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Filmkritik

The Big Short: Filmplakat vor Filmstill

"The Big Short"

Die Außenseiterbande düpiert die Wall Street

von Thomas Spinnler

Stand: 15.01.2016, 15:19 Uhr

Mutige Männer, die gegen die gesamte Expertise der Finanzwelt erfolgreich auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarktes wetteten: Darum ging es im Bestseller "The Big Short" von Michael Lewis. Adam McKay hat daraus einen sehenswerten, ebenso witzigen wie bitteren Film gemacht.

Wie eine Naturkatastrophe sei die Krise über uns gekommen, wollte uns die Finanzindustrie weismachen. Ach wirklich? Wer im Jahr 2003 oder 2004 einen genauen Blick auf den sensationell boomenden US-Immobilienmarkt geworfen hatte, konnte erkennen, dass etwas gewaltig schief läuft.

Christian Bale spielt Michael Burry in

Christian Bale spielt Michael Burry in "The Big Short". | Bildquelle: The Big Short

Ein paar Männer haben hingesehen, die Situation analysiert und damit ziemlich viel Geld verdient. Mittels Kreditausfallversicherungen, sogenannten Credit Default Swaps, setzten sie auf den Zusammenbruch des Hypothekenmarktes. Der Film "The Big Short" von Adam McKay basiert auf dem gleichnamigen Sachbuch und Finanzthriller von Michael Lewis und erzählt, wie ihr Coup gelang.

Eine Lizenz zum Gelddrucken

Dass man als Sonderling von der Peripherie aus manchmal einen besseren Überblick über das gesamte System hat, zeigt nicht nur die Geschichte des von Christian Bale beeindruckend gezeichneten Fondsmanagers Mike Burry, die Sie hier nachlesen können. Auch die anderen Protagonisten sind Individualisten, die eines gemeinsam haben: Sie geben nichts auf die Meinung der Wall-Street-Experten und Analysten, die keine Blase am Immobilienmarkt erkennen wollten.

Brad Pit als Ben Rickert The

Brad Pit als Ben Rickert The "Big Short". | Bildquelle: picture alliance / dpa

Die Besetzung ist insgesamt beachtlich. Brad Pitt spielt einen desillusionierten Ex-Top-Banker, der das System verachtet und sich für Pflanzen interessiert. Steve Carell verkörpert den Fondsmanager Mark Baum. Er hasst die Wall Street, kommt aber nicht vom Big Business los. Ryan Gosling brilliert als Jared Vernett und führt als schmierig-gewiefter Erzähler durch den Film. Die Figur ist übrigens angelehnt an den ehemaligen Deutsche-Bank-Händler Greg Lippmann, von dem berichtet wird, dass er strukturierte Produkte schon mal als "Mist" bezeichnete.

Helden sind sie alle nicht, denn ihre Motive sind keineswegs edel. Auch sie sind letztlich Teil des Systems und wollen möglichst viel Geld verdienen. Vor allem aber wollen sie Recht haben und es den anderen zeigen.

Hollywoods Version der Sendung mit der Maus

Steve Carell als Mark Baum in The Big Short

Steve Carell als Mark Baum in "The Big Short". | Bildquelle: Paramount Pictures

Das Hypothekengeschäft funktionierte für die Finanzfirmen, und alle die ihnen zuarbeiten, wie eine Gelddruckmaschine. Heute wissen wir, dass die Aufsichtsbehörden versagten, dass die Rating-Agenturen ihren Job nicht anständig machten, das immer komplexere, riskantere und wertlose Finanzprodukte erfunden wurden, um die Maschinerie am laufen zu halten.

McKay möchte, dass der Zuschauer versteht, was passiert ist. CDO, CDS, synthetische CDO, Kreditverbriefungen, strukturierte Produkte, Hypothekenanleihen, Subprime-Hypotheken… was ist da eigentlich los gewesen? Was verbirgt sich hinter all diesen Abstraktionen? In ziemlich komischen Exkursen, die den Lauf der Erzählung unterbrechen, leistet er Verständnishilfe: Was Sie immer schon über CDOs wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten.

"Wir dachten, hier arbeiten Erwachsene"

Die Schauspielerin Margot Robbie, die für ihre Erscheinung als Ehefrau von Jordan Belfort (Leonardo DiCaprio) in Martin Scorseses "The Wolf of Wall Street" in Erinnerung geblieben ist, erklärt bei einem Gläschen Champagner in der Badewanne, was man unter dem Begriff Subprime-Hypotheken verstehen darf: Scheiße.

Margot Robbie im Film

Margot Robbie. | Bildquelle: Filmwebsite

Ein Sternekoch zeigt am Beispiel einer Fischsuppe die Funktionsweise von CDOs. Einfach drei Tage alten Heilbutt beimischen, der ansonsten in der Tonne gelandet wäre: Ganz frisch ist sie jetzt nicht mehr, aber etwas anderes. Und natürlich immer noch Spitze, sozusagen Triple-A!

Auch für die Verwüstungen, die die Krise bei den Verursachern angerichtet hat, findet McKay treffende Bilder. Zwei junge Fondsmanger, die ebenfalls gegen den Immobilienmarkt gewettet haben, laufen staunend durch einen verlassenen Handelsraum der Pleitebank Lehman und stellen fassungslos fest: Wir dachten, hier arbeiten Erwachsene.

Too big to fail

Handelssaal im Film

Handelssaal im Film "The Big Short". | Bildquelle: Paramount Pictures

"The Big Short" ist lehrreich, weil er zeigt, dass man sich manchmal mutig gegen die herrschende Meinung stellen muss, um erfolgreich zu sein. Es ist komisch, wie er die hohle Selbstgewissheit vieler Banker entlarvt. Und der Film ist bitter, weil diese Selbstgefälligkeit zu einer globalen Finanzkrise führte, die die Existenz von Millionen Menschen aufs Spiel gesetzt hat.

Besonders bitter ist das Fazit Baums nach seinem immens erfolgreichen Trade: Er habe gedacht, die Banker seien dumm gewesen, weil sie die klaren Krisensignale des Marktes nicht verstanden hätten. Vermutlich hätten sie aber gewusst, dass der Staat sie raushauen würde, wenn es schiefgeht. So sieht es wohl aus.

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