Porträt

Charles Munger

90 Jahre und immer noch schwer im Geschäft Charles Munger, Buffetts Alter Ego

von Julian Herbst

Stand: 08.09.2014, 10:45 Uhr

Charles Thomas, genannt "Charlie", Munger ist Aktionär und Vice Chairman von Berkshire Hathaway, Warren Buffetts legendärer Investmentgesellschaft. Beide vereint nicht nur eine lange Freundschaft, sondern auch eine sehr ähnliche Anlagestrategie und eine unterhaltsame Portion Humor.

Charles Munger bekam 1948 seinen Juris Doctor in Harvard mit magna cum laude. Zunächst arbeitete er als Anwalt, später gründete und leitete er Immobilien- und Investmentfirmen. Munger und Buffett investierten nicht selten unabhängig voneinander in die selben Unternehmen. So kam es auch, dass Buffett Munger 1978 aus der Beteiligung an einer Einzelhandelskette rauskaufte. Im Gegenzug gab es zwei Prozent von und den Posten als Vice Chairman bei Berkshire Hathaway sowie 1984 die Leitung der Berkshire-Tochter Wesco Financial Corporation.

"I have nothing further to add"

"Die Orakel von Omaha" - Warren Buffett und Charlie Munger kommen aus der selben Stadt in Nebraska - hatten sich bereits 1959 auf einer Dinner Party kennengelernt. Seit Jahrzehnten präsentieren die beiden nun zusammen auf den traditionell unterhaltsamen Hauptversammlungen ihre meist erfreulichen Zahlen. Wobei meist Buffett präsentiert und Munger nur anmerkt, dass er nichts hinzuzufügen hat. Zu Lachen haben die Aktienbesitzer nicht nur wegen guter Zahlen, sondern auch wegen des Humors der beiden Junggebliebenen. Buffett, Jahrgang 1930, erklärte schon vor zehn Jahren, dass sie die Hauptversammlungen deshalb gemeinsam machten, weil der eine noch halbwegs gut sehe und der andere noch etwas höre. Munger, Jahrgang 1924, steht bei der alljährlichen Veranstaltung mit im Mittelpunkt, sonst aber immer deutlich im Schatten Buffetts.

Warren Buffett und Charlie Munger als Gummienten

Charlie Munger und Warren Buffett als Gummienten. | Bildquelle: Oriental Trading

Heinz Ketchup. | Bildquelle: Unternehmen

Da nutzt es auch nichts, dass Buffett oft betont, keine Investition ohne Rücksprache mit Munger zu tätigen. Lediglich beim Kauf von Aktien des texanischen Energieversorgers Energy Future Holdings machte Buffett einen Alleingang. Einen kostspieligen. Denn die für zwei Milliarden Dollar gekauften Anteile dürften nach der Insolvenz im April 2014 ziemlich an Wert verloren haben. "Das nächste Mal rufe ich Charlie an", versprach Buffett daraufhin. Er und Munger sind auf der Suche nach einem neuen Mega-Deal, einem "Elefanten", am besten einem amerikanischen. 2013 hatte Berkshire fast 18 Milliarden US-Dollar für den Stromversorger NV Energy und den Ketchup-Riesen Heinz gezahlt.

Munger seit 2009 auch solo unterwegs

Buffett und Munger sind sich äußerst ähnlich. Ihre Investitionsstrategie gleicht sich gespenstisch. Beide verfolgen aus fester Überzeugung eine Contrarian-Strategie. So kaufte sich Munger auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 bei Daily Journal Corp. ein. Ende März des Jahres besaß er 65 Prozent der Anteile. Offensichtlich war es keine ganz schlechte Idee, bei dem Verlag einzusteigen. Von damals rund 30 Dollar kletterte die Aktie bis Mitte 2014 auf fast 220 Dollar.

Charles Munger, Vice Chairman (l.) und CEO Warren Buffett von Berkshire Hathaway

Charles Munger und Warren Buffett. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Fachzeitschriften und Software sind die Kerngeschäftsfelder des 1986 gegründeten Unternehmens. Der Unternehmenswert ist aber nicht zuletzt wegen der Beteiligungen des Daily Journal gestiegen. Munger als Vorstand hat in Unternehmen investiert, an denen auch Berkshire Hathaway beteiligt ist. Ob sich aus dem Fachverlag Daily Journal aber noch ein Investmentriese wie Berkshire - ursprünglich eine Textilfirma - entwickelt, darf bezweifelt werden. Immerhin ist Munger bereits 90 Jahre alt.

"Größenwahn, Irrsinn und Bosheit"

Als Grund für die Finanzkrise machte Munger "Größenwahn, Irrsinn und Bosheit" aus, weshalb er auch für eine effektivere Finanzregulierung wirbt. Schon Jahre vor Ausbruch der Finanzkrise hatte Munger vor Derivaten gewarnt, die er "finanzielle Massenvernichtungswaffen" nannte und von denen er glaubte, dass sie mit einiger Wahrscheinlichkeit einst eine Finanzkrise auslösen würden. Seine Überzeugungen hat er in seinem Werk "Poor Charlie's Almanack" niedergeschrieben.

Charles Munger

Charles Munger. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Mungers Privatvermögen wird von Forbes auf "nur" 1,3 Milliarden Dollar geschätzt. Aber scheinbar reicht es, um auch den zahlreichen Nachkommen ein bisschen Geld zu vermachen. Zwei seiner Kinder bekämpften sich jedenfalls 2012 in Kalifornien politisch. Republikaner Charles Jr. und seine Halbschwester Molly investierten insgesamt rund 75 Millionen Dollar, um gegen und für eine Steuererhöhung per Volksentscheid zu trommeln.

Für Munger bleibt aber auch noch genug Geld, um sich selbst gesellschaftlich zu engagieren. In Los Angeles beteiligte er sich bei der Einrichtung von Abtreibungskliniken und sanierte ein Krankenhaus. Auch die Universitäten von Michigan und Stanford bekamen großzügige Zuwendungen.

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Das Depot von Charlie Munger Von Banken bis Stahl

Wells Fargo: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 10 Jahre

Wells Fargo

Beim amerikanischen Finanzdienstleistungsunternehmen Wells Fargo besitzt Daily Journal Aktien im Wert von 83 Millionen Dollar. Auch bei Wesco Financial war Munger Wells-Fargo-Investor, Berkshire Hathaway ist es ebenfalls.

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