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Portrait

General Electric GE Vorstand Jeff Immelt

Zum 60. Geburtstag

Jeffrey Immelt, der Mann der aus dem Schatten tritt

Stand: 19.02.2016, 12:03 Uhr

Er führt mit General Electric einen der größten Industriekonzerne weltweit. Aber er trat zunächst in die wohl größten Fußstapfen, die Amerika zu bieten hat. Mittlerweile füllt er sie aber gut aus.

Jeffrey Immelt wird heute 60 Jahre alt. Geboren ist er in Cincinnati, im Bundesstaat Ohio und für General Electric arbeitet er schon seit 1982, nachdem er an der berühmten Harvard Business School seinen Abschluss erreichte. Bis dahin liest sich sein Lebenslauf ähnlich wie der von vielen erfolgreichen Managern, die Harvard durchlaufen haben und dann Karriere in der Wirtschaft gemacht haben.

Jack Welch, General Electric

Jack Welch, General Electric . | Bildquelle: picture alliance / dpa

Aber als Immelt bei GE anfing, war ein gewisser Jack Welch seit einem Jahr als Firmenchef im Amt und sollte den Konzern dabei in einem Ausmaß prägen, wie es trotz der vielen charismatischen amerikanischen Firmenbosse kaum einem zweiten Manager je gelungen ist. 20 Jahre lang prägte Welch den Konzern, ehe er im Jahr 2001 den Chefsessel räumte und Jeff Immelt sein Nachfolger wurde.

In große Fußstapfen

Immelt übernahm das Kommando genau am 7. September 2001, vier Tage vor dem Terroranschlag auf das World Trade Center. Eine extrem schwierige Zeit und im Gefolge tat er das, was wohl alle von ihm erwartet hatten. Er führte den Konzern in eingetretenen Pfaden erfolgreich weiter, an grundlegende Änderungen des Geschäftsmodells war nicht zu denken. Das war angesichts des Vermächtnisses des eigenwilligen Welch auch ein offensichtlich hoffnungsloses Unterfangen.

Denn die geschäftsführenden Organe des Unternehmens standen alle noch unter seinem Einfluss und seiner Managementphilosophie. Zu den bekanntesten Grundsätzen von Welch gehörten etwa das 20-70-10-Prinzip, nach dem 20 Prozent der Mitarbeiter gefördert, 70 Prozent fair bezahlt und die schwächsten zehn Prozent geschasst werden. Auch schrieb er sich jahrzehntelang bedingunsglos das Shareholder-Value-Prizinp auf die Fahnen, nach dem alles dem Wohl der Aktionäre untergeordnet werden müsse. Später rückte er dann aber davon wieder ab.

Wendepunkt Finanzkrise

Ein weiteres Vermächtnis von Welch war GE Capital, die große Finanzsparte des Unternehmens. Eigentlich war der GE-Konzern mehr eine Bank als ein Industrieunternehmen, denn es gab kaum eíne Finanzierungsform, die bei GE Capital nicht ihren Platz fand. Dies führte auch dazu, dass GE sich hauptsächlich über Fremdmittel finanzierte. Ein markanter Ausdruck des betriebswirtschaftlichen Grundsatzstreits darüber, welche Finanzierungsform billiger ist. Apple und Microsoft sind und waren übrigens die genauen Gegenstücke, sie bestehen praktisch nur aus Eigenkapital, das zudem immer weiter thesauriert wurde/wird.

Mit der Kernschmelze des Finanzsystems nach der Lehman-Pleite 2008 zeigte sich aber, dass die einst so profitable Sparte mit hohen Risiken behaftet war. Immelt hielt gleichwohl die Finanzsparte über die Krise erst einmal zusammen. Aber die Saat des Zweifels war bei ihm und auch bei anderen Entscheidungsträgern gesät.

Denn die Welt hatte sich grundsätzlich verändert und Immelt war auf der Suche nach einem neuen Rahmen, in den eines der größten Industriekonglomerate der Welt hineinpasste. Kein einfacher Weg, zumal wohl kaum jemand mit so etwas je gerechnet hatte. Aber Immelt, der sich zuvor als Krisenmanager bewährt hatte, änderte sein Zielsystem mit der voranschreitenden Erholung nach der Krise. Er wollte GE von den Risiken des Finanzgeschäftes befreien und sich mehr auf das eigentliche "Brot und Butter"-Industriegeschäft konzentrieren. Genau diesen Weg geht GE derzeit, was zeigt, dass der Mann aus Ohio endgültig aus dem Schatten des Übervaters Jack Welch herausgetreten ist.

General Electric GE Vorstand Jeff Immelt

GE-Chef Jeff Immelt. | Bildquelle: picture alliance / dpa

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