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Scripophilie

Sammleraktie Norddeutsche Lloyd

Historische Wertpapiere

Deutlich mehr als ein altes Stück Papier

von Ursula Mayer

Stand: 30.06.2016, 16:49 Uhr

Sie erzählen eine Geschichte und viele davon sind sogar kleine Kunstwerke: Das macht historische Wertpapiere, die an der Börse nicht mehr gehandelt werden und so gesehen als wertlos gelten, zu begehrten und wertvollen Sammlerobjekten.

Für einen Spitzenpreis von umgerechnet 60.000 Euro wechselte sie dieses Jahr bei einer Auktion in London den Besitzer: die Gründeraktie des früheren amerikanischen Erdölgiganten Standard Oil Company mit drei Originalunterschriften von John D. Rockefeller. Ein Dokument von immenser finanzhistorischer Bedeutung, genau wie die Gründeraktie mit der Seriennummer eins der Deutschen Bank aus dem Jahr 1871, in Taler emittiert. Sie wurde 2004 ebenfalls in London verkauft, für über 100.000 Euro. Ein Unikat.

Ein Rekordpreis von über einer Million Dollar sprang vor sechs Jahren bei der Auktion der von Marcel Duchamp gestalteten Anleihe Monte Carlo Bonds heraus, ein Druck, handsigniert vom Künstler. Es sind zum Teil horrende Summen, die Sammler für solche Raritäten hinblättern. Wertpapiere in Papierform, wie man sie so heute nicht mehr bekommt, Börsenleichen, nicht mehr handelbar, sogenannte Nonvaleurs. Aber anders als der Name suggeriert, gibt es dafür mittlerweile in Sammlerkreisen zum Teil ein Vielfaches dessen, was die Papiere an der Börse jemals wert waren.

Zum Vernichten viel zu schade

Die Dokumente hätten vernichtet werden müssen, weil die Gesellschaften insolvent wurden oder in anderen aufgingen. Andere hätten in Folge einer Währungsreform durch Neudrucke ersetzt werden sollen. Aber sie sind die wenigen Exemplare, die vergessen wurden. Sie tauchten später auf Dachböden und in Tresoren wieder auf.

Den Reiz dieser zum Teil kunstvoll gestalteten Papiere entdeckten Sammler vor vierzig Jahren. Rund 4.000 Liebhaber gibt es in Deutschland derzeit, schätzt Michael Weingarten, Vorstand der Aktiengesellschaft für historische Wertpapiere, deren Aktionäre selbst vom Sammelfieber ergriffen sind. "Die Sammelleidenschaft hat zum Beispiel Banker, Börsianer, Unternehmenslenker und Wirtschaftsprüfer erfasst."

Wertpapiere von den "Pfeffersäcken"

Die decken sich auf Auktionen, im Direkthandel und auf Online-Plattformen ein. Gerade das Internet habe für mehr Transparenz in Sammlerkreisen gesorgt, meint Michael Weingarten. Begehrt sind zum Beispiel Aktien von BMW und Porsche, in D-Mark ausgestellt, genau wie Aktien von Playboy mit einer Abbildung des Models Willy Rey. Eine beliebte Rarität ist auch ein Anteilsschein am Steinkohlebergwerk Dorsten, mit der Unterschrift von Johann Wolfgang von Goethe. Sammlerwert: rund 40.000 Euro.

Das älteste bekannte Wertpapier geht zurück auf das Jahr 1606 und wurde ausgegeben von der Vereinigten Ostindischen Compagnie. Die Händler, "Pfeffersäcke" genannt, schickten Schiffe Richtung Indien und importierten von dort Gewürze. Wohlhabende Kaufleute, Provinzen und Städte wurden an den Geschäften in Form von solchen Aktien beteiligt und sie bekamen Ausschüttungen, etwa in Form von Pfeffer. Der Wert dieses Dokuments lässt sich kaum schätzen. Es ist auch gar nicht verkäuflich, hängt als Ausstellungstück in der Börse Amsterdam.

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Raritäten der Börse

Überbleibsel aus Papier

Sammleraktie Kuxschein

Kuxschein Steinkohlebergwerk Dorsten

Kuxschein steht groß auf dem Dokument aus dem Jahr 1908, das bedeutet Anteilsschein, und zwar an dem Steinkohlebergwerk Dorsten. Das war im Besitz der Industriellenfamilie Thyssen. Auf der Vorder- und Rückseite befinden sich sechs Originalunterschriften von August Thyssen als Grubenvorstand, mit größter Wahrscheinlichkeit ein Unikat.

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