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Anlegerschutz

Mehrere Reihen Goldbarren

Schon wieder ein großer Betrugsfall

Und ewig lockt das Gold

Stand: 07.06.2016, 11:22 Uhr

Gold macht sinnlich, das gilt für so manchen Anleger. Diese Neigung machen sich aber auch immer wieder Betrüger zu eigen - wie leider ein weiteres Beispiel zeigt, über das jetzt vor Gericht verhandelt wird.

Denn die mutmaßlichen Anlagebetrüger haben unter dem Dach einer noblen Villa in Berlin und unter dem Mäntelchen einer "Berliner Wirtschafts- und Finanzstiftung" seit 2011 bis zum Februar 2015 für Investments in Gold geworben. Sie machten sich dabei vor allem die Euro-Ängste ihrer Kunden gezielt zu Nutze, um mit Hochglanzprospekten für einen Einstieg zu werben.

Die Rückseite einer Maple Leaf Goldmünze

Die Rückseite einer Maple Leaf Goldmünze. | Bildquelle: Unternehmen

Insgesamt 6.200 Anleger sollen geprellt worden sein, der Schaden bei knapp 55 Millionen Euro liegen. Der Spuk war nach einer Razzia mit 120 Beamten im Berliner Stadtteil Zehlendorf im April 2015 zu Ende, nachdem die Behörden der angeblichen Stiftung schon länger auf der Spur waren.

Am Landgericht Berlin müssen sich nun ab Donnerstag fünf Angeklagte verantworten, vier Männer und eine Frau im Alter zwischen 46 und 67 Jahren. Unter den Angeklagten sind auch ein Rechtsanwalt und ein Steuerberater, die den Geschäften einen seriösen Anstrich gegeben haben sollen.

Der älteste Trick der Welt

Aber das Geld soll in die eigenen Taschen sowie in Provisionen geflossen sein. Und die Sicherheiten, sprich das so begehrte Gold? Im Tresor der Villa fanden die Ermittler das angeblich physische Gold - vier Tonnen im damaligen Wert von 140 Millionen Euro. Aber es war nur minderwertiges Metall, mit einem hauchdünnen Goldüberzug. Nicht gerade originell der Trick, weil altbekannt. Aber offensichtlich ungebrochen erfolgreich.

Die Anklage wirft den Angeklagten jetzt vor, eigens eine Vertriebs- und Unternehmensstruktur aufgebaut zu haben. Einer der Angeklagten soll in China die Herstellung der goldglänzenden Metallbarren in Auftrag gegeben haben. Kostenpunkt 309.000 Euro. Schon im vergangenen Jahr hatte der Insolvenzverwalter den Geschädigten wenig Hoffnung gemacht, dass sie ihr Geld wiedersehen.

Geschichten wie diese sind leider kein Einzelfall, auch wenn die Methode variiert. Deshalb ist es besonders wichtig, sich auf seine Bezugsquellen zu verlassen. Banken helfen hier übrigens gerne weiter, auch wenn sie meist selbst nicht mehr, wie früher, Goldmünzen oder Barren verkaufen.

Goldpreis im Aufschwung

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.228,10
Differenz absolut
-11,20
Differenz relativ
-0,90%

Gefördert wird die Goldnachfrage aber nicht nur von diffusen Euroängsten, sondern auch vom derzeitigen Anlagenotstand am Zinsmarkt. Denn seit Mario Draghi die Zinsen abgeschafft und die Notenbanken in bisher ungekanntem Ausmaß die Gelddruckmaschinen angeschmissen haben, unter anderem um Inflation zu erzeugen, scheint das gelbe Metall wieder beliebter zu werden - und auch Eingang in so manche Portfoliokonstruktion zu finden. Früher galt das gelbe Edelmetall nämlich primär als Inflationsschutz. Heute scheint es günstiger, das zinslose Gold zu besitzen, als Negativzinsen zu zahlen.

Der in Dollar ausgewiesene Preis je Feinunze ist in diesem Jahr denn auch in der Spitze Anfang Mai um knapp 22 und aktuell um 17 Prozent gestiegen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass es eigentlich die erste nennenswerte Gegenbewegung seit August 2011 ist, als der Unzenpreis bei etwas über 1,909 Dollar auf Rekordhoch lag. Langfristig ist Gold aber immer noch ein Geschäft, denn zur Jahrtausendwende lag der Preis unter 300 Dollar.

Gold ist sicher, aber nicht risikolos

An der Anlageklasse Gold scheiden sich die Geister, je nach Risikoneigung des Anlegers. Besonders konservative Investoren können deshalb tendenziell eher eine leichte Beute für Betrüger sein, wie der Fall in Berlin zeigt. Denn Gold suggeriert Sicherheit und Werterhalt und genau das wird gesucht.

Das ist zwar prinzipiell richtig, zu berücksichtigen ist aber auch stets die Notierung in Dollar. Für Anleger außerhalb des Dollarraums kann die Rechnung daher ganz anders aussehen, selbst wenn man nicht auf einen Betrüger hereingefallen ist. Gold ist somit keinesfalls risikolos, auch wenn es den Anschein erweckt.

rm

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In Gold anlegen - aber richtig

Barren oder Zertifikate

Goldener Topf voller Geldstücke

Physisches Gold

Die klassische und älteste Methode für Goldinvestments ist das physische Gold. Hier bieten sich einerseits Barren als auch Münzen an. Für Anleger in physischem Gold ist der Goldpreis in Euro maßgeblich. Für das Anlageergebnis spielt also der Euro-Dollar-Kurs eine große Rolle: Ist der Euro schwach, gewinnt der Anleger verglichen mit der international betrachteten Goldnotierung in Dollar etwas dazu - und umgekehrt.

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