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Börse verstehen Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser

von Bettina Seidl

Stand: 12.05.2010, 16:00 Uhr

Vertrauen ist die Grundlage in jeder Beziehung. Auch in der Beziehung zwischen Börse und Investor. Damit die Börse ihre gesellschaftliche Funktion erfüllen kann, müssen Anleger Vertrauen in die Handelsabläufe fassen. Dafür sorgen viele Augen.

Die obersten Gebote an der Börse sind: Transparenz und Fairness. Die Börse hat den Anspruch, allen Marktteilnehmern den gleichen Informationsstand zu bieten und privaten Anlegern die gleichen Chancen zu ermöglichen wie den Profi-Investoren. Sie legt daher Unternehmen bestimmte Pflichten auf, damit ihre Aktien zum Börsenhandel zugelassen werden.

Beispielsweise müssen Unternehmen einen Emissionsprospekt veröffentlichen und darin Einblick in ihre Geschäfte geben sowie über mögliche Risiken informieren. Nach dem Börsengang geht das Pflichtprogramm weiter. Beispielsweise müssen Unternehmen bestimmte Publizitätspflichten erfüllen, um weiterhin zugelassen zu bleiben. So müssen sie regelmäßig ihre Bilanzen veröffentlichen.

Anleger müssen auch den Händlern ihrer Banken trauen können. Deshalb hat nicht jeder Zutritt zu diesem Beruf, ohne Händlerzulassung läuft nichts. Zum Handel an der Börse werden nur Personen zugelassen, die besondere Voraussetzungen erfüllen und sich fortlaufenden Kontrollen unterwerfen.

Die Bilanzpolizei HÜSt

Wo es um viel Geld geht, ist Kontrolle wichtig. Deshalb wird der Börsenhandel laufend von mehreren Seiten überwacht. Zum einen schaut sich die Börse selbst auf die Finger, und zwar über das eigens zu diesem Zweck eingerichtete Organ, die Handelsüberwachungsstelle (HÜSt).

Die HÜSt sieht sich selbst als die Börsenpolizei. Sie achtet darauf, dass der Handel fair abläuft und die Börsenregeln eingehalten werden. Sie überwacht die Preisfeststellungen und versucht Unregelmäßigkeiten wie zum Beispiel abgesprochene Geschäfte aufzudecken. Damit hat sie alle Hände voll zu tun. In Frankfurt hat die HÜSt ein Auge auf rund 400.000 Wertpapiere, pro Tag gibt es mehr als 650.000 Transaktionen und einige Millionen gestellte Kurse pro Tag. Das schaffen die Börsenpolizisten nur mit Computersystemen, die Datensätze systematisch auswerten.

Stellen sie Unregelmäßigkeiten fest, informieren sie die Geschäftsführung der Börse. Den schwarzen Schafen drohen Sanktionen, das kann eine Abmahnung sein, ein Ordnungsgeld bis zu 50.000 Euro oder im ärgsten Fall sogar der Widerruf der Börsenzulassung. Unterstützt wird die HÜSt von den Börsenaufsichtsbehörden der Länder, die vor allem den Preisbildungsprozess überwachen.

Unterstützt wird die Bilanzpolizei auch vom Privatanleger. Sie erhält viele Anrufe am Tag, jeden Monat bekommt sie 800 bis 1.000 Hinweise. Durchschnittlich erreichen rund 50 Anrufer pro Tag die kostenlose Hotline. Das zeigt, wie viel dem Privatanleger an einem fairen und ordnungsgemäßen Handel liegt.

Die BaFin

Bei Marktmanipulation und Insiderhandel wird die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin eingeschaltet. Die Behörde durchleuchtet täglich hunderte Wertpapiergeschäfte.

Sie überwacht außerdem, ob Unternehmen ihrer Publizitätspflicht nachkommen und alle kursrelevanten Informationen umgehend veröffentlichen. Sollten sie das nicht tun, kann die BaFin empfindliche Bußgelder gegen den Konzern verhängen. Die BaFin soll wie die HÜSt dazu beitragen, das Vertrauen in das deutsche Finanzsystem zu erhalten.

Handelsaussetzung

Zum Schutz der Anleger hat die Börse noch ein wichtiges Instrument. Sie kann Aktien vom Handel aussetzen. Das geschieht bisweilen bei Neuigkeiten, die eine starke Kursreaktion erwarten lassen. Etwa wenn ein Unternehmen eine Fusion ankündigt. Oder wenn eine Firma Insolvenz anmelden muss.

Durch die Handelsaussetzung sollen Anleger Zeit bekommen, um sich auf die neuen Marktbedingungen einzustellen. Alle bis dahin nicht ausgeführten Kauf- und Verkaufsaufträge für diese Aktie werden ersatzlos gestrichen. Das dient dem Schutz der Anleger, wie das folgende Beispiel zeigt: Ein Aktionär gibt den Verkauf seiner Aktien in Auftrag. Er wünscht, einen gewissen Preis zu erzielen, gibt also ein gewisses Verkaufslimit ein. Dann wird die Übernahme dieser Firma publik. Das öffentliche Übernahmeangebot liegt deutlich über dem bisherigen Kurs. Der Aktionär wird daher auch seine Order ändern und seine Aktien zu einem deutlich höheren Preis verkaufen wollen.

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