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Bruce Kovner, CAM Capital

Disziplin ist alles Bruce Kovner - Schöngeist und knallharter Händler

von Robert Minde

Stand: 06.02.2017, 17:11 Uhr

Es gibt sie noch, die amerikanische Erfolgsgeschichte. Bruce Kovners Lebenslauf erinnert daran, wie Amerika groß geworden ist - und reich, versteht sich. Denn Kovner hat viele Jahre die Märkte gerockt.

28 Jahre lang hat Bruce Kovner den von ihm im Jahr 1983 gegründeten Hedgefonds Caxton Associates erfolgreich durch so manche Krise geführt. Nur ein einziges Mal, im Jahr 1994, einem besonders schwachen Jahr am Rentenmarkt, wies er einen Verlust aus - in Höhe von 2,5 Prozent.

Durchschnittlich hat er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2011 eine Wertentwicklung von 21 Prozent pro Jahr erzielt und gehört damit zu den Großen der Branche. Dies auch und gerade 2008/09, dem Jahr der Krise, als er Caxton im Gegensatz zu manchem Konkurrenten für Rücknahmen offen gehalten hatte. Unter Kovners Regie war der Fonds ab 1992 für Neugelder geschlossen, erst ab 2013 ist er unter seinem Nachfolger Andrew Law wieder geöffnet.

Aus bescheidenen Verhältnissen

Kovner, geboren 1945 in New York, entstammt bescheidenen jüdischen Verhältnissen und hat drei Geschwister. Die Eltern waren verfolgt worden und aus Polen nach Amerika geflüchtet. Die Familie zog dann 1953 nach Los Angeles. Kovner fiel in der Schule auf und erhielt ein privates Stipendium, das ihn 1962 an die Eliteuniversität Harvard und damit wieder an die Ostküste führte. Er studierte politische Ökonomie, brach aber seine anschließende Promotion ab.

Wer nun glaubt, der Weg hätte ihn trotzdem von Harvard direkt an die Wall Street geführt, irrt. Denn der Lebenswandel des jungen Mannes war zunächst unstet. Er hatte vielfältige Interessen und besuchte sogar das bekannte private Musikkonservatorium Juilliard in New York, in dessen Vorstand er heute sitzt. Er beschäftigte sich mit Klavier und Cembalo und fuhr während dieser Zeit Taxi.

Erst 1977 begann sein Weg in die Finanzindustrie, als er für 3.000 Dollar auf Sojabohnen wettete. Der Kontrakt stieg zunächst auf 40.000 Dollar, fiel dann aber wieder auf gut die Hälfte zurück. Später erzählte er, dass diese nervenaufreibende Position ihn gelehrt hat, stets ein besonderes Auge auf das Risikomanagement zu werfen.

Der Weg zum eigenen Hedgefonds

Sein Börseninteresse führte ihn zum legendären Händler Michael Marcus und zum Rohstoffhändler Commodities Corporation, heute Teil von Goldman Sachs. Marcus' Devise war, dass klare Gedanken ein wichtiger Teil des Erfolges sind. Kovner berücksichtigte dies und war als Händler ausgesprochen erfolgreich. Er galt als umsichtig und konsequent und verdiente in dieser Zeit angeblich Millionen. Aktuell wird sein Vermögen übrigens auf rund 5,5 Milliarden Dollar geschätzt.

Caxton Associates - ein Makro-Fonds

1983 tat Kovner den entscheidenden Schritt. Er gründete seinen eigenen Hedgefonds Caxton Associates. Caxton ist ein Makro-Fonds und damit so ziemlich das genaue Gegenstück zu den computerbasierten Quant-Fonds, die nach festen Algorithmen der Maschinen investieren.

Caxton Associates

Caxton Associates. | Bildquelle: picture alliance / Unternehmen, Montage: boerse.ARD.de

Ein solcher Fonds investiert in diverse Anlageklassen, etwa in Aktien, Rohstoffe oder den Rentenmarkt. Der Händler verfolgt dabei eine feste Idee, sein ureigenes Bild der Welt. Makro-Manager gelten oft als sehr individuelle Persönlichkeiten, während quantitative Entscheidungen rein von der Maschine getroffen werden. Berühmte Beispiele für Makro-Manager sind etwa George Soros oder Paul Tudor Jones.

Kovner nutzt(e) dabei die technische Analyse, um geeignete Wendepunkte seiner Strategie zu ermitteln, wenn auch nicht als einzig maßgebliche Analyse. Vor allem diszipliniert muss ein Trader nach Kovners Überzeugung sein. "Wann immer ich eine Position eingehe, muss ich einen Stopkurs bereits festgelegt haben. Das ist der einzige Weg, wie ich schlafen kann", spricht er Klartext. Verluste kann er nur akzeptieren, wenn sie trotz einer stringenten Handelsstrategie anfallen.

Hier kommt seine Präferenz für ein ausgeprägtes Risikomanagement zum Tragen. Makro-Manager entstammen oftmals den Derivate-Handelstischen, etwa dem Handel von Futures und Optionen, mit denen ein Investor, vor allem in den USA, fast alles abbilden kann, was er möchte.

2011 zog sich Kovner aus Caxton zurück und betreibt mit CAM erneut einen Fonds für seine eigenen Mittel und die der Mitarbeiter. Die CAM-Partner halten zwar noch Anteile an Caxton, sind aber nicht mehr im Tagesgeschäft tätig. Auch bei CAM ist das Anlagespektrum breit gefächert und opportunistisch ausgerichtet.

Die Krise der Makro-Strategen

Andrew Law

Andrew Law. | Bildquelle: picture alliance / empics

Caxton selbst wird heute vom Briten Andrew Law geführt. Vertreten ist die Firma mit Sitz in Princeton/New Jersey neben New York City noch in London und Sydney. Bereits 2008 zog sich Kovner vom aktiven Handel zurück und machte den Briten zum Chefstrategen. Seit 2011 sitzt dieser auf dem Chefsessel und verwaltet heute mit etwa 180 Mitarbeitern rund 7,9 Milliarden Dollar.

Aber die Zeiten für Makro-Trader sind schwieriger geworden. Strategien sind im Zeitalter alles bestimmender Notenbanken schwerer am Markt zu platzieren. Die Algorithmen der Maschinen haben da bei vielen Investoren einen größeren Charme.

Zudem ist der Risikoappetit der Investoren deutlich geringer als zu Kovners Glanzzeiten, es werden wesentlich geringere Toleranzen bei den eingegangenen Positionen akzeptiert. Das macht Makro-Trader vorsichtig und beraubt sie damit ihres teilweise raubtierhaften Verhaltens am Handelstisch, mit dem sie groß wurden. Soros legendäre Wette gegen das britische Pfund 1992 wäre heute wohl kaum mehr durchzuhalten.

Caxton dürfte 2016 primär aufgrund einer erfolgreichen Strategie am US-Bondmarkt in positives Terrain vorgestoßen sein, hatte zuletzt aber enttäuscht. Die Grundprinzipien Andrew Laws sind jedoch bis heute von Kovner inspiriert. Für ihn ist das erste Gebot, den Märkten genau zuzuhören, politische Implikationen zu berücksichtigen und dabei das Risiko genau zu kontrollieren.

Bruce Kovner und seine Ehefrau Suzie Kovner

Bruce und Suzie Kovner. | Bildquelle: Juilliard School

Kovner, der Philantrop

Bruce Kovner jedenfalls ist raus aus der direkten Schusslinie der Märkte. Wie viele andere Branchengrößen auch betätigt sich sich der 71-Jährige mit seiner zweiten Frau Suzie mittlerweile als namhafter Stifter und Geldgeber für diverse wohltätige Zwecke und Einrichtungen. 2013 spendeten sie der Juilliard School 60 Millionen Dollar, die größte Einzelspende, die es je für das Musikkonservatorium gab. Er sitzt zudem in leitenden Gremien der New Yorker Metropolitan Opera und des Lincoln-Kunstcenters. Eine amerikanische Erfolgsgeschichte. Kovner, der Sohn armer Flüchtlinge aus Europa, hat die sich bietenden Möglichkeiten geschickt genutzt. Zu seinem Wohl, aber auch zum Wohl des Landes.

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