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Porträt

George Soros

Bewege die Welt!

George Soros – der Megaspekulant

von Detlev Landmesser

Stand: 12.08.2015, 08:32 Uhr

Was Spekulation bewirken kann, hat niemand je so schlüssig bewiesen wie George Soros. Doch mit seinen Milliarden will der gebürtige Ungar mittlerweile weniger die Märkte erschüttern, als vielmehr die Welt verändern.

Sein wundersamer Werdegang gäbe genug Stoff für manchen Hollywood-Streifen, vielleicht gar für eine Erweckungsgeschichte mit biblischem Einschlag: George Soros ist nicht nur der Spekulant, der über Jahre hinweg die Devisenmärkte erschütterte. Seine zweite Karriere als politischer Gestalter zeigt den Multimilliardär von einer völlig anderen Seite.

Klassische Tellerwäscher-Karriere

1930 wurde György Soros als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Budapest geboren. Er entrann mit viel Mut und Geschick dem Holocaust und landete 1947 in London, wo er sich als Kellner und mit weiteren Gelegenheitsjobs durchschlug. Mit einem Abschluss der London School of Economics und 5.000 Dollar in der Tasche ging er 1956 nach New York. Heute gilt er mit einem Vermögen von geschätzten 24,2 Milliarden Dollar als einer der reichsten Männer der Welt.

Legendäre Devisenspekulationen

Der Weg dorthin ist vor allem mit seinem berühmten Quantum Fund verbunden. Nach einer Lehrzeit als "Junior Trader" an der Wall Street gründete Soros schließlich gemeinsam mit Jim Rogers den international agierenden Investmentfonds, der mit seinem spektakulären Anlagestil Geschichte schrieb.

Untrennbar mit Soros' Namen verbunden ist sein Kampf gegen die Bank of England und das britische Pfund im Jahr 1992. Soros gewann: Die Briten mussten daraufhin das Europäische Währungssystem verlassen, aber Soros machte dieser Coup angeblich rund eine Milliarde Dollar reicher.

Mit einer ähnlichen Wette soll der Großspekulant 1997 den Zusammenbruch der malayischen Währung herbeigeführt haben. Dadurch wurde nicht weniger als die Asienkrise ausgelöst, die weltweit die Börsen auf Talfahrt schickte. Schließlich wurde Soros auch die Abwertung des Rubels im Jahr 1998 zugeschrieben. Doch die Russlandkrise kostete auch Soros viel Geld.

Im Jahr 2000 stellte der Finanzmagnat seine visionären Fähigkeiten aber erneut unter Beweis und verkündete bald nach dem Scheitelpunkt der Hausse seinen Rückzug von der Wall Street.

Politischer Visionär

Doch was macht man mit 24 Milliarden Dollar, wenn man über 80 ist? Man versucht, die Welt zu verändern. Schon seit Ende der Siebziger Jahre hat sich der Spekulant Soros stets auch politisch engagiert und sich dabei durchaus als Philanthrop erwiesen. Für die Umsetzung seines Leitbildes einer offenen Gesellschaft, wie sie der liberale Philosoph Karl Popper entwarf, hat Soros schätzungsweise acht Milliarden Dollar gespendet.

Tamiko Bolton und George Soros

Soros und seine dritte Ehefrau Tamiko Bolton. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Reichlich Raum für seine Ideen bot ihm die Transformation der osteuropäischen Staaten. Über sein "Open Society Institute" hat Soros den Aufbau der Zivilgesellschaften Ungarns, Russlands, Polens und Georgiens unterstützt. Kaum eine Universität in Osteuropa, die ohne George-Soros-Lehrstuhl ist. Daneben hat er sich zuletzt auch zunehmend in Afrika und Südasien engagiert.

Liberaler Globalisierungskritiker

Das Zerrbild von Soros als hemmungsloser Turbokapitalist wird vollends brüchig, wenn man sein 2002 erschienenes Buch "On Globalization" betrachtet. Darin geht er vor allem mit der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds hart ins Gericht, und fordert Korrekturen am zur Jahrtausendwende eingeschlagenen Globalisierungskurs.

In seiner Wahlheimat Amerika mischt der Multimilliardär natürlich ebenfalls kräftig mit. 2004 versuchte er, mit 50 Millionen Dollar die Wiederwahl des republikanischen Präsidenten George W. Bush zu verhindern. Es gehe um Leben und Tod, warnte er damals und warb öffentlich für die Wahl des Demokraten Barack Obama.

Guter Ratschlag oder Finanzwette?

Seit Beginn der europäischen Schuldenkrise steht vor allem die Rolle Deutschlands in seinem Fokus. Dabei hat vor allem seine Forderung, Deutschland müsse aus der Eurozone austreten, um das Schuldenproblem zu lösen, oder Eurobonds akzeptieren, für Aufmerksamkeit gesorgt. Viel Gehör hat Soros damit allerdings nicht gefunden.

Denn eines schwächt seine politischen Ratschläge: Die Tatsache, dass der Senior noch immer Milliarden an den Finanzmärkten bewegen kann. Wer weiß, ob gerade das philanthropische oder das Spekulantenherz seine Argumentation leitet?

Denn seine spekulative Ader hat George Soros bis heute nicht verlassen. Ende Dezember 2013 kaufte er sich in Spaniens zweitgrößten Baukonzern ein. Als die Nachricht bekannt wurde, stieg der Kurs des Unternehmens um zwölf Prozent. Auch wettete Soros noch 2013 erfolgreich auf einen fallenden Yen - und verdiente knapp eine Milliarde Dollar damit. Ein guter Visionär ist eben immer auch ein guter Spekulant.

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