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Börsenwissen

Aktiensplit

Wenn Aktien geteilt werden

Aktiensplit: Was Anleger wissen müssen

Stand: 25.06.2015, 11:21 Uhr

Ein Unternehmen plant einen Aktiensplit. Warum machen die sowas? Was bedeutet das für mein Depot? Und was ist steuerlich zu beachten? boerse.ARD.de beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema Aktiensplit.

Warum machen Unternehmen überhaupt einen Aktiensplit?

Bei dieser Kapitalmaßnahme werden existierende Aktien in eine größere Anzahl neuer Aktien mit einem geringeren Nominalwert umgewandelt. Dadurch reduziert sich der Aktienkurs. Die Aktie wird leichter handelbar – und optisch billiger. Infolgedessen wird das Papier für breitere Anlegerschichten attraktiver. Und das hilft mittel- bis langfristig wiederum dem Aktienkurs, so das Kalkül der Manager.

Was sind die Voraussetzungen für einen Aktiensplit?

Ein Aktiensplit bedarf der Zustimmung der Aktionäre und muss daher als ein Extra-Tagesordnungspunkt auf der Hauptversammlung besprochen und abgesegnet werden. Dafür ist eine einfache Mehrheit der Hauptversammlung nötig.

Buffet

Nach der großen Schlacht am kalten Buffet noch schnell den Aktiensplit durchwinken... | Bildquelle: colourbox

Was muss ich als Anleger tun?

Erst einmal gar nichts. Die neuen Aktien werden automatisch, dem Split entsprechend, in die Depots der Aktionäre eingebucht. In der praktischen Durchführung werden die bisherigen Aktien eingezogen und durch Aktien mit einem niedrigeren Nennwert, aber - für gewöhnlich - gleicher WKN respektive ISIN ersetzt.

Wie viele Aktien habe ich nach dem Split?

Das kommt auf das Split-Verhältnis an. Ein Beispiel: Liegt das Verhältnis bei 1:2, wird eine alte Aktie durch zwei neue Aktien ersetzt. Die Verdopplung der Aktienanzahl ist die natürliche Folge.

Was sind diese Aktien wert?

Da es sich bei einem Aktiensplit um eine rein optische Korrektur handelt und der Nennwert entsprechend gesenkt (in unserem Beispiel halbiert) wird, ändert sich an den Beteiligungsverhältnissen und damit am Wert des Aktienbestandes der einzelnen Aktionäre nichts. Der Börsenwert des Unternehmens bleibt somit von einem Aktiensplit unberührt.

Wie sieht der Chart nach dem Split aus?

Eigentlich hätte ein Aktiensplit – ähnlich einer Dividendenzahlung – einen massiven Kurseinbruch zur Folge. Bei einem 1:2-Aktiensplit würde sich der Kurs schlagartig halbieren. Um unerfahrene Anleger nicht zu übereilten Handlungen zu verleiten, werden die historischen Kurse zumeist automatisch angepasst. Ein Aktiensplit ist dann im Chart auf den ersten Blick nicht zu erkennen, in den meisten Chartdarstellungen lassen sich diese jedoch zusätzlich hervorheben.

Was passiert mit meiner Stop-Loss-Order?

Durch den im Zuge des Aktiensplits erniedrigten Aktienkurs werden zahlreiche Stop-Loss-Orders ausgelöst. Heerscharen von Anlegern werfen unfreiwillig ihre Aktien auf den Markt, es kommt zum Kurssturz. Das ist die Horrorvorstellung. Das ist aber nicht die Realität: Um genau ein solches Szenario zu verhindern, werden Stop-Loss-Orders im Falle von Aktiensplits in der Regel automatisch gelöscht. Genaueres ist den AGBs der Banken beziehungsweise Broker zu entnehmen.

Panik an den Märkten.

Keine Panik: Zu einem Kurssturz wegen eines Aktiensplits ist es noch nicht gekommen. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Wie wirkt sich ein Split steuerlich aus?

Bei einem einfachen Aktiensplit ändert sich steuerlich nichts. Solange die ISIN und WKN unverändert bleiben, entsteht aus dem Vorgang laut der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz keine Steuerlast.

Anleger waren beim Thema Aktiensplit zuletzt hellhörig geworden. Google hatte 2014 im Rahmen eines Aktiensplits neue, sogenannte C-Class-Shares in den Handel gebracht – mit neuer, von den alten A-Aktien abweichenden WKN und ISIN. Der deutsche Fiskus sah darin eine Sachdividende, für Google-Aktionäre in Deutschland wurde Abgeltungssteuer fällig.

Google Aktiensplit

Der so genannte "Aktiensplit" von Google kam die deutschen Anleger teuer zu stehen. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Wie verändern Aktiensplits die dazugehörigen Zertifikate?

Soviel vorweg: Die meisten Emittenten versuchen, den Inhaber von Zertifikaten dem Aktionär gleichzustellen und die Derivate nach Kapitalmaßnahmen, die den Basiswert betreffen, entsprechend wertneutral anzupassen.

Im Detail verändert ein Aktiensplit jedoch bei einem Zertifikat alle wichtigen Kennzahlen. Dazu wird zunächst der so genannte R-Faktor berechnet (Anzahl der alten/Anzahl der neuen Aktien). Bei einem 1:2-Aktiensplit beträgt dieser Faktor also 0,5. Nun wird der Basispreis beispielsweise eines Turbo-Zertifikats mit dem R-Faktor multipliziert. Das Bezugsverhältnis wird durch den R-Faktor dividiert. Gleiches gilt natürlich auch für Optionsscheine, Aktienanleihen, die Obergrenze bzw. die Barriere eines Bonus-Zertifikats und den Cap eines Discount-Zertifikats.

Was passiert, wenn ein Unternehmen keinen Aktiensplit durchführt?

Das prominenteste Beispiel dafür, was geschieht, wenn ein erfolgreiches Unternehmen über Jahrzehnte keinen Split vollzieht, ist die A-Aktie der Holding-Gesellschaft des Altmeisters Warren Buffett. Sie wurde nie gesplittet und kostet aktuell an der New Yorker Börse die Kleinigkeit von rund 200.000 Dollar.

Warren Buffett

Die A-Aktie des Investmentvehikels von Superstar Warren Buffett ist nicht gerade billig. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

ag

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