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Porträt

Carl Icahn

Ein Student menschlicher Dummheit

Carl Icahn: Zwischen "Ich kann" und Ikone

Stand: 22.08.2014, 15:00 Uhr

Wer beliebt sein will, wird wohl in aller Regel kein erfolgreicher Investor oder Multimilliardär. Um die Meinung der anderen hat sich Carl Icahn nie geschert. Und wie man reich wird, weiß er wie kaum ein Zweiter.

Während Milliardärskollege Warren Buffett eher den guten Onkel gibt, spielt der Selfmade-Milliardär Carl Icahn nun seit vielen Jahrzehnten schon den wilden Mann. Weil er es kann! Und zur Ikone wurde der am 16. Februar 1936 in Queens, New York City, geborene Mann spätestens durch den Film "Wall Street" aus dem Jahr 1987.

Gordon Gekko (Michael Douglas) und Jacob Moore (Shia LaBoeuf) (Quelle: Twentieth Century Fox)

Gordon Gekko (Michael Douglas) und Jacob Moore (Shia LaBoeuf). | Bildquelle: Twentieth Century Fox

Er gilt als eines der Vorbilder für den von Michael Douglas verkörperten skrupellosen Investor Gordon Gecko. Icahns TWA-Deal aus dem Jahre 1985 fand Regisseur Oliver Stone so inspirierend, dass er daraus einen Film über die von ihm beklagte Unmoral der Finanzmärkte machte. Der Film wurde zum Renner und Gecko zum Idol für eine ganze Generation junger Investmentbanker.

Medien bezeichneten Icahn auch als den wahren "Wolf der Wall Street", obwohl der Regisseur Martin Scorsesee Jordan Belfort als Vorbild für seinen jüngsten Film wählte.      

Billig kaufen, teuer verkaufen

Denn ähnlich wie der Leinwand-Gecko machte Icahn in den 80ern ein Vermögen, indem er Firmen, die sich in einer schwierigen Lage befanden, möglichst günstig kaufte und zerschlug. Die profitablen Teile veräußerte er mit hohem Gewinn weiter. Im Grunde das Prinzip jeden Kaufmanns. Es klingt so leicht und ist mitunter doch so schwierig zu realisieren: Billig kaufen und teuer verkaufen.

Seine Karriere begann der 78-Jährige im Jahr 1961 als selbstständiger Aktienhändler. Der Investor ist heute der Boss seiner börsennotierten Holdinggesellschaft Icahn Enterprises. Im vergangenen Jahr kletterte deren Gewinn um satte 144 Prozent auf eine Milliarde Dollar. Die Holding investiert in Automotive, Energie, die Spieleindustrie, Eisenbahnwaggons, Rohstoffe (Metalle), Immobilien und Ernährungsverpackungen und Home Fashion.

Arbeit hält jung

Icahn ist derzeit aktiv wie nie. Seine Aktionen rund um das Aktienrückkaufprogramm von Apple und die von Ebay geforderte Abspaltung von PayPal sorgen in der die Finanzwelt für Schlagzeilen. Warum tut er sich das als im fortgeschrittenen Alter noch an? Die Antwort ist einfach: Die Langeweile ist's: Gegenüber dem US-Magazin "Forbes" versuchte er sich zu erklären: Er verkaufte seine Superyacht, weil es ihm zu öde war, die Zeit darauf zu verbringen, schreibt "Forbes". Icahn habe für sich herausgefunden, dass Glück für ihn im Aktivsein bestehe: "Was sollte ich sonst tun? Bei langweiligen Dinnerparties sitzen?"

Aber egal ob mit oder ohne 26,3 Milliarden Dollar: Mit dem Leben könnte man natürlich noch jede Menge anderer Dinge anfangen - ohne sich auch nur ein einziges Mal auf einer Dinnerparty zu langweilen. Und etwas hat Icahn eben doch für sich entdeckt: "Einige Menschen werden durch das Studium künstlicher Intelligenz reich. Ich mache mein Geld durch das Studium natürlicher Dummheit", schreibt er auf seinem Twitter-Account.

"Kauf dir einen Hund"

Ein Hund rennt über eine Wiese

Zweibeiner und Vierbeiner können gemeinsam schöne Dinge tun. | Bildquelle: colourbox

Das Studium menschlicher Dummheit ist natürlich eine Aufgabe für die Ewigkeit, selbst Icahn wird es nicht zum Abschluss bringen. Vielleicht sollte er sich deshalb auf seine alten Tage lieber einen zutraulichen Vierbeiner zulegen, möchte man dem auf der Liste der reichsten Menschen der Welt auf Platz 23 stehendem Multimilliardär vorschlagen.

Schließlich wird ihm auch das legendäre Zitat aus dem Film "Wall Street" zugeschrieben: "Willst du einen Freund, kauf dir einen Hund." Er soll den traurigen Satz seinerzeit zu einem Mitarbeiter der übernommenen Fluggesellschaft TWA gesagt haben.

ts

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Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 1 Jahr

Apple

Für Furore sorgte Icahn, als er bei Apple einstieg, um dort ebenfalls kräftig mitzumischen. Er verfügt dort etwa über einen Anteil von einem Prozent. Bei Apple hat er sich eingekauft, weil er es auf die prall gefüllte Firmenkasse abgesehen hatte. Icahn verlangte, den Aktienrückkauf im Geschäftsjahr auf 50 Milliarden Dollar aufzustocken. Er biss aber bei Apple-Chef Tim Cook und dem Verwaltungsrat des Konzerns auf Granit. Schließlich erklärte Icahn, sich mit dem auf 32 Milliarden Dollar geschätzten laufenden Rückkauf zufriedenzugeben. Das käme seiner Forderung ja schon nahe. Üblicherweise sorgt ein Aktienrückkauf dafür, dass der Aktienkurs steigt, was natürlich im Interesse Icahns liegt.

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