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Buchbesprechung

Buchcover

"$uper-Hubs" von Sandra Navidi

Umtriebige Finanzelite

Stand: 17.02.2016, 11:53 Uhr

Geld regiert die Welt, und die Regenten des Geldes sind begnadete Netzwerker. Finanzexpertin und "Insiderin" Sandra Navidi bestätigt in ihrem jüngst erschienenen Buch eine Reihe von Vorurteilen über die "Finanzelite", ihre Seilschaften und exklusiven Clubs.

Im "Super-Hub", dem globalen Netzwerk der Finanzgrößen, laufen alle Verbindungen zusammen. Er kann dank seiner Beziehungen und Kontakte maßgeblichen Einfluss auf das Geschehen in Notenbanken, wichtigen Institutionen wie dem IWF oder auch an den Schaltstellen der Politik ausüben.

Sandra Navidi, die lange zusammen mit Starökonom Nouriel Roubini bei den Mächtigen der Finanzbranche ein- und ausging, hat in ihrem Buch die Gesetze der Netzwerk-Theorie auf die Finanzelite übertragen. Eine Idee, die durchaus Sinn macht. Schließlich sind "Kontakte" und der Zugang zu den Entscheidern in den Banken-Türmen und Notenbank-Zirkeln das wichtigste Kapital. Gute Kontakte "erleichtern" Entscheidungen, beschleunigen die Kommunikation und sorgen für Stabilität.

(Fast) geschlossene Gesellschaft

Die Einblicke, die Navidi aus persönlichen Treffen mit Größen wie Investment-Legende George Soros, Steve Schwarzman von Blackstone oder auch dem ehemaligen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn gewährt, bestätigen viele Vorurteile: Veranstaltungen wie das Weltwirtschafts-Forum in Davos dienen in erster Linie der Beziehungspflege. Auf exklusiven Parties schwerreicher Family Offices werden Posten und Postitionen in Wirtschaft und Politik "ausgekungelt". Die Super-Hubs hüten ihr "Beziehungs-Kapital" genauso eifrig wie ihre Milliarden-Vermögen - und bleiben dabei im übrigen gerne unter sich - Frauen sind chronisch unterrepräsentiert, Aufsteiger müssen sich mühsam emporarbeiten.

Vor allem in den USA beschreibt Navidi eine munteres wie bedenkliches Wechselspiel zwischen Politik und Bankenbranche. Ex-Politiker, die Beraterposten in Banken und Private-Equity-Firmen übernehmen, US-Finanzminister, wie Timothy Geithner, die zwischen den Sphären hin und her rochieren, Notenbank-Chefs, die aus der Schmiede der Investmentbank Goldman Sachs ("Government Sachs") hervorgehen, beherrschen das Bild.

Scheitern als Ganzes

Die Super-Vernetzung der Super-Hubs kann laut Navidi verheerende Folgen haben: In der Krise neigen Netzwerke nämlich dazu, auch als Ganzes zu scheitern. Die Ansteckungs-Gefahr ist umso größer, je stärker die Mächtigen miteinander verwoben und letztlich voneinander abhängig sind. Eine Lösung für die gefährliche Zusammenballung der Macht, kann freilich auch die Autorin nicht liefern. Der Druck für Veränderungen sollte "von der Basis", also dem Wähler, kommen, meint Navidi. Ein frommer Wunsch.

AB

Sandra Navidi: Super-Hubs - Wie die Finanzelite und ihre Netzwerke die Welt regieren, FinanzBuch Verlag 2016

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