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Börsengeschichten

Händler auf dem Parkett der New York Stock Exchange bedeckt mit der Hand seine Augen

US-Behörden fordern Auslieferung

Crash-Händler festgenommen

Stand: 22.04.2015, 11:48 Uhr

Fast genau fünf Jahre nach dem berühmten "Flash Crash" in den USA scheint nun der "Auslöser" des dramatischen Kurssturzflugs gefunden. Ein Wertpapierhändler, der inzwischen in London lebt, ist verhaftet worden. Die US-Behörden verlangen seine Überstellung.

Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg heißt der Händler Navinder Singh Sarao und lebt und arbeitet in der britischen Finanzmetropole. Das US-Justizministerium fordert nach der Verhaftung seine Auslieferung und auch die Finanzaufsicht über Derivate, die CFTC in den USA hat ein Verfahren eröffnet.

Hedgefonds schicken Börsen in den Keller

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum 5 Jahre
Kurs
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Der "Flash Crash", der den Dow-Jones-Index in den USA binnen Minuten um fast 1.000 Punkte nach unten schickte und die Weltbörsen belastete, ist eine der atemberaubensten Börsengeschichten de jüngeren Vergangenheit. Ausgelöst wurde er durch eine große Zahl von Verkaufsorders, die wiederum Großinvestoren wie Hedgefonds zu Verkäufen veranlassten, die durch eigens programmierte Handels-Computer vollautomatisch vollzogen wurden.

Der Ausgangspunkt liegt aber bei dem einen Händler und dessen Handelspraktiken: Sarao hatte so genannte "Scheinorders" in großen Stückzahlen auf den US-Leitindex S&P 500 im Orderbuch platziert. Scheinorders deshalb, weil Sarao nie vorhatte, wirklich Verkäufe zu tätigen. Seine Absicht war es, Marktteilnehmern zu suggerieren, dass ein großer Verkaufsdruck im Markt sei, um diesen dadurch zu drücken. Er selbst setzte mit Derivaten auf sinkende Kurse. Sanken diese dann tatsächlich, was vor dem Flash Crash auch regelmäßig funktionierte, konnte er risikolose Gewinne einstreichen.

1.000 Dow-Punkte in fünf Minuten

Am 6. Mai allerdings funktionierte das System allerdings ein bisschen zu gut. Durch den scheinbaren immens hohen Verkaufsdruck wurden Computerprogramme in Gang gesetzt, die die Lage in den Orderbüchern entsprechend interpretierten und eine Kettenreaktion an der Börse in Gang setzten. Der S&P 500 verlor bis zu sechs Prozent, beim Dow-Jones-Index lagen die Verluste zwischenzeitlich bei fast 1.000 Punkten oder neun Prozent.

In der Folge des Flash Crashes setzte die US-Börsenaufsicht SEC neue Regeln in Kraft, nach denen der Handel ausgesetzt wird, wenn allzu große abrupte Kursstürze erfolgen. Der Hochfrequenzhandel, bei dem Transaktionen innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgeführt werden, steht weiterhin in der Kritik.

AB

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"Fette Finger" sind immer und überall

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