Porträt

Jacqueline Jackie Hunt

Diese Frau macht Allianz-Tochter Pimco Beine Jackie Hunt, eine Aufräumerin ohne Allüren

Stand: 17.02.2017, 13:53 Uhr

Diese Frau hat die angeschlagene US-Fondstochter der Allianz umgekrempelt: Jacqueline "Jackie" Hunt. Noch kein Jahr im Amt, hat sie bei Pimco die Weichen neu gestellt - wieder Richtung Erfolg.

Endlich wieder eine Erfolgsmeldung von Pimco: Die Trendwende ist geschafft, freut sich die Allianz. Endlich fließen wieder neue Kundengelder zu der wichtigen, auf Anleihen spezialisierte US-Fondstochter, anstatt von ihr weg. Die Allianz sieht in ihrer schwächelnden Vermögensverwaltung Licht am Ende des Tunnels. Zwar warf die Sparte, zu der neben der Pimco auch die Fondsgesellschaft Allianz Global Investors gehört, vier Prozent weniger operatives Ergebnis ab als im Vorjahr.

Aber wenn die Kunden zurückkehren, ist der wichtigste Schritt getan. Im vierten Quartal hätten Anleger zum zweiten Mal in Folge mehr Geld bei Pimco neu angelegt als abgezogen, heißt es auf der heutigen Jahrespressekonferenz der Allianz in München, auf der der Versicherer auch in anderer Hinsicht glänzte.

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Hunt macht Pimco Beine

Es sieht in der Tat mehr nach Trend als nach Eintagsfliege aus. Nach dem Jahresendspurt habe Pimco auch im Januar wieder Nettomittelzuflüsse verbucht - insgesamt etwa fünf Milliarden Euro, berichtet die Allianz stolz. Das wird vor allem ihr zugeschrieben: Jacqueline "Jackie" Hunt, die Frau, die am 1. Juli 2016 neu in den Vorstand von Europas größtem Versicherer einzog und Verantwortliche für die Vermögensverwaltung wurde.

Die Allianz hatte beschlossen, oder besser gesagt: war gezwungen, ihre amerikanische Fondstochter Pimco an die kurze Leine zu nehmen. Denn Personalquerelen und unterdurchschnittlich laufende Fonds hatten viele Kunden verprellt.

Pimco - vom Selbstläufer zum Sorgenkind

Dabei war der Ableger in Kalifornien jahrelang ein Selbstläufer gewesen. Der Konzern hatte Pimco 1999 gekauft, vom Firmengründer Bill Gross persönlich. Der behielt auch nach der Übernahme die Zügel in der Hand. Erfolgreich. Pimco war jahrelang das Maß aller Dinge an den Märkten. Bill Gross hatte einen legendären Ruf. Man taufte ihn "Bond-König". Seine Fonds, allen voran der Total Return, brachten den Anlegern satte Gewinne. Die Allianz wiederum konnte sich mit der wichtigen Stütze Pimco eine lukrative Vermögensverwaltung als zweites Standbein aufbauen.

Doch in der Finanzkrise verließ Gross das Glück. Die Anleihefonds enttäuschten zusehends, die Niedrigzinspolitik der Notenbanken machte ihnen zu schaffen. Später ging Gross im Streit mit der Konzernmutter.

Die Berufspendlerin

Drei Jahre kämpfte Pimco mit dem nicht enden wollenden Abfluss von Kundengeldern. Für Jackie Hunt gab es also jede Menge zu tun, als sie Mitte 2016 die Aufgabe bekam, Pimco zurück auf die Erfolgsspur zu führen. Die Allianz werde sich jetzt stärker in die Vermögensverwaltung einmischen als in der Vergangenheit", sagte sie damals. Das habe nicht nur mit ihrem persönlichen Stil zu tun. Vielmehr hätten beide Seiten, die Allianz und auch Pimco, die Notwendigkeit erkannt, enger zusammenzurücken.

Die enge Zusammenarbeit bringt es mit sich, dass die 48-Jährige auch ab und an mal pendeln muss: die überschaubare Strecke von fast 10.000 Kilometern. Von der Konzernzentrale in München zum Pimco-Standort "Newport Beach" in Kalifornien.

Die Zwei-Billionen-Dollar-Frau

Aber solche Sprünge sind für die gebürtige Südafrikanerin aus Johannesburg kein Problem. Sie ist viel herumgekommen in der Welt. Während des Studiums blieb sie noch in Johannesburg und studierte Wirtschaft an der University of Witwatersrand. Doch ihre berufliche Karriere, die sie unter anderem zum Wirtschaftsprüfer Deloitte, zu PricewaterhausCoopers, Standard Life, Aviva und Prudential führte, lernte sie auch Neuseeland, New York, London, Dublin, Edinburgh kennen.

Für die Nachrichtenagentur "Bloomberg" ist Hunt die "Zwei-Billionen-Dollar-Frau", in Anspielung auf die mittlerweile wieder bei fast zwei Billionen Euro Vermögen von Pimco. Eine Größe in der Finanzwelt. Im Porträt wird die gelernte Wirtschaftsprüferin als ruhig und zurückhaltend beschrieben: "Ich liefere lieber Ergebnisse, als dass ich für große Ankündigungen bekannt bin, die ich dann nicht erfüllen kann." Den Turnaround bei Pimco beschreibt sie lieber als Teamleistung.

Kombiniert Intellekt, Entschlosenheit und Mut

Ein großer Fan von ihr ist der Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, der sich selbst mit der Wende der Bank abmüht. Hunt kombiniere Intellekt, Entschlossenheit und den Mut, schwierige Dinge anzupacken, gestand er gegenüber "Bloomberg". Man kennt sich: Die beiden haben sowohl bei Prudential als auch bei Aviva zusammengearbeitet.

Hunt gilt als sehr rational - was nicht bedeutet, dass man kein Einfühlungsvermögen besitzt, wie sie selbst betont. Sie setzt sich für die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Sie selbst konnte Karriere machen, weil ihr Mann und ihre Schwiegereltern sie unterstützten. Im Interview mit Bloomberg erzählt sie, als Mutter von zwei Teenagern habe sie Geduld gelernt. Dogmatisch zu sein, schaffe nur unnötige Konflikte. Sie mag es herauszufinden, warum Menschen wie ticken. Egotrips sind von ihr nicht zu erwarten. Große Dramen wie die von Ex-Pimco-Chef Bill Gross auch nicht. Höchstens in ihrer Freizeit. Sie liebt die Oper. Ein neuer Star in der globalen Finanzwelt - aber ohne Allüren.

bs

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Blackrock – die felsenstarke Nummer 1

Der weltgrößte Vermögensverwalter ist Blackrock. Mehr als vier Billionen Dollar verwaltet der Fonds, mehr als die Jahres-Wirtschaftsleistung Deutschlands. Dazu kommen noch die zehn Billionen Dollar anderer Vermögensverwalter, die über das von Blackrock entwickelte Betriebssystem "Aladdin" laufen. Es ist ein Verkaufsschlager, wird zum Beispiel von der Deutschen Bank und vielen Pensionsfonds genutzt. Blackrock hat sich als Anbieter von ETFs einen Namen gemacht. Der amerikanische Vermögensverwalter vertreibt aber auch aktiv gemanagte Investmentfonds. Blackrock investiert in alles, was Rang und Namen hat, in IT-Firmen wie Apple, Microsoft und Google, oder auch in Exxon und Nestlé. Die Macht reicht bis nach Deutschland: Blackrock hält Anteile an allen Dax-Firmen. Und macht den Mund auf. Der Fonds kritisiert die Dax-Konzerne für ihre üppige Dividendenpolitik. In der Finanzkrise beriet Blackrock die US-Regierung, wie man mit den toxischen Hypothekenpapieren umgehen soll. Die EZB ließ sich bei ihrem Kaufprogramm für Kreditverbriefungen beraten. Das Finanzhaus ist größer als viele bekannte Banken und Versicherer, obwohl die viel älter sind. Blackrock wurde 1988 gegründet.
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