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Die Dax-Familie - ein Club mit Etikette

von Bettina Seidl

Stand: 08.06.2016, 09:19 Uhr

Wer darf in den Dax? Zu dem elitären Club der 30 Blue Chips haben nur die wichtigsten und größten Unternehmen des deutschen Aktienmarktes Zutritt. Doch was heißt schon groß und wichtig? Die Gesichtskontrolle der Deutschen Börse ist streng.

Mehrmals im Jahr mischt die Deutsche Börse die Dax-Familie ein bisschen auf. Dax, MDax, SDax und TecDax werden neu gewichtet und bisweilen auch neu gemischt. Jedes Mal ist die Börsenwelt ein wenig in Aufruhr. Schließlich ist mit der Mitgliedschaft zur Dax-Familie ein gewisses Renommee verbunden.

Außerdem erhöht sich schlagartig die Nachfrage der Investoren nach Aktien dieser "Auswahl-Unternehmen". Vor allem ausländische Anleger richten ihr Augenmerk auf Aktien der Auswahlindizes. Indexfonds müssen sogar gezwungenermaßen die Aktien der Aufsteiger kaufen, da sie den Index in ihrem Portfolio maßstabsgetreu nachbilden müssen.

Das führt zu steigenden Kursen - und zwar bereits im Vorfeld der Indexentscheidungen. Denn die Aktien der potenziellen Aufsteiger werden in Spekulation auf steigende Kurse gekauft. Mit den Papieren der möglichen Index-Absteiger geht es aus dem gleichen Grund bergab.

Wann ist Gesichtskontrolle?

Wann und wie oft werden die Indizes neu gemischt? Es gibt vier reguläre Termine, an denen überprüft wird, wer noch schwer und wichtig genug ist für einen Index, und zwar jeweils am 3. Handelstag im März, Juni, September und Dezember. Doch wird die Zusammensetzung der Indizes nach der so genannten "Regular Exit/Regular Entry"-Regel nicht an allen vier Terminen verändert. So wird der Dax nur einmal jährlich regulär neu gemischt, dagegen sind MDax, SDax und TecDax halbjährlich dran.

Die Börsenetikette sieht vor, dass die Unternehmen an diesen Tagen nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung sortiert werden. Je nachdem, wie weit ein Index-Unternehmen auf dieser Rangliste nach unten gerutscht ist, muss es den Index eventuell verlassen. Die Auswahl trifft der Computer - nach rein quantitativen Maßstäben und vollständig automatisiert.

Verkettungstermine

Den "Regular Exit/Regular Entry", wie es die Deutsche Börse neudeutsch nennt, gibt es beim Dax nur im September. MDax, SDax und TecDax werden regulär im März und September neu zusammengesetzt. | Bildquelle: boerse.ARD.de, Grafik: boerse.ARD.de

Nach 22:00 Uhr wird die Wahl bekanntgegeben. Der Arbeitskreis Aktienindizes, der früher über Grenzfälle beraten hat und den Computer überstimmen konnte, greift nicht mehr ein. Er tagt erst zwei Tage nach der Index-Entscheidung und kann dann nur noch Empfehlungen für Änderungen im Regelwerk aussprechen.

Die Verkettungstermine

Zusätzlich gibt es noch zwei Ausnahmeregeln: eine so genannte "Fast Exit"- und eine "Fast Entry"-Regel, falls sich Umsatz und Marktkapitalisierung dramatisch verschlechtert oder verbessert haben. Nach dieser Regel werden alle Indizes zu allen vier Terminen inspiziert.

Etwa zwei Wochen später werden die Indexveränderungen umgesetzt - auch im "Fast-Exit"- und "Fast Entry"-Fall. Allzu schnell ist man also doch nicht.

Der Index wird nach altem Muster letztmalig am dritten Freitag der besagten Quartalsendmonate berechnet. Nach Xetra-Schluss wird auf Basis der Schlusskurse neu "verkettet": Das heißt, die in die Indexberechnung einfließenden Größen werden an die aktuelle Zusammensetzung des Index angepasst. Beispielsweise werden Dividendenzahlungen zwischen den Verkettungsterminen berücksichtigt oder Kapitalveränderungen. Um einen Indexsprung zu vermeiden, werden die Indexwerte noch mit einem Verkettungsfaktor multipliziert. Nach all diesen Neuberechnungen darf keine einzelne Aktie mehr als 10,0 Prozent Gewicht im Index bekommen.

Ab dem nächsten Handelstag gelten dann die neuen Gewichte - und gegebenenfalls auch die neue Zusammensetzung des Index.

Fast Exit/Fast Entry

Fast Exit/Fast Entry. | Grafik: boerse.ARD.de

Wie wird entschieden, wer in die Indizes darf? Das scheint einfach, wird aber nach einem umfangreichen Regelwerk entschieden. Mehr dazu in Teil 2: Der Börsenknigge

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