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Drei Herren in Anzügen

Börse verstehen

Der Aktionär, ein kleiner Unternehmer

von Bettina Seidl

Stand: 12.05.2012, 16:00 Uhr

Für Otto-Normal-Anleger ist die Aktie so eine Art Lotterielos. Mit etwas Glück zieht man den Hauptgewinn. Hat man Pech, verliert man sein Geld. Doch mit Glücksspiel hat der Aktienkauf nichts zu tun.

Plakative Glücksspiel-Vergleiche zeichnen ein falsches Bild von der Börse. Diese sehr verkürzte Denkweise unterschlägt vor allem eine bedeutende Wahrheit: Der Aktionär wird quasi Unternehmer.

Eine Aktie stellt nämlich einen Anteil an einem Unternehmen dar. Wer eine Aktie kauft, wird zum Mit-Eigentümer dieser Gesellschaft. Dem Aktionär gehört ein kleines Stück der Firma - also auch ein Fleckchen auf dem Fabrikgelände, ein Bruchteil der Maschinen, einige der hergestellten Produkte. Die Aktie verbrieft den Wert dieses Unternehmensanteils, daher nennt man sie auch Wertpapier.

Einmal im Jahr ist Zahltag

Wenn die Gesellschaft Erfolg hat, geht es dem Unternehmer respektive dem Aktionär recht gut. Er wird nämlich am Erfolg beteiligt. Einmal im Jahr fließt dem Aktionär ein Teil des erwirtschafteten Gewinns zu - in Form der Dividende. Je besser es der Firma geht, je mehr Gewinn sie macht, desto begehrter werden auch die Aktien dieser Firma. Der Aktienkurs steigt.

Wenn die Geschäfte schlechter laufen, geht es natürlich auch dem Aktionär schlechter. Bei sinkenden Gewinnen wird vielleicht die Dividende gekürzt. Wenn die Firma gar in die Verlustzone rutscht, wird die Dividende eventuell sogar komplett gestrichen. Die Aktie ist entsprechend weniger begehrt. Der Aktienkurs sinkt.

Im Prinzip reicht eine Aktie

Dieses Auf und Ab der Kurse hat also mit Lotterie herzlich wenig zu tun, sonder viel eher mit Unternehmertum. Wie ein Unternehmer macht der Aktionär das wirtschaftliche Auf und Ab mit - in kleinerem Maßstab natürlich. Der Aktionär darf sogar mitreden: auf der Hauptversammlung, dem jährlichen Treffen von Aktionären, Vorstand und Aufsichtsrat des Unternehmens. Beispielsweise entscheiden die Anteilseigner dort gemeinsam, wie sie den Gewinn verwenden, wie viel als Dividenden an sie ausgezahlt wird. Dort können sie auch Kritik äußern am Management - und ihm im Zweifelsfall Vorstand und Aufsichtsrat das Vertrauen entziehen.

Der Anleger kann selbst mit sehr niedrigen Summen bei einer Firma einsteigen. Im Prinzip reicht eine Aktie, schon ist er Aktionär und kann an der wirtschaftlichen Entwicklung des Unternehmens teilhaben.

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