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Börsenwissen

Januar 2016

Alle Jahre wieder: Der Januar-Effekt

Jetzt werden die Weichen fürs Börsenjahr gestellt

von Angela Göpfert

Stand: 03.01.2016, 08:44 Uhr

Das fängt ja gut an! boerse.ARD.de erklärt, wie auch Privatanleger das Börsenphänomen Januar-Effekt für sich nutzen können.

An der Wall Street gibt es bekanntlich viele sagenhafte Sprichwörter, die sich häufig um saisonale Effekte drehen. Wie zum Beispiel "Sell in May and go away" oder eben auch "As goes January, so goes the year". Auch auf dem deutschen Börsenparkett ist zu Jahresbeginn häufig vom "Januar-Effekt" die Rede. Damit ist jedoch nicht immer dasselbe gemeint.

Erst nur Nebenwerte, dann alle Aktien im Blick

Die ursprüngliche, von 1980 datierende These des US-Ökonomen Donald Kiem von der Universität von Chicago besagt, dass vor allem Werte mit geringer Marktkapitalisierung, die im Vorjahr stark gefallen sind, zum Start des folgenden Jahres deutliche Kursgewinne einfahren können.

Diese ursprüngliche These ist mittlerweile etwas in den Hintergrund getreten, viele Investoren setzen mittlerweile auf eine breite Markterholung zu Jahresbeginn. Der "Januar-Effekt" bedeutet in dieser Lesart schlichtweg, dass generell Aktien im ersten Monat des Jahres erfahrungsgemäß überdurchschnittlich hohe Renditen abwerfen.

Endphase der Weihnachtsrally

Den Jahresanfang empfinden offenbar viele Investoren als gute Gelegenheit, um ihre Anlagen neu zu ordnen und auf Aktien zu setzen. Diese allgemeine Aufbruchsstimmung ist aber häufig nur in den ersten Handelstagen spürbar.

Genau genommen ist sie sogar noch Teil der bis zum zweiten Handelstag eines neuen Börsenjahres laufenden Weihnachtsrally. Statistisch gesehen stagniert der Dow anschließend weitgehend. Erst zum Monatsende hin geben die amerikanischen Standardwerte nochmals Gas, wie unser saisonaler Chart zeigt.

 Chart Saisonaler Verlauf Dow Jones Index seit 1897

Dow Jones Index seit 1897. | Quelle: Wellenreiter-Invest, Grafik: boerse.ARD.de

Zuverlässiger Jahresindikator?

Nach einer anderen Lesart werden im Januar die Weichen für das Börsenjahr gestellt: Viele Investoren sehen den Kursverlauf im Januar als Zeichen dafür, wie es im Gesamtjahr an den Börsen laufen wird.

Besonders für diese Lesart gibt es zahlreiche statistische Belege. Laut Marktexperte Robert Rethfeld von Wellenreiter Invest besteht im Falle eines positiv verlaufenen Januars im Dow-Jones-Index eine Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent, dass das Jahr ebenfalls positiv verläuft.

Die Folgen eines Januar-Knockouts

Hingegen führt ein Januar-Minus nur in 63 Prozent aller Fälle zu einem Minus-Jahr. Anders sieht es aus, wenn der Dow Jones den Januar mit einem deutlichen Minus von vier Prozent oder mehr beendet: Dann erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für ein Negativjahr auf deutlich 80 Prozent.

Und damit sind wir auch schon bei den Ausnahmen von der Regel: 2014 etwa hat der Dow 7,5 Prozent hinzu gewinnen können – trotz eines Januar-Minus von 5,3 Prozent.

Steuerminderung im Vordergrund...

Doch insgesamt ist die Fehlerquote beim Januar-Effekt erstaunlich gering. In der Finanzmarkttheorie existieren zahlreiche Erklärungsmuster für dieses Phänomen, allen voran die so genannte "Tax-Loss-Selling-Hypothese". Der Januar-Effekt beruht danach auf den steuerbedingten Entscheidungen der (Privat-)Anleger.

Zum Ende des Jahres verkaufen Investoren traditionell bis dato schlecht gelaufene Aktien, um Verluste zu realisieren, die sie dann mit ihren Gewinnen gegenrechnen und so die Steuerbelastung mindern können. Zu Jahresbeginn wird dann ein Großteil des Geldes neu investiert.

... oder frisierte Fonds-Performance?

Noch wichtiger dürfte aber der Einfluss der Fondsmanager auf die Kursperformance zu Jahresbeginn sein: Viele Fondsmanager verkaufen ihre Verlustbringer zum Jahresende, um in ihrer Jahresbilanz ein blitzsauberes Depot präsentieren zu können. Im Januar kaufen sie dann wieder einige dieser Werte zurück oder aber investieren das freigesetzte Kapital in andere Titel.

Doch wird der Januar-Effekt künftig noch mehr sein wird als eine gewisse Aufbruchsstimmung, ein "gutes Gefühl"? Einige Aktienstrategen zweifeln daran. Der starke Einfluss von automatisierten Handelsprogrammen führe dazu, dass die bekannten Börsenregeln nicht mehr so zuverlässig seien.

Selbsterfüllende Prophezeiung

Allerdings vertrauen mittlerweile so viele Investoren auf einen traditionell starken Börsenmonat Januar, dass man schon fast von einer "Self-fulfilling prophecy" ausgehen kann: Der Januar-Effekt tritt in dieser Lesart einfach deswegen ein, weil so viele Menschen an ihn glauben.

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