Zum Xetra-Schluss blieb ein Minus von 0,26 Prozent auf 6.079 Zähler stehen. Händler waren dennoch zufrieden mit der Leistung des Deutschen Aktienindex. "Der Markt zeigt eine enorme Stärke und verdaut den hohen Ölpreis bislang recht gut", hieß es. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) US-Leichtöl notierte zu Wochenbeginn mit 74,65 Dollar nur knapp unter seinem am Freitag markierten Rekordhoch bei 75,35 Dollar.
Der schwache Auftakt an der Wall Street machte am Nachmittag allerdings die Hoffnung auf ein spätes Dax-Plus zunichte. Der Dow-Jones-Index rutschte um 0,16 Prozent auf 11.329 Zähler, der Nasdaq-Index verlor 0,56 Prozent auf 2.329 Zähler. Grund für die maue Stimmung waren der schwache US-Dollar und gemischte Unternehmenszahlen.
So rutschten Xerox nach der Vorlage von Zahlen um 5,41 Prozent auf 14,00 Dollar ins Minus. Der Drucker- und Kopiergeräte-Hersteller enttäuschte Analysten mit gesunkenen Quartalsergebnissen. Die US-Gesellschaft verdiente unter dem Strich mit 186 Millionen Dollar fünf Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Obwohl American Express im ersten Quartal mit einem deutlichen Gewinnschub die Erwartungen toppen konnte, verloren die Aktien nach einem festen Start mehr als ein Prozent. Börsianer sprachen von Gewinnmitnahmen.
Gegen den Trend konnten Caterpillar leicht zulegen. Der US-Baufahrzeug-Hersteller hat im ersten Quartal seinen Überschuss deutlich gesteigert. Der Umsatz sprang um 13 Prozent auf 9,39 Milliarden Dollar. Zudem hob der Konzern die Prognosen für das laufende Geschäftsjahr an.
Zugpferd Telekom
Die Widerstandskraft gegen den Ölpreis hatte der Dax vor allem der T-Aktie zu verdanken. Der Titel lag mit einem Plus von 3,7 Prozent unangefochten an der Spitze der Dax-Gewinner. Der Markt feiert den Einstieg des US-Finanzinvestors Blackstone beim Bonner Telekommunikationskonzern. Blackstone hat der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) 4,5 Prozent ihrer Telekom-Anteile für 2,68 Milliarden Euro abgekauft. Damit hat Blackstone 14 Euro je Anteilsschein gezahlt. "Bei dem Preis sieht Blackstone die Telekom derzeit wohl als unterbewertet an", begründete ein Händler die starken Kursgewinne.
TUI bricht den Widerstand
Zweitgrößter Gewinner wurden die TUI-Papiere mit einem Plus von zwei Prozent auf 16,56 Euro. Händler verwiesen auf vorwiegend technische Gründe. Die Aktie habe mit dem Überwinden von 16 Euro Widerstände gebrochen und setze die Aufwärtsbewegung nach einer kurzen Atempause jetzt fort.
In der Stahlbranche kocht es
ThyssenKrupp musste dagegen bis zum Xetra-Schluss einen Teil der Gewinne wieder abgeben, zum Schluss blieb ein Plus von 0,5 Prozent stehen. HSBC hatte den Titel von "Neutral" auf "Overweight" heraufgestuft. Davon profitierte auch Salzgitter. Der MDax-Titel sprang um drei Prozent auf 67,12 Euro.
Mit Investitionen in Höhe von 340 Millionen Euro will ThyssenKrupp seine Produktion in Duisburg bis 2008 modernisieren. Zudem sollen die Preise für die Stahlprodukte zum dritten Quartal erneut angehoben werden. ThyssenKrupp hatte bereits zum Quartalswechsel die Preise angehoben, um die gestiegenen Energie- und Rohstoffkosten an die Kunden weiterzugeben. Im vergangenen Jahr waren die Stahlpreise unter Druck geraten, da bei den Kunden hohe Lagerbestände aufgelaufen waren. Diese sind nach Konzernangaben mittlerweile abgebaut.
Lufthansa behält Thomas Cook
Auf der Gewinnerliste waren auch die Papiere der Lufthansa zu finden. Die Fluggesellschaft hat einen Zeitungsbericht über einen bevorstehenden Verkauf ihres Anteils am Reisekonzern Thomas Cook an KarstadtQuelle dementiert. Die im MDax notierten Titel des Warenhauskonzerns erholten sich vom ersten Schreck und kletterten ebenfalls ins Plus.
Am Nachmittag kündigte die Lufthansa zudem an, wegen der steigenden Ölpreise zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten den Treibstoffzuschlag für ihr Frachtgeschäft zu erhöhen. Bei den Passagierflügen soll es vorerst keine höheren Zuschläge geben.
Conti rollt und rollt
Die guten Zahlen der Tochter ContiTech hoben die Aktie des Automobilzulieferer Continental auf ein neues Allzeithoch bei 97,80 Euro, das die Aktie allerdings nicht lange halten konnte. Zu guter Letzt ging die Aktie unverändert bei 96,60 Euro aus dem Handel.
DaimlerChrysler macht schlapp
Zu den größeren Dax-Verlierern gehörten die Aktien von DaimlerChrysler mit einem Abschlag von fast zwei Prozent. Händler sprachen von einem größeren Verkäufer. Zudem würden einige Anleger bei den am Donnerstag anstehenden Erstquartalszahlen besonders bei Chrysler mit Enttäuschungen rechnen. Auch gebe es Befürchtungen bezüglich des Ausblicks und der Änderung der Führungsstruktur.
Größter Dax-Verlierer waren allerdings die Aktien der Commerzbank. Auch die Finanzkollegen Allianz, Münchener Rück und Deutsche Bank kamen nicht auf den grünen Zweig.
TecDax sonnt sich
Der TecDax konnte sich wieder auf die Solartitel stützen. Die Aktien von Conergy verteuerten sich mehr als drei Prozent, Solon gewannen mehr als vier Prozent. Die Spitze der Gewinnerliste eroberten zu guter Letzt allerdings Aixtron mit einem Plus von 5,5 Prozent.
IWKA und Depfa ziehen den MDax abwärts
Der MDax muss sich erst einmal von der jüngsten Rekordjagd erholen. Kursverluste von mehr als vier Prozent bei IWKA belasteten den Index zusätzlich. Der Anlagen- und Maschinenbaukonzern kündigte an, eine Wandelschuldverschreibung auszugeben. Durch die Wandelanleihe wird sich die Anzahl der Aktien erhöhen - das drückt erst einmal auf den Kurs.
Die Papiere des Staatsfinanzierers Depfa wurden mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Der Konzern hat seinen Aktionären 25 Cent je Aktie ausgeschüttet. Mit 62 Cent fällt das Minus aber deutlich größer aus.
Freudige Erwartung bei Schwarz Pharma
Gegengewichte zu den beiden größten Verlierern bildeten die Aktien von Schwarz Pharma, die fast sieben Prozent zulegten. Das Unternehmen legt am morgigen Dienstag Quartalszahlen vor. Viele Anleger spekulieren offenbar auf einen positiven Ausblick.
Arques winkt mit Dividende
Das Beteiligungsunternehmen Arques hat seinen Aktionären für 2006 eine Sonderdividende in Aussicht gestellt. Im weiteren Jahresverlauf seien durch mehrere Effekte hohe Mittelzuflüsse für das Unternehmen zu erwarten, hieß es. "Wir sehen uns nicht als Bank. Die Mittel könnten als Extra-Dividende an unsere Aktionäre ausgezahlt werden". Soviel Edelmut wird honoriert, Arques legten um 3,5 Prozent zu und waren damit Tagesgewinner im SDax.
Börsenboom hilft Comdirect
Der Börsenaufschwung hat dem Online-Broker einen Rekordgewinn beschert. Vor Steuern verdiente die Comdirect 25,2 Millionen Euro und damit fast doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Aktie kann von den Zahlen allerdings nicht profitieren, sie rutschte ins Minus.
Bleibt noch der Blick ins Ausland. Dort zog Taiwans Handyhersteller BenQ, der vor einigen Monaten die Siemens-Mobilfunksparte übernommen hatte, die Investoren-Blicke auf sich. Der weltweit sechstgrößte Handyhersteller hat im ersten Quartal 2006 einen größeren Verlust verbucht, als von Analysten erwartet. Der Handy-Hersteller sieht sich jedoch auf gutem Weg und will im Schlussquartal des laufenden Jahres schwarze Zahlen sehen. Im ersten Quartal 2006 büßte die Aktie 15 Prozent an Wert ein.
In Europa können sich begeisterte Auto-Urlauber schon mal das Kleingeld zurecht legen: Die spanischen und italienischen Infrastrukturkonzerne Abertis und Autostrade schließen sich zum größten Autobahnbetreiber der Welt zusammen. In Italien stiegen die Aktien von Autostrade zeitweise um fast zehn Prozent, müssen jedoch einen guten Teil der Gewinne schnell wieder abgeben. Italienische Politiker begrüßten die Fusion, forderten aber Klarheit über die Einzelheiten.
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