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Frau beim Obsteinkauf

Börse verstehen

Wie die Börse funktioniert

Stand: 12.05.2010, 16:00 Uhr

Für viele Menschen ist die Börse ein unverständliches Durcheinander aus Fachchinesisch und kurvigen Linien. Dabei geht es in den Handelssälen ganz einfach zu: wie auf einem x-beliebigen Wochenmarkt oder orientalischen Basar.

Haben Sie schon einmal auf dem Wochenmarkt um den Preis für Kohl gefeilscht? Nein? Stimmt, da hängt ja immer ein Preisschild dran. Dennoch haben Sie Chancen auf einen günstigeren Preis, vor allem kurz vor Toresschluss, wenn die meisten Leute schon auf dem Heimweg sind und die Händler ihre Tische leeren wollen. Denken Sie an einen Anatolien-Urlaub im Herbst. Da können Sie Tuch und Teppich günstiger als in der Hauptsaison kaufen, weil sich weniger Kunden um die Waren drängen. Das ist Markt! Aber das ist auch Börse. Verkäufer und Käufer treffen sich - und je nach Höhe von Angebot und Nachfrage kommt ein Preis zustande.

Rollentausch und feste Regeln

Börsianer handeln allerdings weniger mit Obst und Gemüse, sondern vor allem mit Aktien. Daneben sind auch Schuldscheine von Unternehmen oder Staaten im Angebot. Es gibt auch Rohstoffbörsen, wo in großem Stil Gold, Silber oder Platin, aber auch Nahrungsmittel wie Schweinebäuche, Kaffee, Kakao oder Zucker den Besitzer wechseln. Es gibt sogar Strombörsen. Die Welt der Finanzprodukte ist bunt und vielfältig, die bekannteste Anlageform ist aber wohl die Aktie.

Anders als auf dem Basar haben die Handelspartner keine festgelegten Rollen. An der Börse kann jeder Käufer auch Verkäufer sein - wie auf dem bekannten Internetmarktplatz Ebay. Wie dort handeln auch die Marktteilnehmer an den Finanzmarktplätzen nicht von Angesicht zu Angesicht, sondern per Computer.

Einiges läuft an der Börse aber auch anders als bei Ebay. Während bei dem Auktionshaus die Handelspartner direkt miteinander Geschäfte machen, werden diese an den Finanzmärkten von Händlern ausgeführt. Die Händler müssen Regeln einhalten, die von der Deutschen Börse und speziellen Behörden überwacht werden. Das ist nötig, weil die Waren an der Börse eben selten Nahrungsmittel sind, sondern Anteile an wertvollen Unternehmen mit Arbeitsplätzen, sozialer Verantwortung und volkswirtschaftlich wichtigem Know-how. Die Aufsichtsorgane wollen Schaden durch Betrüger ausschließen.

Aktien zum Anfassen gibt's nicht mehr

Und noch einen wichtigen Unterschied gibt es zwischen Ebay und der Börse: Nach einer Auktion auf der Internetplattform werden tatsächlich Waren verschickt. Doch die "Aktien zum Anfassen" gibt es so nur noch selten. An den Börsen der Welt sind die Waren, die dort von Händlern gekauft und verkauft werden, nicht mehr präsent.

Wertpapiere wie die Aktie wechseln nicht mehr in physischer Form den Besitzer, sie werden also nicht als Stück Papier weitergereicht, sondern virtuell. Ein Wertpapier wird dem einen Depot gutgeschrieben und aus dem anderen Depot ausgebucht. Parallel dazu wird der Kaufpreis von dem einen Konto abgebucht und dem anderen gutgeschrieben. Alles läuft nur noch elektronisch.

Früher trafen sich die Akteure tatsächlich auf einem "Markt". Es gab "effektive Stücke", die man sich ausliefern lassen und als Geschenk unter den Weihnachtsbaum legen konnte. Heute werden die Aktien aller Aktionäre eines Unternehmens üblicherweise durch eine einzige Sammelurkunde verbrieft. Diese Urkunde wird zentral bei einer Wertpapiersammelstelle aufbewahrt. Damit man doch noch was unter den Weihnachtsbaum legen kann, bietet manche Presseabteilung für ihre Aktionäre ein symbolisches "Aktienposter".

Ein elektronischer Marktplatz

Die Transaktionen laufen mittlerweile über den Computer. Auch der Aktienkurs selbst wird elektronisch ermittelt. Käufer und Verkäufer haben keinen direkten Kontakt mehr.

Es gibt zwar noch etliche Präsenzbörsen, wo Makler sitzen wie beispielsweise in Deutschland. Doch dieser Handel hat zunehmend Symbolcharakter und verliert mehr und mehr an Bedeutung gegenüber dem elektronischen System.

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