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"Vorsicht vor dem Young Girls' Network"

In den Aufsichtsräten der deutschen Dax-Unternehmen gibt es immer weniger Geklüngel. Darauf deutet eine Studie von Christian Rieck, Professor für Finanzen an der Fachhochschule Frankfurt hin. Allerdings könnte die Frauenquote zum Problem werden, findet er.

Christian Riieck, Professor für Finanzen FH Frankfurt

Christian Riieck, Professor für Finanzen FH Frankfurt. | Quelle: privat

boerse.ARD.de: Sie haben sich die Aufsichtsräte der 30 Dax-Unternehmen vorgeknöpft und deren Entwicklung von 2001 bis 2011 untersucht. Gibt es tatsächlich ein Kartell der Kontrolleure, wie immer befürchtet wird?

Christian Rieck: Mehrfachmandate kommen vor, sind aber die Ausnahme. Nehmen Sie zum Beispiel Gerhard Cromme, Chefaufseher bei Siemens und bei ThyssenKrupp. Oder noch besser Paul Achleitner, der bei Bayer, Daimler und RWE im Aufsichtsrat sitzt. Trotzdem hat sich das Klischee vom "Old Boys' Network" für uns zumindest in Hinblick auf die vergangenen zehn Jahre so nicht bewahrheitet.

boerse.ARD.de: Wenn Politiker in Aufsichtsräten sitzen, wird ihnen oft, wie beim Flughafen-Debakel in Berlin, mangelnde Kompetenz vorgeworfen. Ist das generell ein Problem?

Rieck: Man muss in den Aufsichtsräten unterscheiden zwischen den Vertretern der Anteilseigner und der Arbeitnehmer: Was die Vertreter der Anteilseigner angeht, sind sie hoch qualifiziert und inhaltlich breit aufgestellt. Viele von ihnen haben Wirtschaft, Recht, Ingenieur- oder Naturwissenschaften studiert. Außerdem kommen sie überraschend oft aus dem Ausland.

boerse.ARD.de: Kommt es auch oft vor, dass Manager vom Vorstand in den Aufsichtsrat wechseln?

Rieck: Viel öfter wechseln sie die Branche und das Unternehmen, so dass es eine gute Durchmischung gibt.

boerse.ARD.de: Wie sieht es bei den Arbeitnehmervertretern aus?

Rieck: Die sind häufig geringer qualifiziert. Sie besitzen fast nie einen Doktortitel, haben seltener studiert oder eine Berufsausbildung abgeschlossen. Außerdem ist es eine weniger bunte Mischung, was die Herkunft angeht und den beruflichen Werdegang. Deshalb sollten die Arbeitnehmer nach anderen Kriterien auswählen, als sie es bisher tun.

boerse.ARD.de: Der Bundesrat und die Europäische Kommission pochen auf eine gesetzliche Frauenquote in den Aufsichtsräten. Und die Unternehmen legen zum Teil schon selbst ihr Augenmerk darauf – mit welchem Ergebnis?

Rieck: Die Folgen sind negativ. Denn ein Ergebnis unserer Studie ist, dass Frauen auch mit geringerer Qualifikation in Aufsichtsräte berufen werden. Statt eines "Old Boys' Network" droht die Gefahr eines "Young Girls' Network".

Das Gespräch führte Ursula Mayer.

Stand: 23.01.2013, 13:00 Uhr

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