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Interview

Svea Kuschel, Frauenfinanzberaterin

Die erste Frauen-Finanzberaterin

Svea Kuschel: Der kleine Unterschied zwischen Mann und Frau

Stand: 17.02.2016, 16:04 Uhr

Svea Kuschel hat in den 80er Jahren die erste Finanzberatung speziell für Frauen eröffnet. Für ihr Lebenswerk hat sie das Bundesverdienstkreuz erhalten. Im Interview mit boerse.ARD.de spricht sie über den "kleinen Unterschied" zwischen den Geschlechtern.

boerse.ARD.de: Frau Kuschel, Sie haben 1986 die erste Finanzberatung für Frauen gegründet. Muss man Frauen denn überhaupt anders beraten als Männer?

Svea Kuschel: Man kann nicht sagen, dass sich grundsätzlich jede Frau lieber von einer anderen Frau beraten lassen will. Aber es gibt viele, die feststellen, dass man von Frau zu Frau freier reden kann. Sie öffnen sich beim Thema Finanzen dann leichter. Und weibliche Beraterinnen leben ja auch das Leben einer Frau und kennen die Bedürfnisse.

boerse.ARD.de: Was sind das denn für Bedürfnisse?

Kuschel: Als ich als Beraterin angefangen habe, war es mein Anliegen, Hausfrauen abzusichern. Mit der Zeit sind die Ansprüche allerdings wesentlich höher geworden. Es geht nicht mehr um den Hunderter in die Rentenversicherung, sondern um vollständige Finanzkonzepte. Und die müssen auf die individuelle Lebenssituation ausgerichtet sein. Frauen machen sich immer viele Gedanken: Was ist wenn?

boerse.ARD.de: Haben Sie ab und an auch Männer beraten?

Kuschel: Aber gerne doch, die sind ja viel einfacher (lacht). Bei denen ist die erste Frage: Wie hoch ist die Rendite? Frauen wollen es dagegen immer ganz genau wissen. Und fragen sich: Was passiert eigentlich mit meinem Geld? Sie sind oft zögerlicher - aber wenn sie sich entschieden haben, dann bleiben sie dabei. Wer Frauen beraten kann, kann Männer allemal beraten.

boerse.ARD.de: Wie sind Sie damals auf die Idee gekommen, eine Frauenfinanzberatung aufzubauen?

Kuschel: Eigentlich aus eigener Betroffenheit. Im Alter von 30 Jahren wollte ich mich um meine Altersvorsorge kümmern. Ich war zwölf Jahre Hausfrau - von der Rente hätte ich später nicht einmal die halbe Miete bezahlen können. Da habe ich gedacht: Gott, ich bin ein Einzelfall. Doch es stellte sich schnell heraus, dass viele Bekannte sagten: Mit meiner Altersvorsorge habe ich mich noch nie befasst. Oder: Das macht mein Mann. Das war der Anstoß für meine Selbstständigkeit.

boerse.ARD.de: Es gibt Studien, die behaupten, dass Frauen ein geringeres Finanzwissen haben als Männer. Hatten Sie in Ihrem Berufsalltag den gleichen Eindruck?

Kuschel: Männer tun oft so, als ob sie ein größeres Wissen haben. Frauen geben eher zu, dass sie etwas nicht verstehen. Früher war es allerdings oft so, dass Frauen das Thema gerne an ihre Männer abgegeben haben. Das ändert sich aber mit dem eigenen Einkommen - und das finde ich toll.

boerse.ARD.de: Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem für Frauen bei der Vorsorge?

Kuschel: Eins, das die Frauen wunderbar lösen können. Wenn sie in Elternzeit gehen oder später vielleicht in Teilzeit arbeiten, sagen viele: Ich kann nicht vorsorgen, ich verdiene doch zu wenig. Aber der Mann bringt nicht sein Einkommen nach Hause - sondern ein Familieneinkommen. Wenn da eine andere Denkweise einsetzen würde, würde das viele Probleme lösen.

boerse.ARD.de: Gibt es auch ein spezielles Problem in der Frauen-Finanzberatung?

Kuschel: Es gibt einige spezielle Finanzprodukte für Frauen auf dem Markt. Das ist schlichtweg ein Marketinggag. Man kann nicht alle Frauen über einen Kamm scheren und ein Produkt auf den Markt bringen, das sich über alle Frauen stülpt. Es wird ja im umkehrten Fall auch nie ein Finanzprodukt für alle Männer geben. Stattdessen ist eine individuelle Beratung nötig.

boerse. ARD.de: 2009 haben sie die Bayerische Staatsmedaille erhalten, 2012 das Bundesverdienstkreuz für Ihr Lebenswerk. Mittlerweile sind sie in Rente. Fällt Ihnen das schwer?

Kuschel: Ich bin als Mentorin tätig für die Frauenakademie in München. Und ich reise viel, ich vermisse nichts.

boerse.ARD.de: Verraten Sie, wie Sie selbst damals für Ihre Rente vorgesorgt haben?

Kuschel: Das ist kein Geheimnis. Ich habe mein Geld auf verschiedene Anlagen aufgeteilt. Auf Fonds, da habe ich hauptsächlich Mischfonds. Dann habe ich noch Einnahmen aus einer privaten Rentenversicherung. Und ein Tagesgeldkonto - das bringt zwar nichts, aber davon finanziere ich meine Reisen. Das sind meine drei Standbeine.

boerse.ARD.de: Beschäftigen Sie sich heute noch mit dem Thema Finanzberatung und versuchen, auf dem Laufenden zu bleiben?

Kuschel: Ich gehe nicht mehr so in die Tiefe. Was mich heute am Thema Finanzen interessiert, lese ich im Wirtschaftsteil der Zeitung.

Das Gespräch führte Claudia Wiggenbröker.

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