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Börsenwissen

Faulende Pflaumen

Verkaufen, ausbuchen oder behalten?

Wohin mit den Depotleichen?

Stand: 11.01.2016, 16:09 Uhr

Im Idealfall verkaufen Anleger ihre Papiere, bevor der Kurs ins Bodenlose fällt. Manche Menschen können sich aber nur schwer von ihren Anlagen trennen, auch wenn sie längst wertlos geworden sind. Schon hat man Leichen im Depot. Und nun?

Den Königsweg, wie mit solchen Ladenhütern umzugehen ist, gibt es nicht. Schon die Frage, wie man eine Depotleiche identifiziert, ist nicht einfach zu beantworten. In der Regel handelt es sich um Wertpapiere, deren Kurse drastisch eingebrochen sind und bei denen die Chance auf eine nachhaltige Erholung wenig realistisch ist.

Hat ein Papier etwa innerhalb weniger Monate 50 Prozent und mehr seines Wertes eingebüßt, sollten Anleger prüfen, ob es sich lohnt, einen solchen Titel zu behalten oder ob es nicht besser ist, die Verluste zu realisieren und sich von ihm zu trennen. Das gilt besonders dann, wenn der Gesamtmarkt und/oder die Branche, aus der das Papier stammt, stabil geblieben oder sogar gestiegen sind.

Unternehmen genau anschauen

Wenn eine Aktie deutlich mehr an Wert verloren hat als der Gesamtmarkt oder die Branche, sollten Anleger sich das Unternehmen genauer anschauen. Wie entwickeln sich die Umsätze, wie sieht es mit den Gewinnen aus? Expandiert das Unternehmen? Kann es mit seinen Produkten neue Kunden und Märkte erreichen? Oder schrumpfen die Erlöse und werden Verluste eingefahren? Wie schätzt die Geschäftsführung die Lage ein? Was sagen Analysten?

Kommt ein Anleger nach der Analyse aller Daten und Informationen zu dem Schluss, dass in den kommenden Monaten und Jahren nicht mehr mit einer Kurserholung zu rechnen ist, sollte er sich von dem Papier trennen. Anleger etwa, die Aktien des Bambusanbauers Asian Bamboo besitzen, haben höchstwahrscheinlich eine Leiche im Depot. Notierten die Papiere noch vor fünf Jahren bei 40 Euro, sind sie heute gerade einmal 20 Cent wert.

Wer realisiert schon gern Verluste?

Allein im Jahr 2011 sind sie von 40 auf 9,77 Euro abgestürzt und notieren seit Herbst 2014, also seit über einem Jahr, unterhalb der Schwelle von 1,00 Euro, sind also ein sogenannter Penny Stock. Im Mai letzten Jahres hat das Unternehmen Insolvenz beantragt und musste zuletzt seine Umsatz- und Ergebnisprognosen weiter absenken. Somit sind die Chancen auf eine Kurserholung in absehbarer Zeit sehr gering. Von einer solchen Depotleiche sollte man sich auf jeden Fall trennen.

Trotzdem fällt es vielen Menschen schwer, einen solchen Schritt zu vollziehen. Denn wer realisiert schon gern Verluste oder gesteht sich den Irrtum ein, das falsche Wertpapier gekauft zu haben? Der Grund dafür, warum sich viele Anleger schwer damit tun, ihr Depot zu bereinigen und sich von wertlosen Aktien zu trennen, hat mit der menschlichen Psyche zu tun.

Die Tücken des menschlichen Gehirns

Folgt man den Erkenntnissen der sogenannten Behavioral Finance, einer Wissenschaft, die sich mit den psychologischen Aspekten der Geldanlage beschäftigt, neigen die meisten Anleger zu einer sogenannten mentalen Buchführung. Danach werden Gewinne und Verluste im Gehirn auf unterschiedlichen Konten verbucht, weil sie unterschiedlich stark bewertet werden. Da der Mensch Verluste emotional stärker bewertet als Gewinne, fällt ihm der Verkauf einer Position, die unter den Kaufpreis gefallen ist und aller Voraussicht nach sich nicht mehr erholen wird, schwer.

Wissenschaftler sprechen von einer Verlustaversion. Und so kann es passieren, dass eine Aktie oft für Jahre im Depot liegen bleibt, Aufmerksamkeit und womöglich Gebühren kostet, aber eigentlich längst tot ist. Dennoch wird sie zum Hoffnungswert stilisiert – es könnte ja sein, dass sie sich irgendwann wieder erholt. Auf diese Weise bilden sich Depotleichen.

Gesamtanlage betrachten

Die Kunst ist, weniger die Einzelpositionen in ihrem Depot betrachten als vielmehr die Entwicklung der Gesamtanlage. Die Gesamtbetrachtung helfe auch, um mit den oft nervenaufreibenden Kursschwankungen fertigzuwerden, empfehlen Experten wie der Mannheimer Professor Martin Weber. Und dazu sei es unerlässlich, eine konsequente Verlustbegrenzungsstrategie zu etablieren – und sich auch daran zu halten. Das bedeutet konkret: Bricht eine Aktie kräftig und nachhaltig ein, sollte sie ohne Wenn und Aber verkauft werden. Zwar gibt es auch Aktien, die sich vom Penny-Stock-Niveau wieder erholen, doch bilden sie leider die Ausnahme.

Anleger, die sich zum Verkauf entschließen, sollten dennoch prüfen, ob das in Frage kommende Wertpapier auch tatsächlich wertlos ist. Auch wenn Aktien nicht mehr gehandelt werden oder auf Penny-Stock-Niveau gefallen sind, kann es sich lohnen, kurz nachzuforschen: Gibt es Sammelverfahren für geschädigte Aktionäre oder Anleihengläubiger, könnten sich noch juristische Ansprüche an das betreffende Unternehmen ergeben.

Steuerlich absetzbar?

Anleger sollten auch wissen, dass Verluste für Aktien, die vor dem 1.1.2009 gekauft wurden, nicht mehr geltend gemacht werden können. Denn die bis zu diesem Datum maßgebliche einjährige Spekulationsfrist gibt es nicht mehr. Käufe nach dem 1.1.2009 können aber als Neuverluste genutzt werden. Für das Finanzamt ist es aber wichtig, dass die Aktien verkauft und nicht wertlos von der Bank ausgebucht werden. Bei letzterem Fall handelt es sich nämlich um ein steuerlich unwirksames Ereignis.

lg

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Fehler vermeiden mit Depotleichen

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Depotleichen erkennen

Leider passiert es immer wieder, dass sich Aktien, Anleihen oder Fondsanteile nicht so entwickeln wie gewünscht. Dabei stellt sich die Frage nach dem Umgang mit solchen Investments: Rausschmeißen und Verluste realisieren oder auf bessere Zeiten hoffen?

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Asian Bamboo

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