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Bereit zum Aktienkauf? Dann los!

von Bettina Seidl

Stand: 22.06.2012, 12:00 Uhr

Nun geht es los, die erste Aktie wird geordert. Mit ISIN und dem Orderzusatz "billigst" ist es dabei nicht getan. Sie sollten zum Beispiel wissen, wie Sie Teilausführungen vermeiden können. "Fill or Kill" hilft da nicht - das wissen sogar viele Profis nicht.

Das Wichtigste für den Aktienkauf, egal ob nun online oder beim Bankberater, ist erst einmal die ISIN. Das steht für "International Securities Identification Number". Gemeint ist die zwölfstellige Buchstaben-Zahlen-Kombination, womit sich jedes Wertpapier eindeutig identifizieren lässt. Sie löst zunehmend die früher gültige, sechsstellige WKN (Wertpapierkennnummer) ab, die immer noch in vielen Medien und bei Brokern zur Kennzeichnung angegeben wird.

Selbstverständlich muss man außerdem die Ordergröße festlegen: Bei Aktien also die Stückzahl, bei Anleihen den Nennwert. Anleger müssen sich auch für einen Handelsplatz entscheiden.

Xetra oder Parkett?

In Deutschland hat man die Wahl zwischen dem elektronischen Handelssystem Xetra und dem Parketthandel der Börsen Frankfurt, Stuttgart, Berlin, Düsseldorf, München, Hamburg und Hannover. Darüber hinaus gibt es noch außerbörsliche Plattformen und Handelsplätze, auf denen oft deutlich länger gehandelt werden kann als auf Xetra oder dem Parkett. Welchen Handelsplatz sollte man wählen? Dafür kann zum einen der Kurs ausschlaggebend sein. Bei wenig gehandelten Papieren gibt es zuweilen erhebliche Differenzen zwischen den an den einzelnen Handelsplätzen gebotenen Kursen.

Neben den Kursunterschieden spielen aber auch Unterschiede in der Abwicklung und bei den Kosten eine Rolle. Die meisten Aufträge werden über Xetra abgewickelt. Das gilt vor allem für die größeren Aktien aus Dax, MDax und TecDax. Auch börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, werden vorwiegend über das elektronische System gehandelt. Xetra gilt als die schnellere Variante und spart Gebühren. Aufgrund der elektronischen Abwicklung fällt keine zusätzliche Courtage an.

Die Präsenzbörsen bieten sich vor allem bei den illiquideren Titeln an, die vergleichsweise wenig gehandelt werden. Also kleinere deutsche Nebenwerte, Auslandsaktien, Fonds sowie fast alle Anleihen, Anlageprodukte und Hebelprodukte. Experten raten, auf die Handelsumsätze an den jeweiligen Börsenplätzen zu achten und den liquidesten Markt zu wählen. Oft ist das die Heimatbörse des Unternehmens.

Die Krux mit der Teilausführung

Ein Nachteil im Xetra-Handel: Dort kommt es zuweilen zu Teilausführungen, was ärgerlich sein kann, wenn die Bank oder der Broker dafür Extra-Gebühren berechnet. Der im Vergleich zum Parketthandel eigentlich günstigere Xetra-Handel kann dann schnell teuer werden.

Zwar kommt es auch im Parketthandel vor, dass eine Order nicht im Ganzen aufgeführt wird. Doch das geschieht deutlich seltener. Man sucht eben unwirtschaftliche Teilausführungen zu vermeiden. Einige Börsen werben damit, dass Orders von Privatanlegern immer im Ganzen ausgeführt werden.

Fill or Kill schützt nicht vor Teilausführung

Hartnäckig hält sich der Irrglaube, dass einige Orderzusätze bei der Auftragseingabe Teilausführungen ausschließen. Das wird beispielsweise dem Zusatz "All or nothing" oder "Fill or Kill" (FOK) nachgesagt. FOK heißt aber nur, dass die Order entweder vollständig ausgeführt oder annulliert wird. Läuft sie also in das Order-Buch ein, dann kann sie dort auf passende Gegenangebote zu unterschiedlichen Preisen treffen, die noch innerhalb des Limits liegen. Diese Transaktionen werden dann zwar sofort, aber in Teilen ausgeführt. Laut Auskunft der Deutschen Börse kann kein Orderzusatz Teilausführungen vollkommen ausschließen.

Erwähnenswert ist außerdem noch der Zusatz "Immediate or Cancel". Der besagt: Die Order muss sofort aufgeführt werden - egal ob nun ganz oder teilweise. Ist dies nicht möglich, verfällt die Order. Wird der Auftrag nur teilweise ausgeführt, verfällt die restliche Order.

Limit-Order oder Market-Order?

Bei jeder Order muss sich der Anleger auf den Ordertyp und die Gültigkeit der Order festlegen. Einmal kann der Auftrag unlimitiert erteilt werden. Bei dieser sogenannten Market-Order kauft man dann "billigst" und verkauft "bestens". Das bedeutet: Beim Kauf werden die Wertpapiere zum niedrigstmöglichen Preis gekauft, und beim Verkauf zum höchstmöglichen Kurs verkauft.

Eine solche Order kann leicht zu unliebsamen Ergebnissen führen. Der tatsächliche Kurs kann weit von dem Kurs abweichen, den man erwartet. Das Risiko, zu teuer zu kaufen oder zu billig zu verkaufen, ist vor allem bei "marktengen" Werten oder sehr volatilen Werten hoch. Als markteng wird eine Aktie dann bezeichnet, wenn kaum Umsätze mit der Aktie gemacht werden. Will man ein Papier nicht auf jeden Fall kaufen oder verkaufen, ist es besser, eine Order immer mit einem Limit aufzugeben. Beim Kauf gibt der Anleger einen Höchstpreis an, zu dem er gerade noch bereit ist, das Wertpapier zu kaufen. Beim Verkauf gibt er einen Mindestpreis an, den er auf jeden Fall haben möchte.

Längstens haltbar bis...

Für beide Ordertypen kann man ein Haltbarkeitsdatum angeben. Online-Broker bieten in der Regel als Voreinstellung das aktuelle Tagesdatum an, so dass die Order automatisch nur für den aktuellen Handelstag gültig ist.

Diesen Zeitraum kann man natürlich verlängern, bei einigen Brokern bis auf "unbefristet" (Good-till-cancelled). Das heißt nicht etwa, dass die Order ewig stehen bliebt, wie man meinen könnte, sondern maximal 90 Tage.

Zu beachten ist, dass bei der Handelsaussetzung eines Wertpapiers, am Tag nach der Hauptversammlung und am Ende des Jahres sämtliche Orders von der Börse gelöscht werden.

Von Eisbergen und Stop-Kursen

Es gibt noch eine ganze Reihe von Orderzusätzen, die aber nicht alle Banken und Broker anbieten. So kann man beispielsweise festlegen, dass eine Order nur im fortlaufenden Handel oder in einer der mehrfach täglichen Auktionen ausgeführt wird. Institutionelle Anleger dürften des Öfteren die Iceberg-Order wählen. Damit können sie große Aufträge platzieren, ohne dass die Kurse sofort negativ reagieren. Sichtbar für die anderen Marktteilnehmer ist nur ein Bruchteil der großen Order - sie wird scheibchenweise abgearbeitet.

Eine der wichtigsten Begrenzungsformen für Privatinvestoren ist der Stop-Zusatz. Mit einer Stop-Loss-Order kann sich ein Anleger vor zu großen Verlusten schützen oder angefallene Gewinne absichern. Dabei legt der Aktienbesitzer einen Stop-Kurs fest. Wird dieser erreicht beziehungswwise unterschritten, wird automatisch eine unlimitierte Verkaufsorder erteilt. Umgekehrt gibt es auch Stop-Buy-Aufträge, bei denen die Order unlimitiert ausgeführt wird, wenn ein vorher festgelegter Kurs erreicht beziehungsweise überschritten wird. "Stop Buy" ist dabei etwas missverständlich, schließlich wird hier ein Kauf ausgelöst und nicht beendet.

Wie Sie Stop-Kurse richtig setzen, erfahren Sie hier: Die Stop-Loss-Order - gewusst wie

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