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Börsenwissen Grundlagen

Tafel mit mathematischen Formeln

Anlageformen

Zertifikate sind groß in Mode

von Andreas Braun

Stand: 02.02.2012, 13:58 Uhr

Seit einigen Jahren gibt es auch für Privatanleger neben den klassischen Anlageformen eine neue: Zertifikate. Man kann sie auf Indizes wie den Dax bezogen kaufen, auf verschiedene Branchen wie den Biotech-Sektor oder auch für Einzelaktien. Manche von ihnen ähneln eher Anleihen. Andere bergen wie Optionsscheine die Gefahr des Totalverlusts.

Wer sich näher mit der Vielzahl der in Deutschland erhältlichen Zertifikate befasst, kann leicht den Überblick verlieren. Von "Hebel" oder "Endlos"-Zertifikaten ist die Rede. Einen riesigen "Discount" auf den derzeitigen Preis einer Aktie oder den Stand eines Index bieten Banken mit ihren Produkten werbeträchtig an.

Zertifikate für Anfänger und Profis

Nicht nur Privatanleger, sondern auch Börsenprofis nutzen die Instrumente, zum Beispiel um sich gegen fallende Kurse abzusichern. Zertifikate gibt es auf ganz unterschiedliche "Basiswerte", neben Aktien- und Rentenfonds können dies auch Rohstoffe sein, Anleger können ganze Anlagestrategien über ein Zertifikat abbilden.

Zertifikate sind Schuldverschreibungen

Durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 hat die Popularität der Zertifikate zunächst gelitten. Vor allem ist dadurch ein Nachteil der Anlageklasse gegenüber Fondsprodukten offenbar geworden: Anders als Investmentfonds, die als Sondervermögen gesetzlich geschützt sind, sind Zertifikate Schuldverschreibungen des Emittenten - geht dieser pleite, können die Produkte wertlos verfallen.

Über alle Direktbanken kann man Zertifikate direkt beim Emittenten wie der Deutschen Bank oder der Citibank kaufen. Über verschiedene Börsen, etwa die Stuttgarter Euwax, können Zertifikate auch frei gehandelt werden. Eine Auswahl der bekanntesten Zertifikate-Formen schafft einen ersten Überblick:

Discount-Zertifikate

Diese Spielart der Zertifikate ist im Risiko zwischen einer Aktie und Fonds angesiedelt. Anleger erhalten beim Kauf des Zertifikates einen Nachlass auf eine Aktie oder einen Index. Ein Beispiel: Steht die Deutsche-Bank-Aktie bei 50 Euro dann erhält der Anleger ein Deutsche-Bank-Zertifikat zum Beispiel für 40 Euro. Das entspricht einem Nachlass, also Discount, von 20 Prozent. Das Zertifikat garantiert dem Käufer nun die Rückzahlung zum Siemens-Kurs am Laufzeitende. Steht die Aktie am Ende einer etwa zwei jährigen Laufzeit noch immer bei 50 Euro, heimst der Anleger den ganzen Discount, nämlich 20 Prozent als Gewinn ein. Damit die Gewinne für den Anleger nicht ausufern, hat die Bank eine Begrenzung im Zertifikat eingebaut, den sogenannten "Cap". Im Beispielfall könnte er bei 55 Euro liegen. Nur bis zum Deutsche-Bank-Kurs von 55 Euro ist der Anleger also am Gewinn beteiligt. Darüber gewinnt nur noch die Bank. Dagegen gewinnt der Anleger mit dem Discount-Zertifikat immer noch, auch wenn die Aktie verliert. Im dargestellten Fall bis zum Kurs von 40 Euro, denn hier lag der Kaufpreis. Erst bei weiteren Kursverlusten beginnt auch für den Anleger die Verlustzone.

Bandbreiten-Zertifikate

Mit einem Bandbreiten-Zertifikat erhöht der Anleger seine Gewinnchancen gegenüber einem Discount-Zertifikat. Zwar ist auch hier ein Cap, eine Gewinngrenze eingezogen. Innerhalb einer gewissen Bandbreite kann der Käufer eines solchen Zertifikats aber überproportional verdienen. Beispiel hierfür ist ein Dax-Zertifikat, das etwa zwischen einem Dax-Stand von 5.500 und 6.000 den doppelten Gewinn ermöglicht. Der Anleger, der das Zertifikat für 55 Euro beim Dax-Stand von 5.500 Punkten gekauft hat, erhält also bei 6.000 Punkten im Dax nicht 60, sondern 65 Euro zurück. Steigt der Dax über 6.000 Punkte, bleibt es bei der Gewinnverdopplung, fällt der Dax unter 5.500 Punkte, verliert das Bandbreiten-Zertifikat im gleichen Maß wie der Index.

Hebel-Zertifikate

Hebel-Zertifikate gelten als Erben des Optionsscheins. Die hochriskanten Papiere erlauben hohe Gewinne in kürzester Zeit. Dagegen steht aber ein entsprechendes Risiko: Der Totalverlust seines Einsatzes ist für den Anleger ebenso schnell möglich. Wie bei Optionsscheinen kann man mit Hebelzertifikaten auch auf fallende Kurse setzen, dies ermöglichen Short-Zertifikate, die es ebenfalls mit einem Hebel gibt. In der Regel beziehen sich Hebel-Zertifikate auf eine Aktie oder einen Aktienindex als Basiswert. Ein zweifacher Hebel bedeutet hierbei, dass der Wert des Zertifikats um 20 Prozent steigt, wenn etwa der Dax als Basiswert um zehn Prozent zulegt. Im Gegensatz zu Optionsscheinen wird der Preis des Zertifikats nicht durch schwer durchschaubare Faktoren wie das Delta oder die implizierte Volatilität beeinflusst.

Für unerfahrene Anleger ist ein Hebel-Zertifikat aber ebenso gefährlich wie ein Optionsschein. Denn beim Unterschreiten eines bestimmten Kurses des Basiswerts kann das Zertifikat auf einen Schlag wertlos sein. Diese so genannte "Knock-out-Schwelle" ist vorab bekannt und führt für den Anleger je nach Emittent zum Totalverlust oder zur Auszahlung eines kleinen Restwerts. Im besten Fall wird bei Erreichen der Schwelle ein "Stop loss" ausgelöst. Dann erhält der Anleger zumindest den (gesunkenen) Wert seines Zertifikats beim Erreichen der Schwelle zurück.

Endlos-Zertifikate

Es gibt auch Zertifikate ohne Laufzeitbeschränkung. Die "Open-End"- oder Endlos-Zertifikate haben keine vorab definierte Laufzeit. Derartige Zertifikate können also zum Beispiel als Langfristanlage wie ein Fonds eingesetzt werden, der sich an einem Index orientiert. Die kurzfristige Variante der Endlos-Papiere ist dagegen hoch spekulativ. Sie ist ebenfalls mit einem starken Hebel ausgestattet und verfügt ebenfalls über eine Knock-out- oder Stop-Loss-Schwelle. Auch diese Form der Zertifikate sollte erfahrenen und risikobereiten Anlegern vorbehalten sein.

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