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Rüdiger von Rosen

"Ein Korrektiv für den Kapitalmarkt"

Stand: 07.06.2012, 15:22 Uhr

Aktionärsschützer legen oft den Finger in Finanzwunden, aber manche sind auch schon hinter Gitter gewandert. Eine gewisse Grundskepsis ist daher gesund, findet Rüdiger von Rosen, ehemaliger Leiter des Deutschen Aktieninstituts.

boerse.ARD.de: Mehrere ehemalige SdK-Aktionärsschützer sind von Richtern verurteilt worden. Herr von Rosen, wem können Anleger da noch trauen?



Rüdiger von Rosen: Anlegerschützer sind ein wichtiges Korrektiv für den Kapitalmarkt: Sie haben mehr Sachverstand als normale Anleger und decken bei vielen Unternehmen Schwachstellen auf. Aber sie ersetzen nicht das eigene Urteil. Wenn Anleger ein Finanzprodukt nicht verstehen, sollten sie darauf verzichten. Der Glaube, man könne Schnäppchen erzielen oder einen heißen Tipp verwerten, geht selten gut.

boerse.ARD.de: Also ist der Anlegerschutz für Sie nur eine gute Ergänzung?



Von Rosen: Bei der Flut von Informationen können Anlegerschutzorganisationen helfen, zum Beispiel die Ratings von Agenturen, Analystenberichte und auch Medienbeiträge besser einzuordnen. Aber natürlich gibt es wie in jeder Branche auch hier schwarze Schafe.

boerse.ARD.de: Anlegerschützer präsentieren sich gerne als Sittenwächter am Kapitalmarkt. Wie neutral sind sie eigentlich?



Von Rosen: Auf jeden Fall sollten Anleger sich genau über ihre Schutzengel informieren: Berichten die nur über Wertpapiere oder Anlageformen, mit denen sie nicht selbst handeln? Oder gibt es da Interessenkollisionen? Anleger können bei der Schutzvereinigung nachfragen, ob es einen Kodex gibt oder eine klare Selbstverpflichtung.



boerse.ARD.de: Ein anderes Problem ist, dass in solchen Schutzorganisationen viele Anwälte beschäftigt sind, die auch nach einem Mandat suchen. Ist da nicht sogar vor dem Aktionärsschützer hin und wieder ein gewisser Schutz nötig?



Von Rosen: Natürlich können Anlegerschützer von ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit oft auch beruflich profitieren. Das lässt sich nicht vermeiden. Deswegen sollten Anleger kritisch sein. Wollen sie einer Organisation beitreten, sollten sie sich danach orientieren, mit welchen Personen sie schon gute Erfahrungen gemacht haben.



boerse.ARD.de: Gibt es bei Anlegerschutzorganisationen auch starke Verflechtungen mit der Wirtschaft?



Von Rosen: In den Gremien sitzen tatsächlich auch Geschäftsleute und Juristen. Aber man kann Missbrauch ausschließen, weil ein bekannt gewordenes Fehlverhalten für die Organisation einen großen Reputationsschaden bedeuten würde.



boerse.ARD.de: Betrachtet man den Telekom-Prozess, bei dem die Aktionäre leer ausgegangen sind, stellt sich die Frage: Was können Anlegerschützer, die auch am Prozess beteiligt waren, wirklich bewirken?



Von Rosen: So kritisch darf man das nicht sehen. Der Grund der Klage war, dass man der Telekom vorgeworfen hat, ihre Immobilien nicht richtig bewertet zu haben. Das Gericht hat diesen Vorwurf nun zurückgewiesen. Da können Anlegerschützer auch nichts machen.


Das Gespräch führte Ursula Mayer.

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