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Porträt

Warren Buffett

Ein Mann der Superlative

Warren Buffett - die lebende Börsenlegende

von Detlev Landmesser

Stand: 30.08.2015, 10:39 Uhr

Der Welt erfolgreichster Investor, drittreichster Mann der Welt, Value-Ikone, Orakel, Börsenguru - Warren Buffett wurde schon mit vielen Superlativen belegt.

"Ich plane zu arbeiten, bis ich über 100 bin", versprach Warren Buffett einst. Die Aktionäre seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway hören das gerne, denn es scheint, als werde der Börsenguru mit dem Alter nur besser - jedes Quartal scheffelt er Milliardengewinne, auch wenn es zuletzt mal etwas weniger war. An diesem Sonntag feierte der steinreiche, aber für seinen bescheidenen Lebensstil berühmte Staranleger seinen 85. Geburtstag.

Wenn Warren Buffett irgendwo investiert, werden die Börsianer in aller Welt hellhörig. Denn der Erfolg des Amerikaners spricht für sich. Binnen 50 Jahren vermehrte Buffett ein Startkapital von rund 100.000 Dollar auf ein Gesamtvermögen von mehr als 70 Milliarden Dollar. Und das weniger mit waghalsigen Finanzmanövern als mit soliden Aktien wie der von Coca-Cola, American Express oder der Washington Post.

Zuletzt ließ Buffett, der wegen seines Gespürs für lukrative Geldgeschäfte und seiner Herkunft das "Orakel von Omaha" genannt wird, es noch einmal so richtig krachen: Erst vor rund drei Wochen stemmte seine Berkshire Hathaway mit dem Kauf des Flugzeug-Zulieferers Precision Castparts Corp (PCC) die größte Übernahme ihrer Geschichte. Etwa 37,2 Milliarden Dollar lässt sich das Konglomerat den Deal kosten.

Ikone der Value-Strategie

Buffetts Anlagestrategie, die hinter seinem Erfolg steht, wird oft als Value-, also Wert-Strategie bezeichnet. Sie folgt der Idee, dass an der Börse Unternehmen zu finden sind, deren wahre Werte gegenwärtig noch im Verborgenen schlummern. Solche Firmen weisen meist eine aussichtsreiche Marktposition, überdurchschnittliche Profitabilität und eine stabile Gewinnentwicklung auf.

Bei der Grundlegung seiner Strategie hat Buffett auch viel seinem Lehrer an der Columbia Business School zu verdanken, dem legendären Begründer der Aktienanalyse Benjamin Graham.

Der Buffett-Hebel

Diese Strategie kombinierte Buffett mit dem ihm eigenen Unternehmergeist. Seine 1956 gegründete Firma "The Buffett Partnership Ltd." kann getrost als einer der ersten Hedgefonds bezeichnet werden. Buffett kassierte von seinen Mit-Investoren hohe Performance-Gebühren und konnte folglich von seinen richtigen Anlageentscheidungen deutlich stärker profitieren als Normalanleger.

In ruhigere, aber deutlich größere Dimensionen stieß Buffett dann mit seinem Investmentvehikel Berkshire Hathaway vor, das er in den Jahren ab 1969 von einer Textilfirma zur mächtigen Beteiligungsholding umbaute.

Warren Buffett mit Ehefrau Astrid M. Buffett

Warren Buffett mit Ehefrau Astrid M. Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nicht jeder ist ein Warren Buffett

Wer den Value-Ansatz ernsthaft verfolgen will, braucht aber nicht nur analytische Brillanz, sondern auch einen langen Atem - eine äußerst seltene Kombination. So war auch Buffett kein durchgängiger Erfolg beschieden. In den Jahren der Technologiehausse wurde es still um den Großinvestor. Der Wert von Berkshire Hathaway brach zwischen 1999 und dem Höhepunkt der Blase um fast die Hälfte ein. Buffetts traditioneller Stil wurde damals belächelt, und den Vorbetern der Hausse fiel es leicht, die Value-Strategie als antiquiert abzutun.

Auch die US-Finanzkrise nagte schon seit Anfang 2008 an seinen Finanzbeteiligungen. Doch sein Weitblick, trotz seiner grundsätzlichen Kritik an modernen Finanzmarktgebaren beim Exponenten der Krise Goldman Sachs einzusteigen, zahlte sich wie so oft langfristig aus. Seit 2009 steigt Buffetts Stern wieder, um heute heller denn je zu strahlen.

Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway im verschlafenen Omaha, Nebraska sind stets ein Event, zu dem Investoren aus aller Welt pilgern, nur um "das Orakel von Omaha" über sein Unternehmen sprechen und scherzen zu hören. Über 40.000 Fans versetzten zuletzt Buffetts Heimatstadt in Ausnahmezustand. Beim ersten Aktionärstreffen vor fünfzig Jahren kamen zwölf Personen.

Mittlerweile ist das Berkshire-Papier die teuerste Aktie der Welt. Schlappe 192.000 Euro bringt sie derzeit auf die Waage. Anlegern, die dennoch an Buffetts legendärer Value-Strategie partizipieren wollen und viel Ausdauer mitbringen, steht allerdings auch ein Engagement in der B-Aktie für 130 Euro pro Stück offen.

Neid-Attacken unangebracht

Warren Buffett mit Cowboyhut und Ukulele bei einer Benefiz-Veranstaltung

Buffett mit Ukulele bei einer Benefiz-Veranstaltung. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Für eine Neid-Debatte bietet der eher kleinbürgerlich, geradezu spießig lebende Senior, immerhin der drittreichste Mensch der Welt, wenig Angriffsfläche. Seit Jahren unterstützt der Multimilliardär mildtätige Stiftungen mit Milliarden. Erst vor kurzem gab er 2,8 Milliarden Dollar an gemeinnützige Stiftungen. Einmal im Jahr versteigert Buffett zudem ein Mittagessen mit sich für den guten Zweck. Der "Power Lunch" spielte im Juni 2,3 Millionen Dollar ein. Nach seinem Tod sollen gar 99 Prozent seines Vermögens gestiftet werden.

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