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Vier Grillwürstchen auf einem Rost

Exkurs: Hans Wurst geht an die Börse

von Bettina Seidl

Stand: 12.05.2012, 16:00 Uhr

Ein Börsengang ist recht anschaulich am Beispiel eines Würstchen-Standes zu erklären.

Hans Wurst macht sich selbstständig. Mit seinem Ersparten von 1.000 Euro kauft er sich seinen ersten "Wurstexpress": einen mobilen Grill, Holzkohle, Würstchen. Die Geschäfte laufen gut, seine Würstchen-Sauce ist der Geheimtipp. Er macht so große Gewinne, dass er einen zweiten Wagen kaufen und einen Mitarbeiter einstellen kann. Nach einem Jahr hat er schon fünf Würstchenstände.

Hans Wurst rechnet: Wenn es weiter so gut läuft, könnte er in zwei Jahren eine eigene Imbissbude haben und in fünf Jahren eine Imbisskette mit fünf Läden. Allerdings schläft die Konkurrenz nicht. Deshalb wäre es besser, schon jetzt Läden an den wichtigen Knotenpunkten in der Stadt aufzumachen. Ein Kredit dafür ist jetzt noch zu teuer. Die Zinsen fressen die Gewinne komplett auf.

Also ein Börsengang. Hans Wurst macht aus seinem Wurstexpress eine Aktiengesellschaft: die "Wurstexpress AG". Er braucht für den ersten Expansionsschritt 50.000 Euro. Dafür stückelt er seine Firma in 50.000 Aktien à einem Euro. Er selbst hat mit seiner Firma schon Gewinne von 20.000 Euro erwirtschaftet, behält also 20.000 Aktien. Für die restlichen 30.000 Aktien sucht seine Bank Aktionäre über die Börse über ein öffentliches Angebot, auch IPO genannt.

Hans Wurst ist glücklich: Von nun an wird der Erfolg seines Wurstexpress auch an der Börse ablesbar sein - je besser die Geschäftserwartungen, desto besser dürfte der Aktienkurs laufen. Allerdings gehört ihm sein Unternehmen nun nicht mehr alleine. Seine Gewinne muss er künftig mit den anderen Aktionären teilen.

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