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Geldanlage

Bono, U2-Sänger

Milliardenvermögen aufgebaut

Bono: Gutmensch und Investor

Von Lothar Gries

Stand: 17.11.2014, 16:22 Uhr

Der Popsänger Bono von U2 sieht sich gern als "Stimme der Ärmsten" und Retter der Welt vor Krankheit und Armut. Doch neben seinem Gutmenschentum ist der 54jährige Ire auch ein knallharter Geschäftsmann, der vor allem an sich selbst denkt.

Jüngstes Beispiel ist die Geschenkaktion seines neuesten Albums "Song of Innocence" an rund eine halbe Milliarde Nutzer von Apple-Computern und iPhones. Viele der User fanden die Zwangsbeglückung zwar gar nicht lustig und haben die Songs sobald es ging wieder gelöscht, doch für U2 hat sich der Vorgang gelohnt.

Denn die Band hat das Album keineswegs verschenkt, sondern es sich für geschätzte 100 Millionen Dollar von Apple abkaufen lassen. Auf den weltweiten "Shitstorm", den die Aktion auslöste, antwortete Bono ironisch und selbsverliebt, es gebe soviel Lärm da draußen, deshalb habe U2 entschieden, selbst ein bisschen laut zu werden, um gehört zu werden.

Zum Milliardär aufgestiegen

Eigentlich hätte Bono das gar nicht mehr nötig, ist der Sänger und Gutmensch doch längst zum Milliardär aufgestiegen - dank der jüngsten Erfolge seiner Beteiligungsgesellschaft Elevation Partners. Dabei handelt es sich um einen auf Medien, Unterhaltung und Technologie spezialisierten Investmentfonds, der eigenen Angaben zufolge 1,9 Milliarden Dollar schwer sein soll.

Als "Sechser im Lotto" erwies sich 2009 der Kauf von Facebook-Aktien für 90 Millionen Dollar. Der später auf 2,3 Prozent angehobene Anteil machte Bono nach dem Börsengang des Unternehmens vor zwei Jahren auf einen Schlag zum Milliardär: Facebook war zu 38 Dollar je Anteilsschein gekommen und hat seinen Wert seitdem fast verdoppelt. Damit verdiente Bono mit seiner Beteiligung an Facebook mehr Geld als mit seiner kompletten Laufbahn als Sänger.

Starke Nerven

Allerdings brauchte er dazu starke Nerven, erwies sich doch die Facebook-Aktie gleich nach dem Börsengang als Rohkrepierer. Erst in den Wochen und Monaten danach vollzog das Papier eine Trendwende und schoss schließlich wie eine Rakete in die Höhe. Elevation Partners hat inzwischen seinen Anteil an Facebook auf 1,5 Prozent verringert, was nach dem derzeitigen Wert rund 2,1 Milliarden Dollar entspricht - angesichts einer Börsenkapitalisierung von Facebook von zuletzt 147,5 Milliarden Dollar. Nach Berechnungen der britischen Zeitung "Telegraph" gehört Bono damit zu den reichsten Musikern der Welt.

Ein Glücksgriff war auch die 2010 für 100 Millionen Dollar erworbene Beteiligung an der Bewertungsplattform Yelps. Nach dem Börsengang 2012 hat sich das Papier zeitweise mehr als verdreifacht und ist derzeit immer noch mehr als doppelt soviel wert wie zum Ausgabepreis.

Acht Prozent Rendite

Bioware Computerspiel Mass Effect 3

Bioware Mass Effect 3. | Bildquelle: Unternehmen

Ziel von Elevation war es, inmitten der Medienrevolution die vielversprechendsten neuen Unternehmen auszumachen und in sie zu investieren. Seinen Anlegern hatte der Fonds versprochen, nach zehn Jahren einen annualisierten Gewinn von mindestens 8 Prozent auszuschütten.

Davon war der Fonds allerdings lange Zeit weit entfernt, weil sich einige Beteiligungen auch als Fehlgriff erwiesen. Dazu gehören insbesondere die Anteile von knapp zehn Prozent an dem einstigen Handyhersteller Palm, in den Elevation 2009 rund 460 Millionen Dollar investierte. Dabei war Palm zu dieser Zeit bereits ein Unternehmen im Niedergang, das sich gegen die Konurrenz von Apples iPhone nicht durchsetzen konnte. Als Palm schließlich von Hewlett-Packard übernommen wurde, soll Elevation 485 Millionen Dollar erhalten haben. Die Beteiligung war also kein Verlustgeschäft.

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Bono und seine Geldgeschäfte

Von Apple bis Yelp

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Facebook

Als ein Sechser im Lotto erwies sich der Einstieg von Bonos Investmentfonds Elevation Partners bei Facebook. Dank guter Verbindungen konnte der Fonds bereits 2009, also noch vor dem Börsengang des Netzwerkes, für 90 Millionen Dollar Anteile erwerben. Daraus wurden nach dem Börsengang von Facebook 2012 mehr als eine Milliarde Dollar. Inzwischen ist die Beteiligung von 1,5 Prozent mehr als zwei Milliarden Dollar wert.

Facebook: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Facebook

Yelp: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Yelp

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Apple

"Bibel des Kapitalismus"

Als Totalverlust erweist sich dagegen der Kauf von 40 Prozent der Anteile am Forbes-Verlag. Dort erscheint das gleichnamige Magazin, das viele als "Bibel des Kapitalismus" betrachten, weil die meisten der dort behandelten Thema sich um Geld und Geldanlage handeln. Wegen der Probleme der Printmedien musste Elevation seine Anteile an Forbes inzwischen aber fast komplett abschreiben.

Bereits getrennt hat sich Elevation von den beiden Videospieleherstellern BioWare und Pandemic Studios, in die der Fonds 300 Millionen Dollar gesteckt hatte - und beim Verkauf mehr als Doppelte dafür bekam. Trotzdem galt die Anlage als umstritten, weil einer der größten Verkaufserfolge der beiden Firmen ein Computerspiel mit dem Namen "Destroy all humans", "Zerstöre alles Menschliche" war. Dabei wandeln die Spieler als Aliens durch die Welt, um "kraftlose Menschen auszurotten."

"Die Armen bevormundet"

Wie passt das zu dem selbsternannten Gutmenschen Bono? Gar nicht, meinen seine Kritiker. Ebensowenig wie seine gesamten Beteiligungen und Spendenaktionen wohl eher dazu dienten, seinen persönlichen Lebenswandel zu finanzieren, als die Gelder an Arme und Bedürftige zu verteilen.

Bill Gates. | Quelle: picture-alliance/dpa

Der irische Professor Harry Browne veröffentlichte in diesem Sommer ein Buch über die Bono-Maschine und kam zu dem Schluss, "seit fast 30 Jahren als öffentliche Person hat Bono sich zum Lautsprecher elitärer Diskurse und zum Anwalt ineffektiver Lösungen gemacht und die Armen bevormundet, um die Ärsche der Reichen und Mächtigen zu küssen."

Tatsächlich ist nicht bekannt, dass Bono irgendwelche Summen aus dem U2-Vermögen oder dem seines Investmentfonds, wo auch die Facebook-Anteile liegen, für Spenden eingesetzt hat, während Microsoft-Gründer Bill Gates einen Großteil seines Vermögens wirklich einsetzt, um beispielsweise die Malaria-Seuche zu bekämpfen. Bono versucht eben Gutmensch und Heuschrecke zugleich zu sein.

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