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Blackrock, State Street und Vanguard Wie drei Firmen den US-Aktienmarkt dominieren

Stand: 19.05.2017, 11:07 Uhr

Der ETF-Boom hat die Machtverhältnisse umgekrempelt. Blackrock ist mit Abstand der größte Vermögensverwalter der Welt. Wie weit die Verflechtung der drei größten ETF-Anbieter in den USA reicht, zeigt jetzt eine Studie der Universität Amsterdam.

5,42 Billionen US-Dollar verwaltet alleine Blackrock. Damit ist Blackrock der größte Vermögensverwalter der Welt. Im Schnitt ist die Fondsgesellschaft zu fünf Prozent an jedem Dax-Unternehmen beteiligt. Die Stellung der drei größten Anbieter von passiven Fondsprodukten Blackrock, Vanguard und State Street in den USA ist allerdings noch bedeutender. Die drei Unternehmen kontrollieren über 90 Prozent des in passiven Aktienfonds verwalteten Vermögens und legen dieses zum Großteil in Index-Fonds an - Blackrock und Vanguard mit über 80 Prozent, State Street sogar zu fast 97 Prozent.

Größte Anteilseigner in 40 Prozent der gelisteten US-Unternehmen

Nimmt man alle Anteile der "großen Drei" zusammen, zeigt sich, dass sie in 40 Prozent aller in den USA gelisteten Unternehmen die größten Anteilseigner sind. Allein Blackrock ist bei rund 2.000 aller gelisteten US-Firmen mit mindestens fünf Prozent beteiligt, eine nicht zu verachtende Zahl, wenn man bedenkt, dass es "nur" rund 3.900 öffentlich gelistete US-Gesellschaften gibt. Weltweit sind es sogar 2.632 Firmen, bei denen Blackrock mindestens fünf Prozent der Aktien hält. Vanguard besitzt immerhin noch bei 1.750 US-Firmen mindestens fünf Prozent der Anteile.

Die 15 größten US-Vermögensverwalter nach Beteiligungen
PlatzNamen (Land)Beteiligungen > 3%Beteiligungen > 5%Beteiligungen > 10%
1Blackrock (USA)3.6482.632375
2Vanguard (USA)2.8211.855163
3Fidelity (USA)1.9561.309506
4Dim. Fund Adv. (USA)1.7085904
5State Street (USA)1.11328113
6Capital Group (USA)844528121
7Wellington Mgmt. (USA)765480117
8JP Morgan Chase (USA)74531149
9Franklin Templeton (USA)743440117
10T. Rowe Price (USA)685399124
AnmerkungPlatzierung auf Basis der 3% Beteiligungen.> 10% enthält > 5% und so weiter
Quelle:Business and Politics, April 2017

2015 waren die "großen Drei" in 1.662 gelisteten US-Firmen die größten Anteilseigner mit einem durchschnittlichen Besitz von 17,6 Prozent. Zusammengerechnet haben die 1.662 Unternehmen Betriebseinnahmen von 9,1 Billionen US-Dollar, eine Marktkapitalisierung von über 17 Billionen US-Dollar, was in etwa dem Bruttoinlandsprodukt der USA 2015 entspricht, sowie über 23,5 Millionen Arbeitnehmer.

S&P 500 unter Kontrolle

So beeindruckend diese Zahlen waren, deutlicher wird die Machtstellung der Vermögensverwalter mit Blick auf die Anteile an Firmen im S&P 500. In 438 der 500 Unternehmen, oder anders gesagt in rund 88 Prozent, sind die "großen Drei" zusammen die größten Anteilseigner. Diese 438 Unternehmen stellen rund 82 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P 500 dar.

Marktkapitalisierung

Die Macht der "großen Drei". | Bildquelle: University of Amsterdam

Unternehmen, in denen die "großen Drei" normalerweise nicht vertreten sind, sind solche mit dominanten privaten Investoren wie Alphabet (Sergey Brin und Larry Page), Berkshire Hathaway (Warren Buffett) oder Amazon (Jeff Bezos). Dafür ist man bei anderen Branchengiganten wie Apple, Microsoft, ExxonMobil, General Electric und Coca-Cola beteiligt.

ETF-Markt macht es möglich

Der Aufstieg der Vermögensverwalter wurde vor allem durch die Finanzkrise 2007 ermöglicht. Zuvor wurde mehr in aktiv gemanagte Fonds investiert. Seitdem geht der Trend zu Index-Fonds, so genannten ETFs. Diese sind kostengünstiger und erreichen meist eine ähnliche, wenn nicht bessere Performance als aktiv gemanagte Fonds.

Zwischen 2007 und 2016 sind rund 1,2 Billionen US-Dollar aus aktiv gemanagten Fonds abgezogen worden, während Index-Fonds einen Zufluss von rund 1,4 Billionen US-Dollar erhielten. Alleine im ersten Quartal 2017 sollen noch einmal rund 200 Milliarden US-Dollar Index-Fonds zugeflossen sein. Insgesamt kontrollieren die drei Verwalter 71 Prozent des gesamten ETF-Marktes. Kein anderer Anbieter kommt über 3,3 Prozent Marktanteil.

Passive Investoren, aktive Aktionäre?

Mit dem Besitz von Aktien kommt normalerweise auch Macht daher. Bei passiven Investoren gestaltet sich das Ganze allerdings etwas anders. Ihre Anteile sind meist auf diverse Fonds verteilt, was sie nicht zum Eigentümer, sondern eben nur zum Verwalter macht, so auch die Argumentation von Blackrock. William McNabb, CEO von Vanguard, äußerte sich dagegen 2015 deutlich offensiver:

»In the past, some have mistakenly assumed that our predominantly passive management style suggests a passive attitude with respect to corporate governance. Nothing could be further from the truth. In der Vergangenheit haben manche fälschlicherweise angenommen, dass unser vorwiegend passiver Managementstil zugleich eine passive Haltung gegenüber der Unternehmensführung bedeutet. Nichts liegt ferner von der Wahrheit.«

William McNabb, Vanguard

Statistisch gesehen verhalten sich die "drei Großen" allerdings sehr zurückhaltend. In 90 Prozent der Abstimmungen stellen sie sich auf die Seite des Managements, deutlich häufiger als aktiv gemanagte Fonds. Als Beispiel, Calvert Investment, ein aktiv gemanagter Fonds, stimmt in rund 40 Prozent der Fälle gegen das Management.

Laurence Fink, Chef des Finanzkonzerns Blackrock

Blackrock-Chef Laurence Fink. | Bildquelle: picture alliance / dpa

In ihrer Studie kommen die Forscher der Uni Amsterdam zum Schluss, dass die "großen Drei" meistens Management-freundlich stimmen, allerdings durch ihr gewaltiges Stimmgewicht schon vor Abstimmungen einen weitreichenden Dialog mit dem Management halten und somit indirekt über den Kurs der Unternehmen entscheiden. Anders ausgedrückt: Das bloße Gewicht der Vermögensverwalter macht es unnötig, gegen das Management der Unternehmen zu stimmen, da es für das Management rational ist, sich nicht gegen die Interessen der Verwalter zu stemmen.

»As an indexer, our only action is our voice and so we are taking a more active dialogue with our companies and are imposing more of what we think is correct. Als passiver Fondsanbieter können wir alleine mit unserer Stimme agieren und pflegen daher mit unseren Firmen einen aktiven Dialog. Damit vermitteln wir mehr von dem, was wir für richtig halten.«

Larry Fink, CEO Blackrock

Weiterhin spricht Blackrock selbst davon, dass "Treffen hinter geschlossenen Türen mehr erreicht als gegen das Management zu stimmen". Insgesamt lässt sich wohl sagen, dass die "großen Drei" zwar passive Investoren sind, allerdings durchaus aktive Aktionäre. So lenken sie die Geschicke der US-Unternehmen wie kaum ein Zweiter.

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Blackrockgebäude

Blackrock – die felsenstarke Nummer 1

Der weltgrößte Vermögensverwalter ist Blackrock. Mehr als vier Billionen Dollar verwaltet der Fonds, mehr als die Jahres-Wirtschaftsleistung Deutschlands. Dazu kommen noch die zehn Billionen Dollar anderer Vermögensverwalter, die über das von Blackrock entwickelte Betriebssystem "Aladdin" laufen. Es ist ein Verkaufsschlager, wird zum Beispiel von der Deutschen Bank und vielen Pensionsfonds genutzt. Blackrock hat sich als Anbieter von ETFs einen Namen gemacht. Der amerikanische Vermögensverwalter vertreibt aber auch aktiv gemanagte Investmentfonds. Blackrock investiert in alles, was Rang und Namen hat, in IT-Firmen wie Apple, Microsoft und Google, oder auch in Exxon und Nestlé. Die Macht reicht bis nach Deutschland: Blackrock hält Anteile an allen Dax-Firmen. Und macht den Mund auf. Der Fonds kritisiert die Dax-Konzerne für ihre üppige Dividendenpolitik. In der Finanzkrise beriet Blackrock die US-Regierung, wie man mit den toxischen Hypothekenpapieren umgehen soll. Die EZB ließ sich bei ihrem Kaufprogramm für Kreditverbriefungen beraten. Das Finanzhaus ist größer als viele bekannte Banken und Versicherer, obwohl die viel älter sind. Blackrock wurde 1988 gegründet.
Das hat Blackrock im Depot: Schwarzer Fels in der Börsenbrandung (Stand: 14.04.2014)

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