Die Wall Street 1929

Vom Aktienboom zum Großen Crash

Stand: 22.06.2015, 08:54 Uhr

Mit der gesetzlichen Basis von 1870 erlebte das Aktienwesen in Deutschland bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs eine Blütezeit. 1900 gab es mehr als 4.500 Aktiengesellschaften.

Die Zahl der AGs stieg bis 1909 auf 5.222, mit einem Grundkapital von 14,7 Milliarden Mark. Die Aktiengesellschaft hatte sich als Rechtsform endgültig durchgesetzt, sie wurde anerkannt und diente nun auch zur Finanzierung kleinerer Unternehmen.

Ende Juli 1914 wurden die deutschen Börsen angesichts der drohenden Kriegsgefahr geschlossen, der Handel mit Wertpapieren wurde außerhalb der Börsen fortgesetzt. Erst ab Dezember 1917 durfte an den deutschen Börsen wieder mit Wertpapieren gehandelt werden.

Frauen durften erst 1921 an die Börse

Die Zeit nach dem Krieg war allerdings auch auf den Finanzmärkten von Unsicherheiten geprägt. Eine Verordnung vom 2. November 1917 machte die Errichtung einer Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von mehr als 300.000 Mark oder eine Kapitalerhöhung des gleichen Volumens von einer staatlichen Genehmigung abhängig. Diese Einschränkungen wurden durch Verordnungen vom 12. Februar und 9. Oktober 1920 wieder zurückgenommen.

Eine Änderung des Börsengesetzes vom 28. Dezember 1921 eröffnete übrigens auch Frauen die Möglichkeit des Börsenbesuches, wenn sie die sonstigen Kriterien erfüllten.

Wall Street 1929: Der Krach, der die Welt veränderte

In den 20er Jahren hatte sich die USA als Zentrum des wirtschaftlichen Fortschritts etabliert. Effizientere Produktionsabläufe führten zu einem nie dagewesenen Wirtschaftsboom. Der Wert der Industrieproduktion wuchs mit Jahresraten von sechs Prozent.

Die zu Wohlstand gekommenen Amerikaner wollten ihr Vermögen weiter vermehren und begannen, an der Börse zu spekulieren. Hohe Kursgewinne bewirkten, dass die Anleger, vor allem die Kleinanleger, dem Spekulieren verfielen. Dies wurde durch den Umstand erleichtert, dass nur zehn bis zwanzig Prozent bei den Börsenmaklern angezahlt werden mussten. Die restliche Summe wurde vom zu erwartenden Gewinn beglichen oder durch Kredite finanziert. Kritiker sahen ein böses Ende voraus, doch die Spekulation nahm unüberschaubare Ausmaße an.

Der Dow Jones sackt bis auf 40 Punkte

Am Vormittag des 24. Oktober 1929 begannen die Kurse zu bröckeln und mit einem Mal brach der Sturm los. Einst unerschütterliche Optimisten verfielen ohne erkennbaren Grund in Panik und wollten für ihre Aktien so schnell wie möglich Bargeld. Die Kurse fielen in atemberaubendem Tempo. Etwa 13 Millionen Aktien wurden an diesem Tag gehandelt.

Die renommiertesten Kredithäuser des Landes beschlossen, Aktien gemeinsam zu kaufen, um den Sturz des amerikanischen Leitindex' Dow Jones abzuwenden. Doch das Kursgewitter, das sich am Morgen des Schwarzen Donnerstages entlud, leitete das Ende der Goldenen Zwanziger ein. Der Dow Jones verlor in kurzer Zeit über 50 Prozent seines Wertes. Im Juni 1932 war der amerikanische Leitindex auf 40 Punkte gesackt. Sein Hoch von 1929 mit 400 Punkten erreichte er erst wieder knapp ein Vierteljahrhundert später.

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