr erfolgreich Anleger für Dachfonds begeisterte. Das Problem: Die Milliarden flossen zum Teil nicht in Geldanlagen, sondern verschwanden auf Nimmerwiedersehen. Nachdem Cornfelds Masche aufflog, waren Dachfonds für lange Zeit tabu und in einigen Ländern verboten. Dabei wurde aber das Kind mit dem Bade ausgeschüttet: Wenn Dachfonds (so wie heute in Deutschland) transparent agieren und gut überwacht werden, sind sie deutlich weniger riskant als Einzelfonds und als Einzelaktien sowieso.
6. Wie finde ich einen guten Dachfonds?
Ganz wichtig ist, sich zunächst über die eigenen Anlageziele Gedanken zu machen und die entsprechende Dachfonds-Kategorie zu ermitteln. Wer auf längere Sicht investiert und zwischenzeitliche Kursrisiken akzeptiert, sollte einen Dachfonds mit hohem Aktienanteil wählen. Solche Fonds heißen oft "Chance", "dynamisch" oder "Wachstum". Sehr vorsichtige und kurzfristig orientierte Anleger fahren mit einem rentenlastigen Dachfonds besser, zu erkennen an Beinamen wie "defensiv", "Sicherheit" oder "konservativ". Wer sich dazwischen einordnet oder es nicht genau weiß, geht den typischerweise mit "Balance" oder "flexibel" apostrophierten Mittelweg. Aber Vorsicht! Nicht alle Fonds tragen solche "sprechenden" Namen, und zuweilen führen sie auch in die Irre. Auch hier gilt: Genau nachfragen!
7. Und wer hat nun die besten Dachfonds?
Die schwierigste Frage. Während bei "normalen" Fonds im Internet leistungsfähige und bewährte Datenbanken helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen, sind diese Rankings bei Dachfonds mit Vorsicht zu genießen. Das Problem: Vielfach sind Dachfonds nicht schlüssig kategorisiert, sodass gleichartige Produkte in verschiedenen Tabellen landen und andererseits auch mal Äpfel und Birnen direkt verglichen werden. Wer auf Nummer sicher gehen will, kommt um eine umfassende Internet-Recherche nicht herum einige Links stehen in der rechten Spalte.
8. Das ist mir zu aufwändig. Geht's nicht einfacher?
Na gut, auch diesen Job kann man delegieren etwa an Ratingagenturen. Auch Dachfonds werden von Morningstar und weiteren Anbietern mit Gütesiegeln versehen. Und fünf Sterne oder vergleichbare Bestnoten sind schon mal ein gutes Indiz, dass der Anleger mit einem so ausgezeichneten Fonds nicht viel verkehrt machen kann. Trägt ein Fonds dann auch noch Bestnoten verschiedener Agenturen, muss es sich wohl um ein Top-Produkt handeln. Doch ein Problem bleibt: Alle Auszeichnungen beziehen sich auf Vergangenheit und Gegenwart. Ob der Dachfonds-Manager auch in Zukunft ein gutes Händchen hat, kann niemand garantieren.
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