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Anlegerschutz

Sprudelnde Renditen, Geothermie

Geothermie-Projekt mit Fragezeichen

Zinszahlung Fehlanzeige

Stand: 12.08.2015, 15:00 Uhr

Tausende von Anlegern wurden vor Jahren in ein Investment in "Geokraftwerke" gelockt. Geothermie funktioniert grundsätzlich, im konkreten Fall aber ist die versprochene Rendite in weite Ferne gerückt.

Anleger Markus S. (Name von der Redaktion geändert) muss weiterhin auf eine Zinszahlung warten. Anfang August ging ihm ein Schreiben der Geokraftwerke.de GmbH zu, das seine Auszahlungshoffnungen erst einmal begraben hat.

In dem Schreiben, das boerse.ARD.de vorliegt, heißt es, die Projektgesellschaft geoenergie Kirchweihdach müsse einen "Abschreibungsbedarf" ausweisen. "Nach heutigem Stand" ergäben sich "keine ausreichenden Jahresüberschüsse". Diese sind aber wiederum "prospektierte Voraussetzung für die Zinsausschüttung".

Zinsen, mit Hinweis im Kleingedruckten

Die Schuldverschreibung, in die der Anleger wie viele seiner Leidensgenossen investiert hatte, wird also für das abgelaufene Jahr 2014 nicht verzinst. Markus S. hatte sich auf einen üppigen "Basiszins" von 7,5 Prozent gefreut. Den Hinweis im Kleingedruckten des Prospektes auf die Koppelung der Ausschüttung an entstandene Gewinne hatte er übersehen.

Mit seinem und dem Geld vieler weiterer Anleger sollte ein Geothermie-Kraftwerk im bayerischen Kirchweidach finanziert werden. Nach Bohrungen in die Tiefen des Gesteins sollte die Erdwärme Strom erzeugen, was wiederum "dank gesetzlich garantierter Einspeisevergütung" die Rendite ermöglichen sollte. Dazu wurde noch mit möglichen zusätzlichen Überschüssen gelockt. Die seit 2011 vertriebenen Schuldverschreibungen haben eine Mindestlaufzeit von sieben Jahren, vor 2018 ist also eine Rückzahlung nicht möglich.

Wo ist das Kraftwerk?

Das Projekt in Kirchweidach, in das ein Großteil der bis zu 50 Millionen an Anlegermitteln fließen sollte, hat sich in den vergangenen Monaten laut Recherchen von boerse.ARD.de anders als erhofft entwickelt. Zwar versorgt eine Geothermie-Bohrung inzwischen ein riesiges Gewächshaus vor Ort mit Wärme. Und ein Fernwärme-Leistungsnetz ist im Aufbau. Doch von einem großen und renditeträchtigen Kraftwerk ist noch keine Spur.

Zinsansprüche in der Zukunft - oder Pleite?

Laut der Geokraftwerke.de GmbH ist für die Anleger der Anspruch auf die versprochene Verzinsung jedoch "nicht verloren". Für nicht bediente Zinsansprüche bestehe ein Nachzahlungsanspruch aus freien Jahresüberschüssen der nachfolgenden Geschäftsjahre. Bleibt für Markus S. zu hoffen, dass der Kraftwerksbau und die damit verbundenen "höheren Erträge" irgendwann doch noch realisierbar sind. Im Fall einer Pleite des Geothermie-Unternehmens hat er allerdings nur geringe Chancen, aus der Konkursmasse des Unternehmens bedient zu werden (s. unser Special "Sprudelnde Renditen").

AB

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