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Vereinigung für Aufsichtsräte

"Es braucht ein radikales Umdenken"

Wer im Aufsichtsrat sitzt, übt kein Ehrenamt aus. Es ist ein Beruf, betont Peter Dehnen von der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland. Dafür braucht es vor allem die Fähigkeit, richtig kontrollieren zu können.

Peter H. Dehnen, Vize-Präsident der Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland e.V.

Peter H. Dehnen . | Quelle: Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland e.V.

boerse.ARD.de: Die Vereinigung der Aufsichtsräte in Deutschland ist im Frühjahr 2012 gegründet worden. Was war der Anlass dafür?

Peter Dehnen: Bisher hatten die Aufsichtsräte in Deutschland keine gemeinsame Stimme. Deshalb war so eine Vereinigung überfällig. Unsere Zielsetzung ist es, für die Aufsichtsratsmitglieder Leitplanken auszuarbeiten, wie sie ihren Beruf richtig ausüben sollen. Schließlich ist das ein Beruf und kein Ehrenamt, wie oft irrtümlich angenommen wird.

boerse.ARD.de: Es gibt den deutschen Corporate-Governance-Kodex. Bietet der nicht schon Orientierung?

Dehnen:
Der Kodex soll Transparenz schaffen in Hinblick auf die Unternehmensführung und -kontrolle. Aber er ist in erster Linie gedacht für Investoren aus dem Ausland, die in deutsche Unternehmen investieren. Einen Berufs-Kodex kann er nicht ersetzen. Den arbeiten wir gerade aus. Dabei geht es uns darum, dass die Mitglieder von Aufsichtsräten professionell, unabhängig und selbstbestimmt arbeiten.

boerse.ARD.de: Ein pikantes Detail ist, dass die Kommission für den deutschen Corporate-Governance-Kodex lange angeführt wurde von Gerhard Cromme. Der Chefaufseher von Siemens und ThyssenKrupp wird von Anlegerschützern als "größte Teflon-Pfanne der Republik" bezeichnet und auch von Ihnen kritisiert.

Dehnen: In der Tat hat Cromme eine Vorbildfunktion, der er nicht gerecht wird. Generell sind alle Aufsichtsräte in der Pflicht, ihre Kontrollkompetenz kritisch zu hinterfragen. Dies gilt nicht nur für die Dax-30-Aufsichtsräte, sondern auch für die rund 100.000 anderen Kontrolleure in Deutschland.

boerse.ARD.de: Flughafen Berlin, Stuttgart 21, Nürburgring - die Liste schlecht kontrollierter Projekte ist lang. Krankt das ganze System?

Dehnen: Es ist ein radikales Umdenken erforderlich. Was macht einen guten Aufsichtsrat aus? Es sind nicht die guten Kontakte, über die er verfügt. Sondern er sollte den richtigen Vorstand auswählen und ihn genau kontrollieren. Dafür braucht es Sachkompetenz und unternehmerische Erfahrung. Mehrfachmandate sind nur sinnvoll, wenn die Manager für jedes Amt die nötige Zeit haben. Man muss die richtigen Fragen stellen, regelmäßig mit dem Vorstand kommunizieren. Keine Sekunde dürfen sich Aufsichtsratsmitglieder zurücklehnen, denn wenn der Vorstand Mist baut, können sie dafür haftbar gemacht werden.

boerse.ARD.de: Apropos Haftung: Können Aufsichtsräte auch zur Rechenschaft gezogen werden?

Dehnen: Nimmt man das Flughafendebakel Berlin, dann hat der Steuerzahler keine Ansprüche gegenüber dem Aufsichtsrat. Die Flughafengesellschaft dagegen schon. Sie ist nun in der Pflicht zu prüfen, ob sie sich an Wowereit und Platzeck wenden und sie eventuell für den entstandenen Schaden haftbar machen könnte.

boerse.ARD.de: Gibt es eine Instanz, die den Kontrolleuren auf die Finger sieht?

Dehnen: Die Hauptversammlung bestellt den Aufsichtsrat und vor ihr muss er jedes Jahr Rechenschaft ablegen. Wie im Fall Cromme können die Aktionäre ihren Unmut äußern. Einen Aufsichtsrat frühzeitig abzusetzen, ist allerdings schwierig.

Das Gespräch führte Ursula Mayer.

Stand: 23.01.2013, 13:00 Uhr

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