Börsenwissen

KGV-Kettenanhänger in Gold mit Hintergund aus Euroscheinen

Indikator für den Aktienmarkt Das Shiller-KGV

Stand: 29.03.2016, 13:47 Uhr

Nobelpreisträger Robert Shiller hat eine Formel für die Bewertung von Aktienmärkten entwickelt, die von vielen Experten als treffsicherer Signalgeber beurteilt wird, vor allem für herannahende Börsencrashes.

Das Shiller-KGV oder auch Shiller CAPE (nach der Abkürzung für:  cyclically adjusted price-to-earnings ratio), basiert auf einer klassischen Kennziffer: Der Indikator nutzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als Basis. Beim KGV wird der aktuelle Aktienkurs ins Verhältnis mit dem für das laufende Jahr erwarteten Gewinn gesetzt. Damit soll die Relation von Erträgen eines Unternehmens und dem Börsenwert abgebildet werden. Je niedriger das KGV, desto "günstiger" die Bewertung des Unternehmens am Aktienmarkt und umso größer die Chancen auf künftige Kurssteigerungen.

Zykliker mit Gewinnausschlägen

Die Erfahrung an den Börsen in den vergangenen Jahrzehnten hat aber gelehrt, dass das KGV häufig zu Fehlsignalen führt. So entstehen bei Unternehmen in zyklischen Branchen wie Chemie, Halbleiter oder Automobile oft in Boom-Phasen trügerisch niedrige KGVs. Das Unternehmen scheint kurzfristig günstig bewertet, doch bereits kurze Zeit später sinken die Gewinne wieder, und mit ihnen der Aktienkurs des Unternehmens. Ähnlich irreführend kann das klassische KGV in Crash-Phasen sein. Weil die Aktienkurse hier schneller fallen als die prognostizierten Gewinne, entstehen wiederum kurzfristig niedrige Kurs-Gewinn-Verhältnisse, die zum Einstieg motivieren können - mitunter mit fatalen Folgen.

Robert Shiller und John Campbell sprachen sich in einer Studie im Jahr 1988 dafür aus, einen Bewertungsmaßstab zu entwickeln, der weniger anfällig für kurzfristige Entwicklungen sein sollte. Das KGV wurde dazu nicht mehr auf Basis der aktuellen Gewinne berechnet, sondern auf Basis der durchschnittlichen Gewinne der vergangenen zehn Jahre. Zudem werden die Gewinne um Inflationswerte bereinigt. Diese Gewinnreihe als "gleitender Durchschnitt" ins Verhältnis zum aktuellen Kurs gesetzt bildet das Shiller-KGV.

Besserer Blick auf den Gesamtmarkt

In den USA wird die Kenngröße vielfach zur Beurteilung der Werte des marktbreiten S&P 500-Index' genutzt. Sie erlaubt einen deutlich "ruhigeren" Blick auf die Bewertung von Aktien und ganzen Märkten. Bei diesem Blick auf den Gesamtmarkt hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder herausgestellt, dass die geglättete Version des KGV allgemein hohe Marktbewertungen besser abgebildet hat als das einfache KGV. Und solche hohen Bewertungen sind oft Vorboten einer bevorstehenden Kurs-Korrektur oder eines Crashes.

AB

Darstellung: