Aktienkennziffern Was das KGV aussagt - und was nicht

von Detlev Landmesser

Stand: 24.11.2016, 09:54 Uhr

Wie der Name schon verrät, bezeichnet das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) die Relation zwischen dem aktuellen Kurs der Aktie und dem Jahresgewinn pro Aktie.

Das KGV lässt sich denkbar einfach berechnen: Der aktuelle Aktienkurs wird durch den Gewinn je Aktie dividiert. Das KGV gibt also an, mit dem Wievielfachen des auf sie entfallenden Gewinns eine Aktie aktuell bewertet wird. Anders ausgedrückt, bezeichnet es die Anzahl der Jahre, in denen die Gesellschaft bei konstanten Gewinnen ihren Börsenwert verdient hätte.

Doch woher kommt die Gewinnzahl? Dem KGV liegt in der Regel der geschätzte Gewinn des laufenden oder des nächsten Jahres zugrunde. Man versucht dadurch, der zu erwartenden Gewinnentwicklung gerecht zu werden, denn Informationen aus der aktuellen Periode sind an der Börse in den Preisen schon vorweggenommen. Die alte Börsenweisheit "An der Börse wird die Zukunft gehandelt" gilt auch bei der KGV-Analyse.

Gewinnerwartungen trügen manchmal

Darin liegt aber zugleich das größte Problem des KGV: Die Gewinnschätzungen der Analysten sind mit großen Unsicherheiten behaftet und in manchen Marktphasen - insbesondere zu Beginn eines konjunkturellen Abschwungs - ziemlich unbrauchbar. Gesichert sind nur die Kurs-Gewinn-Verhältnisse, die auf dem Gewinn vergangener Geschäftsperioden beruhen.

Im Normalfall lässt das KGV jedoch Aussagen bezüglich der Über- beziehungsweise Unterbewertung einer Aktie zu. Je niedriger das KGV, desto günstiger erscheint die Aktie im Vergleich zum Gesamtmarkt oder zu Aktien der Wettbewerber.

Einstelliges KGV: Billig oder gefährlich?

Eine verlässliche Grundregel, ab welchem KGV eine Aktie als "fair bewertet" betrachtet werden kann, gibt es indessen nicht. Je nach Marktphase und Branche können die KGVs stark variieren.

So müssen auch Aktien mit hohen zweistelligen KGVs nicht teuer sein, wenn das betreffende Unternehmen ein entsprechendes Gewinnwachstum aufweist. So kann ein Unternehmen an der Gewinnschwelle extrem teuer erscheinen, weil der Wert im Nenner eben noch sehr klein ist.

Auf der anderen Seite kann ein niedriges KGV zuweilen sogar ein Warnzeichen sein. Denn bisweilen ist der Markt schon deutlich weiter als die durchschnittlichen Analystenschätzungen: In Erwartung fallender Gewinne ist der Aktienkurs gefallen, womit das längst überholte KGV das Papier optisch günstig erscheinen lässt. Dieser "optischen Täuschung" sind schon zahlreiche Anleger zum Opfer gefallen.

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