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Bradley Birkenfeld und Buchtitel

Bradley Birkenfeld brachte das Schweizer Bankgeheimnis zu Fall

Der Reichen-Schreck

Stand: 18.05.2017, 15:10 Uhr

Viele Reiche hassen ihn und zittern vor ihm: Der einstige UBS-Privatbanker Bradley Birkenfeld hat zahlreiche amerikanische Steuerhinterzieher enttarnt und das Schweizer Bankgeheimnis zerstört. In seinem Buch "Des Teufels Banker" schildert er seine Enthüllungen. boerse.ARD.de traf ihn in Stuttgart.

Wie ein diskreter Vermögensverwalter sieht Bradley Birkenfeld wahrlich nicht aus. Der bullige 1,90 Meter große Amerikaner mit seinem auffällig großen Ring und seiner protzigen Uhr wirkt eher wie ein Gebrauchtwagenhändler oder ein Immobilienmakler. Dabei hat der Mann Milliarden bewegt. Zehn Jahre lang, von 1995 bis 2005, lockte er für Schweizer Großbanken wie die Credit Suisse und später die UBS Millionäre aus dem Ausland an, die ihr Geld steuerfrei anlegen wollten. "Die Schweiz war ein Disneyland für Banker."

Lukratives Geschäft mit Amerikas Super-Reichen

Bei der UBS stieg er zum Rockstar unter den Privatbankern auf. Auf Gala-Dinners, Yachtrennen, Poloturnieren oder in exklusiven Golfclubs kontaktierte er wohlhabende Amerikaner und überzeugte sie bei einem zweiten Treffen an einer diskreten Hotelbar oder bei einem Privat-Dinner, ihr Geld in die Schweiz zu bringen - ohne lästige Fragen und ohne Probleme mit den Finanzbehörden. Birkenfeld half kräftig mit bei der Steuerhinterziehung. Wurde es zu heikel, kaufte er notfalls mit dem Schwarzgeld seiner Kunden Diamanten, die er in einer Zahnpasta-Tube durch den Zoll schmuggelte. "Mit jedem Ticken meiner Schweizer Kuckucksuhr machte ich meine amerikanischen Kunden reicher, und ich ging auf jeden Wunsch von ihnen ein, egal wie ungewöhnlich er war", schwärmt Birkenfeld.

Einblicke ins "Schweizer Paradies"

Nicht nur die Bank, sondern auch er verdiente am Geschäft mit den reichen Amerikanern prächtig mit. Er besaß eine luxuriöse Genfer Wohnung in Top-Lage mit Seeblick sowie ein Chalet in den Schweizer Bergen, in das er am Wochenende mit seinem Ferrari düste. Mit seinen Kunden besuchte er das Formel-1-Rennen in Monaco oder die Art Basel in Miami und erlebte rauschende Partys sowie viele wilde Nächte mit Prostituierten. "Ich schlief nachts sehr gut - und selten allein", erzählt er. Auf über 60 Seiten schildert Birkenfeld detailliert und anschaulich sein Luxusleben "im Schweizer Paradies". "Manchmal musste ich mich selbst kneifen, um mich zu vergewissern, dass ich nicht träume."

Doch schneller als gedacht - Mitte der 2000er Jahre - war es mit dem Jet-Set-Leben zu Ende, als die Bank eine interne Anweisung gab, dass UBS-Banker keine Kunden in den USA anwerben dürfen. "Mitten in der blutigen Jagd nach unversteuerten Millionen hatten sich die Rechtsanwälte der Bank dieses Dokument zum Arschretten ausgedacht und es tief in ihren Schweizer Arschlöchern vergraben, wo es niemand finden konnte", schreibt Birkenfeld unverblümt deftig in seinem Buch. Schnell wurde ihm klar, dass er für seine illegalen Aktivitäten mit den US-Millionären bei der UBS-Spitze keine Rückendeckung erhalten würde und sie ihn ins Messer laufen ließ. Seine Mails zur Klärung der Angelegenheit wurden nie beantwortet.

Bradley Birkenfeld

Bradley Birkenfeld. | Bildquelle: lucifersbanker.com

Enthüllungen des Ex-Bankers bringen ihn ins Gefängnis

Fortan sann Birkenfeld auf Rache. Er sammelte die internen Schulungsmodule, Mails seiner Vorgesetzten sowie vor allem die ganzen Kundendaten - und kündigte. Als ihm die Bank auch noch den ausstehenden Bonus von 600.000 Franken verweigern wollte, ging er zum Gegenangriff über und packte vor den US-Justizbehörden aus. Doch diese stuften ihn zunächst als Kriminellen ein. Weil er Informationen unterschlagen habe, wurde er wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dank guter Führung kam der Ex-Top-Banker nach 30 Monaten wieder frei.

Nachträglich wurde der "Verräter" für seine Enthüllungen doch noch fürstlich belohnt: Er kassierte 104 Millionen Dollar von den amerikanischen Steuerbehörden. Damit dürfte der Amerikaner der wohl reichste "Whisteblower" der Welt sein. Denn laut einem Gesetz stehen "Whisteblowern" 15 bis 30 Prozent der Steuereinnahmen zu. Tatsächlich erhielt der Fiskus gut 15 Milliarden Dollar an Steuernachzahlungen der reichen Amerikaner, die teils bei der UBS ihr Geld versteckt hatten.

Die von Birkenfeld ausgelösten Ermittlungen in den USA brachten die UBS an den Rand des Ruins. Das Schweizer Geldhaus musste 780 Millionen Dollar Strafe zahlen und 4.450 Kundennamen preisgeben. Das war faktisch das Ende des Schweizer Bankgeheimnisses.

"Gegen die größte Bank und Regierung der Welt gewonnen"

Darüber verspürt der Amerikaner noch heute sichtlich Genugtuung. Er habe ein "kaputtes System" offenlegen wollen, in dem Menschen ihr Geld verstecken können, ohne Steuern zu zahlen, betont er auf seiner Buch-Promotion-Tour quer durch Deutschland. "Ich bin sehr stolz, den Kampf gegen die größte Bank der Welt und die größte Regierung der Welt gewonnen zu haben", sagt er in martialischen Tönen gegenüber boerse.ARD.de am Rande der Anlegermesse Invest.

Birkenfeld gibt zu, Verrat begangen zu haben. Er sei aber ein "guter Verräter" und vergleicht seinen Fall mit dem eines Informanten, der von einem geplanten Bombenanschlag erfahrt und das den Behörden meldet. "Da würde niemand von einem Verrat sprechen." Was dazu wohl seine Ex-Kunden sagen, die er verraten hat?

Birkenfelds Rachefeldzug geht weiter

Noch ist die Rachelust von Birkenfeld nicht gestillt. "Ich bin noch immer ein Hammer auf der Suche nach Nägeln", schreibt er am Ende seines Buchs. Der "Robin Hood der Steuerzahler", der inzwischen auf Malta lebt, setzt sich dafür ein, dass weltweit den Steuerhinterziehern das Handwerk gelegt wird. Mit seinem Geld und Know-How will er andere "Whistleblower" unterstützen. Er hofft auf ähnliche "Whisteblower"-freundliche Gesetze wie in den USA.

nb

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