Um 14:15 Uhr teilte die Fed überraschend mit, der Diskontsatz werde um einen halben Prozentpunkt auf 5,75 Prozent herabgesetzt. Aus dem Stand schossen die Aktienkurse nach oben, was den Dax bis zu 3,1 Prozent höher notieren ließ. Danach beruhigten sich die Gemüter wieder der L-Dax für den späten Parketthandel ging 2,55 Prozent höher bei 7.399,16 Punkten ins Wochenende.
Die Wall Street tendierte ebenfalls deutlich im Plus. Am Abend rang der Dow-Jones-Index mit der psychologisch wichtigen Marke von 13.000 Punkten.
Die Fed bezeichnete die Zinssenkung als vorübergehende Maßnahme und begründete sie mit "deutlich gestiegenen" Risiken für das Wirtschaftswachstum wegen der Turbulenzen an den Finanzmärkten. Der Diskontsatz ist ein Zinssatz, zu dem sich die Banken bei der Zentralbank unmittelbar Geld leihen können. Der normalerweise betrachtete Leitzins, der zentrale Zielsatz für Tagesgeld, wurde dagegen unverändert bei 5,25 Prozent belassen. Mit dem heutigen Schritt ist aber auch eine Senkung dieses Leitzinses im September wahrscheinlicher geworden.
Die heftige Erholung wurde vor allem von den Finanztiteln angeführt, die in den vergangenen Tagen besonders unter der Kreditkrise zu leiden hatten. Zum Schluss des Computerhandels notierten alle vier im Dax geführten Banktitel mindestens 3,5 Prozent höher.
Zwiespältiges Signal
Mit dem Zinsschritt will die amerikanische Zentralbank den Finanzmärkten signalisieren, dass sie jederzeit bereit steht, aufkommende Liquiditätsengpässe zu beheben und damit der neuen Kreditzurückhaltung der Finanzinstitute entgegenzuwirken.
Das Signal ist allerdings durchaus zwiespältig die Fed offenbart damit, wie ernst sie die möglichen Folgen der Kreditkrise auf die Realwirtschaft einschätzt. Das könnte den Börsen durchaus noch zusetzen.
Derzeit zögern die Banken mit der Vergabe neuer Kredite, um nicht weitere Risiken in ihre Bücher nehmen zu müssen. Gleichzeitig sind Investoren nur noch sehr eingeschränkt bereit, risikobehaftete Kreditpapiere zu kaufen. Am Donnerstag hatte aus diesem Grund eine der größten Hypothekenbanken der USA ihren Betrieb eingestellt. Man finde keine Finanzinvestoren mehr als Käufer für Hypothekenkredite, teilte die Bank First Magnus mit.
Asiatische Börsen unter Druck
Die asiatischen Börsen hatten am Freitag noch ganz unter dem Eindruck der Krise gestanden. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 5,42 Prozent auf 15.273,68 Zähler ein. Der breiter gefasste Topix-Index sackte um 5,55 Prozent auf 1.480,39 Zähler ab. Die Wochenbilanz sieht desaströs aus: Mit einem Wochenverlust von 8,9 Prozent verlor der japanische Leitindex so viel wie seit April 2000 nicht mehr, während der Topix mit 9,4 Prozent den stärksten Einbruch seit September 1990 verzeichnete.
Nach Angaben von Händlern zogen Investoren ihr Geld vom unsicheren Aktienmarkt ab, um ihr Geld in festverzinsliche Papiere umzuschichten. Ausländische Investoren könnten gezwungen sein, ihre Aktienbestände in Tokio aufzulösen, um Verluste im Zusammenhang mit der Kreditkrise in den USA zu decken, befürchten japanische Händler.
Carry Trades abgewickelt
Für den beschleunigten Ausverkauf am Tokioter Aktienmarkt gab es noch einen besonderen Grund: Die so genannten Carry Trades. Das sind Anlagen von niedrig verzinslichen Währungen wie dem Yen in hochverzinslichen Währungen wie dem US-Dollar. Marktteilnehmer, die sich in der Vergangenheit mit billigen Yen-Krediten finanziert haben, lösen diese Positionen jetzt auf. Die Folge ist ein anziehender Kurs des Yen. So kletterte der Yen gegenüber dem Dollar auf ein Jahreshoch. Das wiederum belastet die stark exportabhängige Wirtschaft Japans, deren Wettbewerbsfähigkeit leiden dürfte.
Exporttitel unter Druck
Zu den Hauptverlierern am Tokioter Aktienmarkt zählten denn auch exportorientierte Titel, etwa der Spielkonsolenhersteller Nintendo. Dessen Aktie rauschte um fast zehn Prozent in die Tiefe. Das Papier des Konkurrenten Sony, ebenfalls ein exportlastiger Titel, büßte rund sieben Prozent an Wert ein.
Zugleich pumpte die japanische Notenbank abermals Milliarden in den Geldmarkt. 7,85 Milliarden Euro stellte die Bank of Japan an zusätzlicher Liquidität bereit. Die Bank reagierte damit auf die wieder steigende Nachfrage der Banken nach frischem Geld.
Weltwirtschaft bedroht?
Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger sieht durch die US-Finanzkrise das weltweite Wirtschaftswachstum bedroht. Man erlebe jetzt das Ende eines langen und ungewöhnlich starken globalen Aufschwungs, sagte der Wirtschaftsexperte der Zeitung "Die Welt". Die amerikanische Geldpolitik habe in den Jahren 2004 und 2005 entscheidende Fehler gemacht, indem sie über niedrige Zinsen nicht nur die amerikanische Konjunktur, sondern auch die ganze Weltwirtschaft beschleunigt habe. Dieser Effekt falle jetzt weg und beende eine Phase extrem guten Wachstums, so Bofinger.
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