Seitenueberschrift
Stichtag 15.9.08
Not too big to fail
Vor vier Jahren kollabierte Lehman Brothers
Am 15. September 2008 geschieht das bis dahin Unfassbare: Lehman Brothers, eine der größten Investmentbanken der USA, meldet Konkurs an. Die Finanzkrise wird damit für jeden offensichtlich.
Das Unfassbare geschieht: Lehman ist pleite.
Was die Wall-Street-Größe letztlich zu Fall bringt, sind zweitklassige US-Hypothekenpapiere. Mit ihnen haben die Banken Kredite an amerikanische Hausbesitzer mit geringer Kreditwürdigkeit finanziert. Immer mehr Banken leihen ihnen billig Geld, obwohl die Gefahr, dass sie ihre Kreditraten nicht zahlen können, hoch ist.
Dadurch steigt die Nachfrage nach Immobilien extrem an und die Preise auch. Bis die Immobilienblase platzt und die Preise wieder fallen. Die Häuser verlieren an Wert, aber die Kreditzinsen ziehen an. Darüber hinaus verlieren viele Menschen ihren Job und immer mehr Kreditnehmer können ihre Kreditraten nicht mehr bedienen. Es kommt zu massenhaften Ausfällen. Darum müssen Banken wie Lehman Brothers hohe Abschreibungen tätigen und Verluste wegstecken.
Pleite sorgt für eine Kettenreaktion
Was dazu kommt: Die Banken bündeln diese sogenannten Subprime-Kredite und verkaufen sie als komplexe Finanzpakete an Investoren weiter. Die hoffen, mit diesen Giftpapieren satte Renditen zu erzielen. Damit verspekuliert sich auch Lehman Brothers. Als die viertgrößte Investmentbank der USA zusammenbricht, gibt es keine Finanzspritze vom Staat.
Die Pleite stößt weltweit eine Kettenreaktion an. Wegen der Schrottpapiere misstrauen sich die Banken untereinander und gewähren sich kaum noch Kredite. Die Zinsen am Interbankenmarkt schnellen in die Höhe und treiben immer mehr Kreditinstitute an den Rand des Zusammenbruchs. Auch deutsche Banken verspekulieren sich, darunter die Commerzbank, die IKB und die Hypo Real Estate. Der deutsche Staat muss ihnen zu Hilfe eilen. Weltweit droht eine Rezession.
Giftpapiere kommen zu neuen Ehren
Lehman-Opfer müssen sich in Geduld üben
Heute, vier Jahre danach, müssen sich die Opfer der Lehman-Pleite immer noch gedulden. Zum Beispiel die rund 50.000 Kleinanleger in Deutschland, die ihr Erspartes in Lehman-Zertifikate gesteckt haben. Ihr ganzes Geld werden sie in der Regel nicht wieder sehen, sondern höchstens einen Bruchteil davon. Dabei wurden die Zertifikate einst als sichere Anlage empfohlen.
Gleichzeitig handeln die Banken schon wieder mit solchen Giftpapieren und viele Investoren wie große Fonds greifen wieder zu. Dabei ist das Ausfallrisiko so hoch wie damals.
Stand: 14.09.2012, 15:58 Uhr