Aktienrückkauf

Umstrittene Kurspflege Aktienrückkäufe - was Anleger wissen sollten

Stand: 05.05.2017, 15:54 Uhr

Aktienrückkäufe gelten an der Börse als probates Mittel, um den Kurs in die Höhe zu treiben. Doch macht ein Investment in so genannte Aktienrückkäufer für Privatanleger wirklich Sinn?

Studien legen ganz klar einen positiven Zusammenhang zwischen Aktienrückkäufen und Aktienperformance nahe, zumindest in der kurz- bis mittelfristigen Sicht. Laut Berechnungen von Morgan Stanley steigen die Wertpapiere von Aktienrückkäufern in den zwölf Monaten nach der Ankündigung der Kapitalmaßnahme deutlich stärker als der Markt.

Stolze 13 Prozentpunkte beträgt der Vorsprung. Doch woher rührt dieses enorme Renditeplus? Dazu lohnt ein Blick auf die Funktionsweise von Aktienrückkäufen. Bei dieser von großen Konzernen häufig durchgeführten Kapitalmaßnahme erwirbt das Unternehmen seine eigenen Wertpapiere. Dadurch erhöht es die Nachfrage und stärkt so den Kurs der eigenen Aktie.

Klare gesetzliche Vorgaben

Damit die Unternehmensleitung aber überhaupt tätig werden kann, muss sie dazu von der Hauptversammlung ermächtigt werden. Dort wird auch festgelegt, welchen Anteil am Grundkapital das Unternehmen zurückerwerben darf. Gesetzlich erlaubt ist ein Rückkauf von Aktien von bis zu zehn Prozent des Grundkapitals. Die Erlaubnis gilt längstens für fünf Jahre.

Beauftragte Banken wickeln dann die einzelnen Transaktionen ab. Normalerweise werden die Papiere direkt an der Börse gekauft. Die Transaktionen können aber auch außerbörslich durchgeführt werden.

Steigender Gewinn je Aktie

Während gewöhnliche Anleger die zurückgekauften Aktien selbstverständlich behalten würden, vernichtet das Unternehmen in den meisten Fällen die erworbenen Wertpapiere. Aus dieser Vernichtung resultiert die zweite positive Folge für den Aktienkurs: Die Anzahl der Aktien sinkt, dadurch steigt der Gewinn je Aktie, wird er doch auf weniger Aktien verteilt. Auch die Dividende wächst automatisch. Das erhöht wiederum die Nachfrage nach den Titeln.

Anlegerschützer nicht glücklich

Eine Garantie für steigende Kurse bieten Aktienrückkäufe aber nicht, kritisieren manche Anlegerschützer. Die Unternehmen sollten ihr überschüssiges Geld besser in die langfristige Weiterentwicklung des operativen Geschäfts investieren. Ruft man sich allerdings in Erinnerung, dass die Bezahlung vieler Top-Manager oftmals direkt mit der kurzfristigen Aktienkursentwicklung verknüpft ist, ist dies ein vielleicht etwas naiver Gedanke.

Apple und der Milliardenrückkauf

Der iPhone-Hersteller Apple ist der Krösus, auch in Sachen Aktienrückkäufe: Im Mai 2017 hat der Technologieriese das Volumen der geplanten Rückkaufe in eigenen Aktien nochmals gesteigert - von 175 auf 210 Milliarden Dollar. Für das Unternehmen, das keine großen Übernahmen plant und mit dem iPhone-Verkauf Milliarden scheffelt, ist der Aktienrückkauf die einfachste Methode, die Anleger zu befriedigen und den Aktienkurs nach oben zu "pflegen". Gerade unter US-Konzernen ist der Aktienrückkauf eine beliebte Maßnahme. Aber auch Dax-Unternehmen wie die Münchener Rück kaufen eigene Anteile im Wert von Milliarden Euro zurück.

ETFs auf Rückkäufe

Wer die Tendenz zu Aktienrückkäufen und ihren kurstreibenden Effekt für sich nutzen will, der kann gezielt auf einzelne Unternehmen setzen, die regelmäßig die Schatulle aufmachen. Er kann aber nichtzwischen sogar per Indexfonds (ETF) gleich eine ganze Auswahl solcher Firmen kaufen. In Betracht kommen hier der Amundi ETF S&P 500 Buyback ETF (WKN: A14MC4). Er bietet Zugang zu 100 Aktien mit den höchsten Aktienrückkaufquoten aus dem Universum des S&P-500-Index.

Etwas anders aufgestellt ist der PowerShares Global Buyback Achievers ETF (WKN: A114UD). Er setzt auf Aktien von der US-Technnologiebörse Nasdaq, aber auch auf den Buyback Achievers-Index, der weltweit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen enthält. Voraussetzung für eine Aufnahme ist, dass die Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren netto fünf Prozent oder mehr ihrer ausstehenden Aktien zurückgekauft haben.

ag/ab

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