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Porträt

David Einhorn

Wie "David the Goliath" Aktien "einhornt"

David Einhorn – der Zocker vor dem Herrn

von Angela Göpfert

Stand: 05.06.2015, 11:25 Uhr

Was haben Poker und Börse gemein? Sehr viel, zumindest wenn es nach David Einhorn geht. Der Gründer und Präsident des Hedgefonds Greenlight Capital beherrscht beide Spiele hervorragend.

Manchmal ist es dieses eine Investment, das den Unterschied macht. Den Unterschied zwischen einem Markt-Mitläufer und einem Markt-Versteher – einem, der erkennt, was "Mr. Market" wirklich umtreibt, und der an dieser Erkenntnis zu verdienen weiß. Im Falle David Einhorns war dieses eine Investment, das den Unterschied macht, die Wette gegen Lehman Brothers.

Der Gorilla-Esser

Im Mai 2008, zu einem Zeitpunkt also, da die Herde noch in die falsche Richtung rannte und die Lehman-Aktie komfortabel über 40 Dollar notierte, sprach der Hedgefonds-Star erstmals von Ungereimtheiten in der Lehman-Bilanz und wettete ungeniert auf den Kursverfall der Aktie. Der folgende öffentliche Schlagabtausch mit dem als "Gorilla" verschrienen Lehman-Chef Richard Fuld ist legendär:

»Ich will ihm das Herz herausreißen und es vor seinen Augen essen, während er noch lebt!«

Richard Fuld, CEO von Lehman Brothers, im Frühjahr 2008 über David Einhorn

Wie der Fall Lehman ausging, weiß jedes Kind. Wie sehr die Finanzkrise das eigene Depot zermalmt hat, weiß jeder Anleger nur zu gut. Doch das Geld ist nicht weg – es hat nur ein anderer, so heißt es. Im Falle Lehman hat sich Einhorn mit seiner Short-Attacke eine goldene Nase verdient. Mit jedem Dollar, den der Kurs abschmierte, soll Einhorn um eine Million reicher geworden sein.

Demonstranten mit Schildern stehen hinter dem Chef der US-Investmentbank Lehman Brothers, Richard Fuld Jr.

Lehman Brothers. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der "Einhorner"

Spätestens seit 2008 ist der Name David Einhorn damit ein in der breiten Finanzöffentlichkeit wohlbekannter Begriff. Dabei war der Sprössling einer jüdischen Familie aus New Jersey, der im Alter von 27 Jahren den Hegdefonds Greenlight Capital gegründet hatte, schon vorher mit passgenauen Zocks auffällig geworden.

So setzte der damals 33-Jährige 2002 alles auf ein Pferd, oder besser: gegen ein Pferd. Ein Pferd namens Allied Capital. Ein gezielter Kommentar auf einer Wohltätigkeitsveranstaltung gegen den US-Finanzdienstleister genügte, damit die Aktie am folgenden Morgen vom Handel ausgesetzt werden musste. Zuvor war sie um 20 Prozent abgestürzt.

Seither hat der aktivistische Investor, der gerne in einem Atemzug mit Carl Icahn und Bill Ackman genannt wird, immer wieder prominente Unternehmen und deren Chefs attackiert. An der Wall Street wird Einhorn für seine meist wohlfundierte Kritik ebenso gefürchtet wie geachtet. Seinen Spitznamen "David the Goliath" hat er sich hart erarbeitet. Aus dem Nachnamen des Hedgefonds-Stars ist im Finanzjargon sogar schon ein Verb geworden: Stürzt eine Aktie ab, nachdem Einhorn sie sich öffentlich vorgenommen hat, so heißt es an der Wall Street, sie wurde "eingehornt".

Der Value-Investor

Dabei ist Einhorns Hedgefonds Greenlight Capital keineswegs nur mit Short-Investments aktiv. Im Gegenteil: Über weite Strecken seiner Karriere war Einhorn als ganz konservativer "Stock Picker" aktiv, nicht umsonst charakterisiert er selbst seinen Fonds als "long-short value-oriented".

Mit zahlreichen seiner Long-Investments hat Einhorn goldrichtig gelegen. Beispiel Apple. Greenlight-Capital hält 1,3 Millionen Aktien des Tech-Giganten. Mit Erfolg drängte er jüngst den IT-Giganten, einen Teil seiner gewaltigen Bar-Reserven auszuschütten.

Apple-Logo

Apple-Logo. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Schläfer

Dass David Einhorn in der Summe ein glückliches Händchen mit seinen Investments hatte, belegt auch sein 1131. Platz in der Forbes-Liste der Reichen und vielleicht auch Glücklichen. Sein Vermögen wird auf 1,6 Milliarden Dollar geschätzt. Einhorn ist ein rechtschaffener Self-Made-Man, seinen Reichtum hat er sich erarbeitet, nicht ererbt. Seit der Gründung 1996 hat sein Hedgefonds Greenlight Capital eine Durchschnittsrendite von jährlich 21 Prozent erwirtschaftet.

Sein Geld verdient Einhorn übrigens auch im Schlaf. Von Einhorn heißt es, sein Nachmittags-Nickerchen sei ihm heilig. In seinem New Yorker Büro steht extra dafür eine Couch bereit.

Der Wohltäter/Spieler

Nebenbei findet Einhorn auch noch Zeit und Geld für karitative Arbeit. Wobei: Das Wort "Arbeit" trifft es wohl nicht ganz. Denn Einhorns wohltätiges Engagement ist äußerst eng mit seiner Spielleidenschaft verknüpft. 2006 wurde Einhorn 18. bei der "World Series of Poker". Seinen Gewinn, immerhin respektable 650.000 Dollar, spendete er der Michael J. Fox Foundation.

Screenshot der Website WSOP mit der Setcard von David Einhorn

Poker & Investment. | Bildquelle: Screenshot Unternehmenswebsite

2012 wurde Einhorn Dritter bei dem Poker-Event, bei dem das Startgeld (Buy-In) stolze 1,0 Millionen Dollar beträgt. Sein Gewinn, vier Millionen Dollar, kam diesmal der Robin Hood Foundation zugute. Bei beiden Vereinen sitzt Einhorn mittlerweile im Verwaltungsrat. Man könnte auch sagen, er hat sich "eingekauft". Nach guter alter Hedgefonds-Manier.

Wie schnell sich das Schicksal gegen einen wenden kann, hat aber auch ein David Einhorn immer wieder erfahren müssen – beim Poker wie an der Börse. So hat seine Wette gegen Keurig Green Mountain seinem Fonds im ersten Quartal 2014 einen happigen Verlust eingebrockt. Bei Keurig ist mittlerweile Coca-Cola eingestiegen. Und bei der jüngsten World Series of Poker war für Einhorn schon nach 45 Minuten Schluss: Er musste den Poker-Tisch als Erster verlassen. Eine Blamage, über die ein Goliath und Gorilla-Esser aber hinwegkommen dürfte.

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Das Depot von David Einhorn

Von Apple bis Chipotle

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

Apple

Apple gehört zu den größten Long-Positionen in David Einhorns Portfolio. Der Hedgefonds-Star hat damit sein goldenes Händchen bewiesen, allein seit Jahresbeginn hat der Nasdaq-Titel mehr als 20 Prozent hinzugewonnen. Ende Juli sorgten die frischen Quartalszahlen für Furore, die Aktie markierte ein neues Jahreshoch.

Der charttechnische Aufwärtstrend ist absolut intakt, die Chancen auf einen Angriff des alten Rekordhochs vom Herbst 2012 stehen gut. Zumal Apple seinen jüngst durchgeführten Aktiensplit mit 7:1 sehr geschickt gewählt hat. Das Allzeithoch liegt nunmehr zurückgerechnet bei 100,72 Dollar. Und wir wissen ja, dass runde Marken auf Anleger eine magische Anziehungskraft haben…

Dass Apple in diesem Jahr die Ausschüttungen an die Aktionäre deutlich erhöht hat, ist übrigens auch David Einhorn zu verdanken – der "aktivistische Investor" hatte bei Apple-Chef Tim Cook ordentlich Druck gemacht.

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

Apple

General Motors: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

General Motors

Micron: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

Micron

Resona Holdings: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Resona Holdings

Keurig Green Mountain: Kursverlauf am Börsenplatz Nasdaq für den Zeitraum 1 Jahr

Keurig Green Mountain

Chipotle Mexican Grill: Kursverlauf am Börsenplatz Nyse für den Zeitraum 1 Jahr

Chipotle Mexican Grill

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