Porträt

Peter Lynch

Investieren mit gesundem Menschenverstand Peter Lynch – Fondsmanager mit Pioniergeist

von Ursula Mayer

Stand: 28.08.2014, 11:17 Uhr

Erfolgreich investieren ist kein Hexenwerk, davon ist Peter Lynch überzeugt. Das amerikanische Finanzgenie hat jahrelang den Magellan Fonds gemanagt, benannt nach dem portugiesischen Weltumsegler. Am Ruder konnte sich Lynch behaupten und unglaubliche Renditen erzielen.

Auf einem Golfplatz hat Peter Lynch seine ersten beruflichen Schritte gemacht, als Caddy. Diesen Job übernahm er als Elfjähriger in der Umgebung seiner Heimatstadt Boston und blieb die ganze Schul- und Studienzeit über dabei. Er trug Spielern die Tasche mit Golfschlägern hinterher und gab ihnen Tipps, wie sie bei verschiedenen Löchern vorgehen sollten. Nebenher belauschte er die ersten Gespräche über Finanzanlagen.

Für den mittlerweile 70-Jährigen war es rückblickend der ideale Karriereeinstieg: "Wo sonst kann man so schnell hochkarätige Leute beraten?" Offenbar war der Golfplatz für Lynch auch die perfekte Jobbörse. Denn dort lernte er unter anderem seinen späteren Chef kennen, den Präsident der Fondsgesellschaft Fidelity, George Sullivan.

Mit Aktien das Studium finanzieren

Das verschaffte ihm einen heißbegehrten Sommerjob in der Finanzbranche. In dem Bereich hatte er damals schon erste Erfahrungen gesammelt und erfolgreich in Aktien investiert. Nämlich in die Titel des Luftfrachtunternehmens Flying Tiger Line. Insgesamt 1.250 Dollar hatte er dafür zusammen gebracht. Und die Aktien stiegen. Denn wegen des Vietnamkriegs wurden Frachtmaschinen gebraucht. Mit dem Gewinn konnte sich Lynch sein MBA-Studium an der Wharton School of Finance finanzieren.

Es war Lynchs erster "Tenbagger", wie er in seinen Bestellern wie "One Up On Wall Street" schrieb. Ursprünglich wurden damit im Baseball enorme Erfolge bezeichnet. Als bekennender Fan nutzte Lynch den Begriff nun für Aktien, mit denen Anleger ihr Geld verzehnfachen konnten.

Ferdinand Magellan, portugiesischer Seefahrer, Weltumsegler, Entdecker

Ferdinand Magellan. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Nach seinem Studium bekam er bei Fidelity eine Festanstellung als Wertpapieranalyst und brachte es bis zum Leiter der Recherche-Abteilung. Mit gerade einmal 33 Jahren übernahm er den Magellan Fonds, benannt nach dem gleichnamigen portugiesischen Entdecker. Der bis dahin kaum bekannte Fonds zog immer mehr Aufmerksamkeit auf sich. Schließlich konnte Lynch eine durchschnittliche Jahresrendite von sagenhaften 29 Prozent erzielen und damit den Markt um Längen schlagen. Sogar im Crashjahr 1987 war noch ein Prozent drin. Innerhalb von 13 Jahren wuchs das Fondsvermögen von anfangs 20 Millionen auf 14 Milliarden Dollar.

Der größte Coup - die Chrysler-Aktie

Mit seiner Vorgehensweise machte Lynch dem Weltumsegler Magellan alle Ehre. Er zeigte Pioniergeist, scherte sich wenig um generelle Marktanalysen, sondern verließ sich vor allem auf seine Spürnase. In über 15.000 Unternehmen investierte Lynch, insbesondere in kleine Unternehmen, bei denen er besonderes Potenzial vermutete. Er kaufte aber auch Aktien von großen Supermarkt-, Fast-Food- und Kosmetik-Ketten.

Einer von Lynch größten Coups war 1982 die Chrysler-Aktie. Der angeschlagene Autohersteller stand damals kurz vor der Pleite. Nachdem Lynch sich vor Ort ein Bild gemacht und sogar mit den Arbeitern am Band gesprochen hatte, stieg er dort ein. Der Aktienkurs gab ihm im Nachhinein recht, er stieg in den darauffolgenden Jahren deutlich.

Investieren mit offenen Augen und Ohren

"Kauf, was du kennst." Das ist das Credo des amerikanischen Finanzgurus. Bei seiner Aktienauswahl ließ sich der Vater von drei Töchtern zuhause oder beim Einkauf inspirieren. "Zum Beispiel hatten meine Kinder Apple-Computer", erzählte er. "Bei Dunkin' Donuts habe ich den Kaffee geliebt." Aus solchen Alltagsbeobachtungen leitete Lynch allgemeine Trends ab, mit gesundem Menschenverstand. Interessierte ihn ein Unternehmen, setzte er sich intensiv damit auseinander, beleuchtete die Geschäftszahlen und versuchte, den wahren Wert zu erkennen. Lynch folgte damit im Wesentlichen der Grundidee der Value-Strategie: Fundamental unterbewerte Aktien aufzuspüren und überbewertete Aktien zu verkaufen.

Mit offenen Augen und Ohren zu investieren, machte sich für Lynch selbst bezahlt: In Spitzenzeiten soll er bei Fidelity bis zu zehn Millionen Dollar pro Jahr verdient haben. 1990 – auf einmal großes Erstaunen. Mit 46 Jahren beendete der Fondsmanager seine äußerst erfolgreiche Karriere. Seitdem ist er nur noch beratend tätig und unterstützt gemeinnützige Organisationen, mit seiner eigenen Stiftung. Die hat er vor 25 Jahren zusammen mit seiner Ehefrau Carolina ins Leben gerufen, die auf der dazu gehörigen Webseite schreibt: "Mein Mann und ich haben schon immer daran geglaubt, wie wichtig es ist, zu geben und für unsere Nachbarn dazu sein".

Das Vermögen der Stiftung beläuft sich heute auf 125 Millionen Dollar. Bis zu eine Million soll das Ehepaar Lynch beigesteuert haben. Das Gesamtvermögen des erfolgreichen Investors wird auf über 350 Millionen Dollar geschätzt.

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Das Depot von Peter Lynch Von Apple bis Dunkin' Donuts

FedEx: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

FedEx

Peter Lynchs erster Ausflug in die Welt der Finanzen begann mit der Aktie der amerikanischen Luftfrachtgesellschaft Flying Tiger Line (die später geschluckt wurde von dem amerikanischen Logistik-Unternehmen Federal Express). Hier stieg Lynch ein, profitierte auf diese Weise indirekt vom Vietnamkrieg und finanzierte sich so sein Studium.

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